“Güter auf die Schiene” – Von den Sonntagsreden der SPD

18.06.2017

Schwe­rer Stand für die Schie­ne – Auch wegen der Poli­tik der gro­ßen Koali­ti­on

Der Anteil der Schie­ne beim Trans­port von Gütern sta­gniert. Zuletzt ist er sogar gesun­ken. Die Grün­de sind bekannt. Aber die Gro­Ko han­delt nicht.

Nur noch 17,4 Pro­zent aller Güter wur­den im Jahr 2016 auf dem Schie­nen­weg trans­por­tiert (gemes­sen in Ton­nen­ki­lo­me­tern; Vor­jahr 17,5 Pro­zent). Erneut zuge­legt hat der Lkw. Quel­le: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/02/PD17_057_463.html

Das hat Grün­de (ich beschrän­ke mich hier auf drei):

  1. Die Schie­nen-Infra­struk­tur ist unzu­rei­chend ent­wi­ckelt. Vie­le Kno­ten sind nicht aus­rei­chend leis­tungs­fä­hig. Und wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung Lang-Lkw zulässt ist noch immer kei­ne Stra­te­gie erkenn­bar, mit der das sog. “740 Meter-Netz” end­lich in Angriff genom­men wird. Wenn auf den Haupt­rou­ten län­ge­re Güter­zü­ge fah­ren könn­ten, wäre dies für die Schie­ne ein wesent­li­cher wirt­schaft­li­cher Vor­teil. Mit den Aus­bau­ge­set­zen für Stra­ße und Schie­ne, die aus dem Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan abge­lei­tet wer­den, setzt die Gro­Ko aber “auf viel Stra­ße und wenig Schie­ne”.
  2. Wäh­rend die Tras­sen­prei­se ein den letz­ten Jah­ren gestie­gen sind, wur­de die Lkw-Maut durch die Gro­Ko gesenkt.
  3. Mit­tel des Bun­des für die Stär­kung des kom­bi­nier­ten Ver­kehrs (Lkw für die “ers­te und letz­te Mei­le”, Haupt­stre­cke per Bahn) wer­den seit Jah­ren nicht voll­stän­dig abge­ru­fen, weil die För­der­kri­te­ri­en zu büro­kra­tisch sind.

Nun hat die SPD wie­der mal die Redu­zie­rung der Tras­sen­prei­se ange­kün­digt. Dazu soll­te man wis­sen, dass wir Grü­ne dies  bean­tragt hat­ten. Die SPD hat den Antrag abge­lehnt und am Nach­mit­tag des­sel­ben Tages auf einem Bahn­kon­gress sel­ber die For­de­rung nach nied­ri­ge­ren Tras­sen­prei­sen erho­ben. Nun hat sie ihre For­de­rung wie­der­holt.

Die For­de­rung der SPD nach nied­ri­ge­ren Tras­sen­prei­sen im Bahn­ver­kehr habe ich als Spre­cher für Bahn­po­li­tik und Mit­glied im Ver­kehrs­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges wie folgt kom­men­tiert:

„Schön, dass die SPD jetzt auch ein­mal auf­wacht. In den letz­ten vier Jah­ren hat die SPD in der Bun­des­re­gie­rung genug Zeit gehabt, die Wei­chen hin zu mehr Ver­kehr auf der Schie­ne zu stel­len. Wir haben in den letz­ten Jah­ren die Absen­kung der Tras­sen­prei­se immer wie­der gefor­dert, Uni­on und SPD haben der­ar­ti­ge Anträ­ge ein auf das ande­re Mal abge­lehnt. Die Ver­kehrs­po­li­tik der Gro­ßen Koali­ti­on hat die Bedin­gun­gen für die Schie­ne von Jahr zu Jahr immer wei­ter ver­schlech­tert. Jetzt ver­kauft die SPD das als Wahl­pro­gramm, was sie selbst hät­te vier Jah­re lang umset­zen kön­nen, statt­des­sen aber ver­hin­dert hat. Immer­hin rückt so end­lich mal die Schie­ne ins Zen­trum der Ver­kehrs­po­li­tik.“

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Kommentare zu ““Güter auf die Schiene” – Von den Sonntagsreden der SPD

  1. Pascal B. Reply

    Hal­lo Herr Gast­el,
    Beim Vor­ge­hen in der (Deut­schen) Poli­tik fällt mir immer wie­der auf, dass es mehr dar­um geht sich zu pro­fi­lie­ren (ich hab’s erfun­den), anstatt dass das The­ma im Vor­der­grund steht. Durch die­se “Rei­bungs­ver­lus­te”, ver­zö­gern sich die effek­ti­ve Umset­zun­gen und die damit ver­bun­de­nen Ver­bes­se­run­gen immer wie­der.
    Mir scheint auch, von der Gro­Ko wer­den erst­mal alle Bahn­pro­jek­te zusam­men­ge­stri­chen und nur die Pro­jek­te, bei denen anschlies­send am meis­ten pro­tes­tiert wird, die wer­den dann wie­der hoch­ge­stuft. So schien’s mir auch beim Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan z.B. mit dem Aus­bau der Gäu­bahn, die ich wöchent­lich als Pend­ler seit knapp 10 Jah­ren nut­ze.
    Ich wün­sche Ihnen viel Durch­hal­te­ver­mö­gen und dass Sie sich mit nach­voll­zieh­ba­ren Argu­men­ten durch­set­zen.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr B,
      vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. Wir wer­den durch­hal­ten und am Ball blei­ben …
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

  2. Eduard Bär Reply

    “Wenn auf den Haupt­rou­ten län­ge­re Güter­zü­ge fah­ren könn­ten, wäre dies für die Schie­ne ein wesent­li­cher wirt­schaft­li­cher Vor­teil”: Wo ist das Pro­blem? Natür­lich könn­ten auch schon heu­te 1000-m-Güter­zü­ge fah­ren – wenn auch auf Kos­ten des Per­so­nen­ver­kehrs, weil ein solch lan­ger Güter­zug nicht über­holt wer­den könn­te, weil dafür die Über­hol­stre­cken zu kurz sind. Aber kann man den Güter­ver­kehr auf der Schie­ne attrak­ti­ver, also wett­be­werbs­fä­hi­ger machen, wenn man ihn alle 15 bis 30 Kilo­me­ter an die Sei­te fah­ren muss? Ist das öko­no­misch und öko­lo­gisch sinn­voll? War­um kön­nen Nah­ver­kehrs­zü­ge (die RBs, kaum die gleich­schnel­len REs) nicht an Hal­te­punk­ten für den Fahr­gast­wech­sel so hal­ten, dass die­se von den mög­lichst durch­fah­ren­den Güter­zü­gen über­holt wer­den kön­nen? Genau da fehlt es an der Infra­struk­tur! Und an einer Betriebs­qua­li­tät im DB Netz, die solch anspruchs­vol­le Kon­zep­te wie in der Schweiz ermög­licht! Und Sys­tem­tras­sen, auf wel­che die Infra­struk­tur abge­stimmt wer­den kann – Stich­wort Deutsch­land-Takt. Mit einem 740-m-Netz wie auch mit der Hal­bie­rung der Tras­sen­prei­se für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr wird letzt­lich nur Pla­ce­bo­po­li­tik betrie­ben, aber kein nen­nens­wer­ter Schritt für eine zukunfts­fä­hi­ge Schie­ne in Deutsch­land geleis­tet.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Dan­ke für Ihren Kom­men­tar, Herr Bär. 1.000 Meter lan­ge Züge kön­nen heu­te nicht über­all fah­ren, bei­spiels­wei­se wegen den Block­ab­stän­den. Was genau gemacht wer­den muss, um län­ge­re Züge fah­ren zu las­sen (ohne den Per­so­nen­ver­kehr zu beein­träch­ti­gen), wird der­zeit im Rah­men des Schie­nen­we­ge­aus­bau­ge­set­zes geprüft (lei­der viel zu spät in Auf­trag gege­ben). Ich bin der Mei­nung, dass eine deut­li­che Sen­kung der Tras­sen­prei­se kei­ne aus­rei­chen­de, aber doch eine von meh­re­ren wich­ti­gen Maß­nah­men dar­stellt. Der SGV hat neben dem Kapa­zi­tä­ten- eben auch ein Kos­ten­pro­blem.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

  3. Ralph Lemmen Reply

    Hal­lo Herr Gast­el,
    neben den von Ihnen beschrie­be­nen 3 Grün­den besteht das Haupt­pro­blem dar­in, daß der Besit­zer der DB (also letzt­end­lich der Bund) kei­ne Stra­te­gie hat; soll die Bahn Ren­di­te abwer­fen oder ist sie Dasein­für­sor­ge. Erst wenn die­se Fra­ge geklärt ist, haben die Vor­stän­de der all­zu­vie­len DB-AGs eine Mög­lich­keit, sich in ihrem Geschäfts­feld ent­spre­chend zu
    posi­tio­nie­ren. Ein wei­te­res Pro­blem­feld ist die Zer­split­te­rung der DB, es gibt viel­zu­viel Rei­bungs­ver­lus­te.
    Der neue Vor­stand Güter­ver­kehr; Frau Nikut­ta, will den Ein­zel­wa­gen­ver­kehr stär­ken – gute Idee, aber seit Mora C ist die­ser Bereich abge­würgt wor­den. Hier kommt auch wie­der der von Ihnen genann­te Punkt 1 ins Spiel – feh­len­de Infra­struk­tur. Um am Markt erfolg­reich sein zu kön­nen, muß DB-Car­go aktiv wer­den, Auf­trä­ge akqui­rie­ren und nicht war­ten, bis eine Kun­den­an­fra­ge kommt. Man muß die poten­ti­el­len Kun­den regel­recht “abklap­pern”, die Wün­sche mal erfas­sen und dann ein mög­li­ches pas­sen­des “Ange­bot stri­cken”. Natür­lich mit ent­spre­chen­den Zusa­gen zur Trans­port-qua­li­tät und Ter­min­treue.
    Ich den­ke, es geht viel mehr Güter­ver­kehr, wenn man die Neben­stre­cken mehr ein­bin­det und die Ver­keh­re ent­zerrt.
    Aber solan­ge die CSU-Ver­kehrs­mi­nis­ter-Dar­stel­ler ihr Unwe­sen trei­ben, wird sich nicht viel ändern.
    Man soll aber die Hoff­nung auf Bes­se­rung aber nie auf­ge­ben. In die­sem Sin­ne durch­hal­ten bis zur nächs­ten Bun­des­tags­wahl.
    MfG Ralph Lem­men

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr ist unter dem Stich­wort “gewinn­ori­en­tier­tes Bahn­un­ter­neh­men” auf die hohen Tras­sen­pre­sie hin­zu­wei­sen. Die­se wur­den zwar abge­senkt, aber lei­der nur befris­tet und damit nahe­zu ohne jeden Effekt.

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