Grüne Gäubahn-Konferenz

Die Gäu­bahn – hier süd­lich von Horb – ist in wei­ten Tei­len nur ein­glei­sig.

29.10.2020

Bahnstrecke stärken, Interessen der Fahrgäste ernst nehmen!

Die Grü­nen wol­len die Gäu­bahn stär­ken. Das wur­de auf einer Kon­fe­renz deut­lich, an der Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te aus dem Land teil­ge­nom­men hat­ten. Initi­iert wor­den war die Run­de von der Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­ti­na Braun. Die Ver­tre­te­rin des Wahl­krei­ses Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen wies dar­auf hin, dass es mit dem not­wen­di­gen Aus­bau nicht schnell genug vor­an­gin­ge und mit Stutt­gart 21 sogar mas­si­ve Rück­schlä­ge dro­hen wür­den. Dies sei beson­ders bedau­er­lich, weil sich Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­ne Her­mann seit sei­nem Amts­an­tritt für die Gäu­bahn ein­set­ze. Ver­ant­wort­lich für den Bun­des­schie­nen­weg sei jedoch der Bund. Mat­thi­as Gast­el, bahn­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen im Bun­des­tag, führ­te die aktu­el­le Situa­ti­on näher aus. Der gül­ti­ge Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan sehe seit Jah­ren sie­ben unter­schied­li­che Aus­bau­maß­nah­men vor. Ledig­lich eine davon, der zwei­glei­si­ge Aus­bau zwi­schen Horb und Neckar­hau­sen, stün­de kurz vor dem Bau­be­ginn. Noch in frü­hen Pla­nungs­sta­di­en befän­den sich der zwei­glei­si­ge Aus­bau zwi­schen Rott­weil und Neufra, das güter­zug­taug­li­che Pro­fil der Stre­cke sowie die Sin­ge­ner Kur­ve, die dem Güter­ver­kehr das Kopf­ma­chen im Sin­ge­ner Haupt­bahn­hof erspa­ren soll. Für drei Aus­bau­ele­men­te hät­ten die Pla­nun­gen noch nicht ein­mal begon­nen: Dies gel­te für das zwei­te Gleis zwi­schen Spai­chin­gen, Rie­t­heim und Wurm­lin­gen, den Aus­bau des Nord­kopfs in Obern­dorf sowie die Block­ver­dich­tung zwi­schen Sin­gen und Gott­ma­din­gen. Dass es so lang­sam vor­an gin­ge sei allei­ne dem Bund anzu­las­ten, der sei­ne eige­ne Infra­struk­tur ver­nach­läs­si­ge. Die Fol­gen davon sei­en für die Fahr­gäs­te in Form von zu häu­fi­gen Ver­spä­tun­gen auf der nur begrenzt leis­tungs­fä­hi­gen Stre­cke zu spü­ren. Damit aber nicht genug: Mit Stutt­gart 21 dro­hen der Gäu­bahn ein jah­re­lan­ges Abhän­gen vom Haupt­bahn­hof der Lan­des­haupt­stadt. Der Grund sei, dass die Tras­sen­füh­rung über den Flug­ha­fen spä­ter kom­me als die Inbe­trieb­nah­me des Tief­bahn­hofs, mit der ein Teil der bis­he­ri­gen Tras­se aus bau­lo­gis­ti­schen Grün­den abge­baut wer­de soll. Erst hät­te die­se Unter­bre­chung ein hal­bes Jahr dau­ern sol­len, dann – wegen der Bau­ver­zö­ge­run­gen am Flug­ha­fen – drei bis fünf Jah­re. Soll­te ein Gäu­bahn­tun­nel an den Flug­ha­fen geplant wer­den, wür­de sich die Unter­bre­chung auf zehn bis 15 Jah­re aus­wei­ten. Mit der Pla­nung die­ses Tun­nels ist noch nicht ein­mal begon­nen wor­den. „Die­se Unter­bre­chung muss auf jeden Fall ver­hin­dert wer­den“, for­der­te Mat­thi­as Gast­el. Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Thek­la Wal­ker (Böb­lin­gen), Bernd Mur­schel (Leon­berg), Nese Eri­kli (Kon­stanz), Andrea Bogner-Unden (Sig­ma­rin­gen), Tho­mas Hent­schel (Ras­tatt), Dani­el Lede Abal und der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris Kühn (bei­de Tübin­gen) pflich­te­ten dem bei. Das Land habe ent­spre­chen­de Ideen vor­ge­legt und auch Kom­mu­nen ent­lang der Gäu­bahn­stre­cke sei­en kon­struk­tiv mit Ideen, aber auch einer kla­ren Erwar­tungs­hal­tung an den Bund und die Pro­jekt­part­ner von Stutt­gart 21 unter­wegs. Wenn die Züge nicht zum Haupt­bahn­hof durch­füh­ren, so Mat­thi­as Gast­el, bedeu­te dies für die Fahr­gäs­te einen zusätz­li­chen Umstieg bei­spiels­wei­se in Stutt­gart-Vai­hin­gen. Dies aber füh­re zumin­dest in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten zu über­füll­ten S- und Stadt­bah­nen. Wer ab Haupt­bahn­hof wei­ter rei­sen wol­le, kön­ne wegen der Rei­se­zeit­ver­län­ge­rung durch den Umstieg viel­fach sei­nen Anschluss nicht mehr errei­chen. „Daher haben wir als Grü­ne ein kla­res Ziel vor Augen: Die Kap­pung der Gäu­bahn muss auf das für den Bau­ab­lauf für S 21 erfor­der­li­che Mini­mum ver­kürzt wer­den. Am Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hof bedarf es über­dies zusätz­li­cher Bahn­stei­ge in Form einer Ergän­zungs­sta­ti­on. Der neue Bahn­kno­ten muss leis­tungs­fä­hi­ger wer­den und die Gäu­bahn bes­ser ein­ge­bun­den. Alles ande­re wäre den Fahr­gäs­ten aus dem Boden­see­raum, dem Schwarz­wald, von der Schwä­bi­schen Alb und aus dem Gäu gegen­über nicht zu ver­ant­wor­ten.“ Abschlie­ßend stell­te Mar­ti­na Braun für die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer der Gäu­bahn-Kon­fe­renz, die wegen der Coro­na-Kri­se ins Netz ver­legt wor­den war, fest: „Wir Grü­ne sind die trei­ben­de Kraft für den Aus­bau der Gäu­bahn. Nun müs­sen sich aber auch der Bund und alle Pro­jekt­part­ner von Stutt­gart 21 bewe­gen, um den Aus­bau schnel­ler vor­an­zu­brin­gen. Die Unter­bre­chung der Erreich­bar­keit des Haupt­bahn­ho­fes in Stutt­gart gilt es unbe­dingt zu ver­mei­den. Da sind wir die Anwäl­tin­nen und Anwäl­te der Fahr­gäs­te.“

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