Gespräche in Weltläden

14.06.2017

Wir tra­gen hier Mit­ver­ant­wor­tung für die Lebens­si­tua­ti­on der Men­schen in ande­ren Tei­len die­ser einen Welt

Gemein­sam mit mei­nem Frak­ti­ons­kol­le­gen Uwe Keke­ritz, unse­rem ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Spre­cher, habe ich heu­te die bei­den Welt­lä­den in Nür­tin­gen und Kirch­heim unter Teck besucht und mit den dort Enga­gier­ten dis­ku­tiert.

Im Welt­la­den in Kirch­heim unter Teck: In wun­der­schön reno­vier­ten Räu­men wer­den Lebens­mit­tel und Tex­ti­li­en ange­bo­ten.

Uwe Keke­ritz, Mit­glied und Obmann im Bun­des­tags­aus­schuss für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung, und ich infor­mier­ten sich in bei­den Welt­lä­den über die dor­ti­ge Arbeit. Wir spra­chen dabei über die aktu­el­le Situa­ti­on der Ent­wick­lungs­po­li­tik. Dabei mach­ten wir deut­lich, wie und war­um sich die Ent­wick­lungs­po­li­tik der GRÜNEN deut­lich von der Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung unter­schei­det.

Zu Beginn habe ich auf zwei The­men­be­rei­che hin­ge­wie­sen, die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­trä­ger unab­hän­gig von ihren fach­li­chen Schwer­punk­ten beschäf­ti­gen: Dies sind die Ursa­chen und Aus­wir­kun­gen der welt­wei­ten Flücht­lings­strö­me, die durch Krie­ge, Kli­ma­wan­del und Armut aus­ge­löst wer­den. Zwei­tens und sehr kon­kret sind es die deut­schen Rüs­tungs­ex­por­te, die im ver­gan­gen Jahr den zweit­höchs­ten Stand in der Geschich­te des Lan­des erreicht haben. Zu den Emp­fän­gern gehö­ren hoch­kri­ti­sche Län­der wie Katar. Völ­lig zu Recht wer­de ich dar­auf immer wie­der in mei­nen Bür­ger­sprech­stun­den ange­spro­chen. Mei­ne und unse­re grü­ne Mei­nung dazu ist ein­deu­tig: Waf­fen­lie­fe­run­gen in Kri­sen­re­gio­nen gehö­ren gestoppt! Dazu ist es not­wen­dig, dass die unter Rot-Grün ent­wi­ckel­ten Rüs­tungs­ex­port­richt­li­ni­en in die ver­bind­li­che Geset­zes­form gebracht wer­den.

Wirkt seit rund 20 Jah­ren erfolg­reich: Der Welt­la­den in Nür­tin­gen.

Mein Kol­le­ge Uwe Keke­ritz hat deut­lich gemacht, dass Ent­wick­lungs­po­li­tik bei uns – bei jedem von uns, bei uns in Deutsch­land – anfängt. Das zei­gen die Welt­lä­den sehr anschau­lich. Jede und jeder hat hier – und mitt­ler­wei­le auch in vie­len „nor­ma­len“ Super­märk­ten – die Mög­lich­keit, mit einem klei­nen Bei­trag selbst zu Per­spek­ti­ven für Men­schen in Ent­wick­lungs­län­dern bei­zu­tra­gen, z. B. mit Kaf­fee, Scho­ko­la­de oder fair gehan­del­ten Bana­nen. Ent­schei­dend ist, dass auch die öffent­li­che Hand fair beschafft. Das Volu­men ist mit bis zu 480 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich ungleich grö­ßer. Das novel­lier­te Ver­ga­be­recht von 2016 eröff­net hier Mög­lich­kei­ten, sozia­le und öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en anzu­le­gen. Das nutzt uns und den Men­schen im glo­ba­len Süden.

Aber auch die gro­ße Poli­tik, so Uwe Keke­ritz, muss mehr tun. Der Ent­wick­lungs­mi­nis­ter redet immer vom fai­ren Han­del. Die nach­tei­li­gen Ent­wick­lungs­part­ner­schafts­ab­kom­men der EU mit Afri­ka hat er aber nicht gestoppt, son­dern pas­sie­ren las­sen. Auch die gera­de gestar­te­ten Inves­ti­ti­ons­in­itia­ti­ven der Bun­des­re­gie­rung sind alles ande­re als nach­hal­tig. Es feh­len sozia­le und öko­lo­gi­sche Kri­te­ri­en und drei Minis­te­ri­en (Finan­zen, Ent­wick­lung und Wirt­schaft) konn­ten nur mit Mühe und Not ihre kon­kur­rie­ren­den Kon­zep­te unter ein gemein­sa­mes Dach stel­len – mal sehen, wie lan­ge das hält. Ein Bei­spiel für den kri­ti­sier­ten unfai­ren Han­del: Wenn Milch­pul­ver aus Deutsch­land als Export­gut unse­rer Land­wirt­schaft (zum Abbau von Über­ka­pa­zi­tä­ten) zu einem Drit­tel des Prei­ses für Milch der Bau­ern dort vor Ort ver­kauft wird, ist nicht damit zu rech­nen, dass afri­ka­ni­sche Bau­ern je von ihrer Hän­de Arbeit wer­den leben kön­nen. Dass die­se, um über­haupt zu über­le­ben, die Wan­de­rung nach Euro­pa antre­ten, ist daher nicht ver­wun­der­lich.

Zum Abschluss unse­rer Gesprä­che haben wir den enga­gier­ten Frau­en und Män­nern in den Welt­lä­den herz­lich für ihre Arbeit gedankt.

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