Grüne Gesetzesinitiative: Mehr Fernverkehr in die Fläche!

Über Jahr­zehn­te sind nach und nach zahl­rei­che Fern­ver­kehrs­an­bin­dun­gen gestri­chen wor­den. Der Fern­ver­kehr abseits der hoch ren­ta­blen Stre­cken mit sehr hoher Fahr­gast­nach­fra­ge könn­te zusätz­lich durch den inten­si­ve­ren Wett­be­werb unter wirt­schaft­li­chen Druck gera­ten. Als Grü­ne im Bun­des­tag haben wir einen Gesetz­ent­wurf vor­ge­legt, mit dem wir Fern­ver­kehr in der Flä­che sichern und aus­bau­en wol­len.

Fern­ver­kehrs­li­ni­en wie die zwi­schen Leip­zig, Jena und Nürn­berg sind längst Geschich­te. Groß­städ­te wie Heil­bronn und Jena sind nicht regel­mä­ßig an den Fern­ver­kehr ange­schlos­sen. Der Wett­be­werb[1], der sich mit den neu­en Zügen von Flix und Italo deut­lich ver­schär­fen wird, droht ein Wett­be­werb auf den Stre­cken mit sehr hoher Fahr­gast­nach­fra­ge zu wer­den und die ande­ren Stre­cken mit den dor­ti­gen Städ­ten und Ober­zen­tren eher aus­zu­spa­ren. Grü­ne ste­hen jedoch für eine Bahn in der Flä­che und einen guten Zugang der Men­schen zur Bahn – inklu­si­ve des Fern­ver­kehrs!

Wir haben erst einen Antrag („Still­stand in der Bahn­po­li­tik über­win­den!“) und nun einen Gesetz­ent­wurf in den Deut­schen Bun­des­tag ein­ge­bracht. Unser Haupt­mo­tiv hier­für ist, dass es ein Umset­zungs­mo­dell für den Deutsch­land­takt braucht. Mit dem Deutsch­land­takt ist die erheb­li­che Aus­wei­tung von Regio­nal, Fern- und Güter­ver­kehr vor­ge­se­hen. Aber wie kön­nen Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) dazu gebracht wer­den, ihre Ange­bo­te aus­zu­wei­ten? Zunächst braucht es dafür Klar­heit über den Aus­bau der Schie­nen-Infra­struk­tur. Vie­ler­orts kön­nen ohne zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten nicht mehr Züge fah­ren und/oder sie kön­nen nicht so fah­ren, dass sich sinn­vol­le Umstei­ge­an­ge­bo­te in Kno­ten­bahn­hö­fen dar­stel­len las­sen. Für den Deutsch­land­takt wur­den daher Aus­bau­be­dar­fe im Schie­nen­netz iden­ti­fi­ziert. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um muss die Pro­jek­te prio­ri­sie­ren. Die­se Etap­pi­sie­rung ist längst über­fäl­lig und muss end­lich vor­ge­legt wer­den. Dann kann errech­net wer­den, wann wel­che Pro­jek­te in Angriff genom­men wer­den, wie hoch die Finan­zie­rungs­be­dar­fe sind und bis wann wo benö­tig­te Kapa­zi­tä­ten ver­füg­bar sein wer­den. Wir erwar­ten, dass die Koali­ti­on für eine aus­kömm­li­che und ver­läss­li­che Finan­zie­rung von Pla­nungs- und Bau­kos­ten sorgt! Zudem braucht es das erwähn­te Markt­mo­dell für die recht­li­che und pla­ne­ri­sche Umset­zung der Deutsch­land­takt-Ver­keh­re.

Die Idee für mehr Fern­ver­kehr (ICE, IC) in der Flä­che:

1. Grund­satz der eigen­wirt­schaft­li­chen Ver­keh­re wird bei­be­hal­ten. Was sich ohne staat­li­che För­de­rung trägt, soll wei­ter­hin ohne För­de­rung des Staa­tes aus­kom­men.
2. Wo Fern­ver­kehr nicht eigen­wirt­schaft­lich funk­tio­niert, wer­den die Tras­sen­prei­se gezielt gesenkt. Es wer­den also wirt­schaft­li­che Anrei­ze geschaf­fen, Fern­ver­kehr anzu­bie­ten.
3. Wo auch nied­ri­ge­re Tras­sen­prei­se nicht zu gewünsch­ten Ange­bo­ten füh­ren, wird ähn­lich wie im Regio­nal­ver­kehr aus­ge­schrie­ben. Das güns­tigs­te Ange­bot erhält den Zuschlag.

Was es hier­für braucht, ist die recht­li­che Grund­la­ge und einen bun­des­wei­ten Auf­ga­ben­trä­ger. Ande­re euro­päi­sche Län­der haben längst ihre Auf­ga­ben­trä­ger, die den Fern­ver­kehr zum Nut­zen der Fahr­gäs­te koor­di­nie­ren. Der Auf­ga­ben­trä­ger soll ein Min­dest­an­ge­bot im Fern­ver­kehr sicher­stel­len. Dazu ent­wi­ckelt die­ser einen Fern­ver­kehrs­plan mit kla­ren Aus­sa­gen über Lauf­we­ge, Takt­fre­quenz, Min­dest­an­ge­bots­qua­li­tät sowie Fahr­pl­an­la­gen. Die Ange­bo­te müs­sen auf­ein­an­der so abge­stimmt wer­den, dass sich für die Rei­sen­den sinn­vol­le Rei­se­ket­ten durch opti­mier­te Umstei­ge­mög­lich­kei­ten erge­ben.

Mit unse­rem Vor­schlag wer­den vie­le Städ­te wieder/neu/besser an den Fern­ver­kehr ange­bun­den. Rund fünf Mil­lio­nen Men­schen pro­fi­tie­ren von bes­se­ren Bahn­an­ge­bo­ten. „Fern­ver­kehr“ kann aus ICE- und IC-Ange­bo­ten bestehen, aber auch aus ICE-Sprin­tern. Der Fern­ver­kehr muss durch den geplan­ten Aus­bau nicht zwin­gend häu­fi­ger hal­ten und auch nicht durch zusätz­li­che Hal­te­an­ge­bo­te lang­sa­mer wer­den. Uns geht es auch um zusätz­li­che Lini­en oder Hal­te, die durch die Ver­län­ge­rung von Lini­en ent­ste­hen. Unser Kon­zept sieht eine schritt­wei­se Umset­zung vor – ganz so, wie es die aus­zu­bau­en­de Infra­struk­tur zulässt.

Der Bund muss jetzt han­deln: Der Wett­be­werb im Fern­ver­kehr muss fair und zum Nut­zen der Fahr­gäs­te orga­ni­siert wer­den. Der Deutsch­land­takt darf kei­ne Wort­hül­se blei­ben, son­dern muss mit Leben gefüllt wer­den. Wir set­zen Arti­kel 87e Absatz 4 des Grund­ge­set­zes um, indem wir das Ver­spre­chen, der Bund küm­mert sich um Infra­struk­tur und Ver­kehrs­an­ge­bo­te, in einem Bun­des­ge­setz kon­kre­ti­sie­ren. Für den Fern­ver­kehr in der Flä­che! Mit unse­rem Vor­stoß wer­den fünf Mil­lio­nen Men­schen in weit in über 100 Städ­ten schritt­wei­se bes­ser an den Fern­ver­kehr ange­bun­den.

 

Auf der Home­page der Bun­des­tags­frak­ti­on befin­det sich eine inter­ak­ti­ve Kar­te: https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/was-unsere-politik-fuer-dich-bedeutet/fernverkehr-unser-gesetz-bringt-den-intercity-zurueck-in-deinen-bahnhof/

Hier geht es zu unse­rem Antrag, mit dem wir den Aus­bau des Schie­nen­net­zes und die Aus­wei­tung der Fern­ver­kehrs-Ange­bo­te sicher­stel­len wol­len, eine Eigen­tü­mer­stra­te­gie des Bun­des gegen­über der Deut­schen Bahn AG ent­wi­ckeln und einen Dach­ta­rif im Fern­ver­kehr geschaf­fen haben wol­len: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1194236

[1] Wir begrü­ßen den Wett­be­werb sehr. Er zeigt, dass der Fern­ver­kehrs­markt in Deutsch­land inter­es­san­te Poten­tia­le auf­weist, ermög­lichst die Ver­gleich­bar­keit von Ange­bo­ten und wird zu Ver­bess­run­gen bei Ser­vice und Prei­sen für die Fahr­gäs­te füh­ren. Er muss jedoch im Inter­es­se der Fahr­gäs­te gesteu­ert wer­den.