Güterterminal Horb/Schwarzwald

22.10.2020

Güter verlagern in der Praxis

Die Güter in Deutsch­land wer­den noch nicht ein­mal zu zwan­zig Pro­zent per Bahn trans­por­tiert. Der Last­wa­gen hat einen Anteil von 70 Pro­zent. Wenn sich dar­an etwas ändern soll – wir wol­len es ändern – so müs­sen wie­der mehr Indus­trie­ge­bie­te einen Bahn­an­schluss erhal­ten und es müs­sen Ter­mi­nals gebaut wer­den, in denen Con­tai­ner vom Lkw auf die Bahn ver­la­den wer­den kön­nen (Kom­bi­nier­ter Ver­kehr). In Horb bie­tet sich der­zeit die Chan­ce ein sol­ches Ter­mi­nal zu errich­ten. Unter­neh­men, die Stadt, der Land­kreis, das Land und die Deut­sche Bahn unter­stüt­zen das Vor­ha­ben. Es besteht bereits Bau­recht, da sich das Gelän­de in einem Indus­trie­ge­biet befin­det, in dem es kei­ne Aus­schlüs­se gibt. Der Gemein­de­rat unter­stützt das Vor­ha­ben ein­hel­lig. Die Glei­se wur­den seit 30 Jah­ren nicht mehr regel­mä­ßig und nach dem Orkan „Lothar“ vor 21 Jah­ren letzt­ma­lig, damals zum Abtrans­port des Sturm­hol­zes, genutzt. Die­se befin­den sich aber in einem aus­rei­chen­den Zustand und wur­den for­mal nicht still­ge­legt.

Alle Betei­lig­ten arbei­ten an der Rea­li­sie­rung. Land und Stadt tra­gen gro­ße Tei­le der ers­ten Pla­nungs­kos­ten (Mach­bar­keits­un­ter­su­chung und Vor­pla­nung). Der Bund wird die Bau­kos­ten für das Ter­mi­nal und die Erneue­rung von Wei­chen und Stell­werk för­dern. Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um des Lan­des hat für das Pro­jekt eine fes­te Anlauf­stel­le im Minis­te­ri­um ein­ge­rich­tet.

Gegen die Plä­ne regt sich Wider­stand in der Bevöl­ke­rung. Zwei Bür­ger­initia­ti­ven wen­den sich gegen den mit dem Ter­mi­nal und dem erwei­ter­ten Gewer­be­ge­biet ver­bun­de­nen Land­ver­brauch und Last­wa­gen­ver­kehr von und zum Ter­mi­nal. Mit Vertreter*innen einer Initia­ti­ve tra­fen wir uns und konn­ten ver­mut­lich einen Teil der Beden­ken aus­räu­men oder zumin­dest ver­rin­gern.

Vor Ort tra­fen wir uns mit den drei Unter­neh­mern, von denen die Initia­ti­ve aus­ging. Sie sind über­wie­gend im Logis­tik­be­reich tätig und wol­len mehr der Güter auf die Schie­ne brin­gen. Bis­her nut­zen sie wei­ter weg lie­gen­de Ter­mi­nals, vor allem das in Korn­west­heim. Wer­den die Wege zum Umschlag auf die Schie­ne kür­zer, müs­sen die Last­wa­gen nicht mehr so weit fah­ren und der „Kom­bi­nier­te Ver­kehr“ (Vor- und Nach­lauf per Last­wa­gen, Haupt­lauf per Bahn) wird attrak­ti­ver. Der Umschlag soll per Con­tai­ner erfol­gen, die mit „Reach­sta­cker“ (ein rad­fah­ren­der Greif­stap­ler, der die Con­tai­ner von oben greift) vom Lkw auf den Güter­wa­gen und umge­kehrt ver­lädt. Von einem benach­bar­ten Gleis im bestehen­den Indus­trie­ge­biet aus sol­len auch Rund­höl­zer ver­la­den wer­den kön­nen. Erwar­tet wer­den drei Halb­zü­ge (maxi­ma­le Län­ge 400 Meter) pro Woche mit bis zu 40 Con­tai­nern. Für Voll­zü­ge wird auch die aus­ge­bau­te Län­ge der drei Ver­la­de­glei­se nicht aus­rei­chen. Ran­giert wer­den soll mit einer Hybrid­lok. Die weni­ge hun­dert Meter ent­fern­te Bahn­stre­cke zwi­schen Freu­den­stadt und Eutin­gen ist elek­tri­fi­ziert. In Korn­west­heim (für den Ver­kehr aus/in Rich­tung Nor­den) und auch in Horb (für den even­tu­ell zukünf­ti­gen Ver­kehr aus/nach Süden, Ita­li­en) kön­nen Voll­zü­ge gebil­det wer­den.

Es wird von einer rei­nen Bau­zeit von fünf Mona­ten aus­ge­gan­gen. Im zwei­ten Halb­jahr 2021 könn­ten die ers­ten Güter­wa­gen mit Con­tai­nern bela­den wer­den.

Mei­ne Mei­nung:

Wer die For­de­rung nach “Mehr Güter auf die Schie­ne” end­lich aus den Sonn­tags­re­den her­aus­ho­len und kon­kret anpa­cken will, muss auf mehr Gleis­an­schlüs­se in Indus­trie­ge­bie­ten und zusätz­li­che Umschlags­ter­mi­nals set­zen. Daher begrü­ße ich die brei­te Unter­stüt­zung und das unter­neh­me­ri­sche Enga­ge­ment für ein sol­ches Ter­mi­nal in Horb. Beden­ken wegen des damit ver­bun­de­nen Last­wa­gen­ver­kehrs müs­sen ernst genom­men wer­den. Daher spre­chen wir auch mit den Ver­tre­tern der Bür­ger­initia­ti­ven. Es muss geprüft wer­den, wel­che Lärm­be­las­tun­gen zu erwar­ten sind und wie die­se redu­ziert wer­den kön­nen. Letzt­lich muss jedoch klar sein, dass jede Chan­ce für die Ver­la­ge­rung von Güter­ver­kehr auf die Schie­ne genutzt wird. Es kann nicht sein, dass Güter häu­fig hun­dert, zwei­hun­dert oder noch mehr Kilo­me­ter per Last­wa­gen trans­por­tiert wer­den müs­sen, bevor die­se auf die Bahn ver­la­den wer­den kön­nen. Das Hor­ber Ter­mi­nal hilft, die Stra­ßen vom belas­ten­den Schwer­last­ver­kehr zu ent­las­ten und Kli­ma­zie­le zu errei­chen. Daher unter­stüt­ze ich die Plä­ne aus­drück­lich und hof­fe sehr, dass die­se bald umge­setzt wer­den kön­nen.

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