Grünes Bahnforum am Bodensee

Unter­wegs auf der Boden­see­gür­tel­bahn zwi­schen Radolf­zell und Fried­richs­ha­fen (hier kurz vor Über­lin­gen) für einen Video­dreh.

22.02.2020, aktua­li­siert am 27.02.2020

Bodenseegürtelbahn: Ausbaupläne kommen voran

Rund 30 Per­so­nen kamen zum „Boden­see-Bahn­fo­rum“, zu dem ich nach Sin­gen und Radolf­zell gela­den hat­te. Ver­tre­ter der Deut­schen Bahn (DB), der Schwei­zer Bun­des­bah­nen (SBB), der Initia­ti­ve Boden­see-S-Bahn, des Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD), von Pro Bahn und Kom­mu­nen sowie mei­nen Kol­le­gin­nen aus dem Land­tag, Nese Eri­kli (Kon­stanz) und Doro­thea Wehin­ger (Sin­gen) waren mit von der Par­tie. Wir spra­chen über den Aus­bau von Gäu­bahn, Boden­see­gür­tel­bahn, Hoch­rhein­bahn und der Seehas-Stre­cke sowie bes­se­re Betriebs­kon­zep­te auf die­sen Stre­cken.

Mas­si­ve Ungleich­be­hand­lung von Schie­ne und Stra­ße

Die Boden­see­gür­tel­bahn zwi­schen Radolf­zell und Fried­richs­ha­fen ist eine ein­glei­si­ge, nicht elek­tri­fi­zier­te Stre­cke. Das Land hat­te die­sen Bun­des­schie­nen­weg  für den Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan zum Aus­bau ange­mel­det. Der Bund hat­te ihn jedoch nicht auf­ge­nom­men und dar­auf ver­wie­sen, dass die Bedeu­tung für den Fern- und Güter­ver­kehr zu gering sei. Die­se Argu­men­ta­ti­on ist absurd, denn ers­tens ist der Aus­bau­be­darf unstrit­tig und der Bund in der Ver­ant­wor­tung für sei­ne Infra­struk­tur. Zwei­tens baut der Bund Umge­hungs­stra­ßen ohne jeg­li­che über­re­gio­na­le Bedeu­tung. Wie sehr bei Schie­ne und Stra­ße unter­schied­li­che Maß­stä­be ange­wandt wer­den sieht man kaum irgend­wo bes­ser als am Boden­see: Die B 31 wird auf bis zu ins­ge­samt sechs Spu­ren aus- und neu­ge­baut. Die par­al­lel ver­lau­fen­de Boden­see­gür­tel­bahn soll – wenn es nach dem Bund geht – wei­ter ein ein­glei­si­ges und nicht elek­tri­fi­zier­tes Dasein fris­ten. Das wol­len jedoch Land und Kom­mu­nen nicht hin­neh­men und wur­den daher aktiv. Sie nah­men Aus­bau­pla­nun­gen in die Hand. Momen­tan läuft Pla­nungs­pha­se 1 und 2 (Grund­la­gen­er­mitt­lung und Vor­pla­nung mit Kos­ten­schät­zung) durch die DB Netz, finan­ziert vom Inter­es­sen­ver­band Boden­see­gür­tel­bahn und dem Land. Die Deut­sche Bahn wur­de beim Bahn­fo­rum etwas Kon­kre­ter: Man befin­de sich am Über­gang zur Leis­tungs­pha­se 2, die im ers­ten Halb­jahr 2021 abge­schlos­sen sein soll. Das unter­stell­te Betriebs­kon­zept sei mit dem Land abge­stimmt wor­den. Die­ses sieht einen schnel­len und zwei lang­sa­me Züge pro Stun­de vor. Dar­an wird der Aus­bau auf eine par­ti­el­le Zwei­glei­sig­keit (Begeg­nungs­ab­schnit­te) aus­ge­rich­tet. Die Kos­ten lie­gen – je nach Vari­an­te – bei 190 bis 330 Mil­lio­nen Euro (letz­te­rer Betrag für die sog. „Vor­zugs­va­ri­an­te“ mit grö­ßer dimen­sio­nier­ten Dop­pel­spur­ab­schnit­ten). Schie­nen­glei­che Rei­sen­den­über­gän­ge sol­len besei­tigt wer­den. Der Aus­bau soll in drei Schrit­ten umge­setzt wer­den, wobei mit jedem Umset­zungs­grad bereits Ver­bes­se­run­gen im Ange­bot rea­li­sier­bar sein sol­len. Übri­gens sind die wei­te­ren Pla­nungs­schrit­te (Leis­tungs­pha­se 3 und 4) der­zeit noch nicht finan­ziert.

In der Dis­kus­si­on wur­de ins­be­son­de­re von Ver­tre­tern der Initia­ti­ve Boden­see-S-Bahn vor­ge­bracht, dass die Vor­zugs­va­ri­an­te als „Mini­mal­va­ri­an­te“ gese­hen wer­den müss­te und bes­ser mit zwei schnel­len Ver­bin­dun­gen pro Stun­de kal­ku­liert wer­den sol­le. Außer­dem soll­ten neue Hal­te­stel­len ange­dacht wer­den. Die Bahn­ver­tre­ter erwi­der­ten, dass mit dem vor­ge­se­he­nen Aus­bau kei­ne zwei schnel­len Züge fah­ren könn­ten. Hier­für wäre ein erheb­lich auf­wän­di­ge­rer und teu­re­rer Aus­bau erfor­der­lich. Ein zwei­tes Gleis wur­de aus Platz­grün­den (Lage direkt am See­ufer) ins­be­son­de­re bei Lud­wigs­ha­fen als unmög­lich bezeich­net. Zusätz­li­che Hal­te­stel­len sei­en in Espa­sin­gen (Orts­teil von Stock­ach) und in Mark­dorf (gehört zu Fried­richs­ha­fen- Kluft­ern) ange­dacht.

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