Die Demonstration von „GenZ regelt“ in Stuttgart habe ich genutzt, um mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich war frühzeitig anwesend und sprach viele der jungen Leute an, die auf dem Weg zur Demo waren oder sich unweit davon aufhielten.
Ich wollte wissen, was sie zur Teilnahme motiviert, welche Themen sie bewegen und was sie von der Politik erwarten. Dabei war sehr oft der Wunsch zu vernehmen, häufiger gehört und besser beteiligt zu werden. Das kann ich sehr gut nachvollziehen und ich unterstütze die Forderung. Hier hat sich ja bereits einiges getan. So wurde das Wahlalter bei Kommunal- und Landtagswahlen auf 16 Jahre abgesenkt. Überrascht hat mich, dass niemand von denjenigen, die mehr Mitsprache forderten, von der Initiative des Ministerpräsidenten gehört haben, einen Jugendberaterkreis einzurichten. Die Ankündigung ging in den Tagen vorher durch die Presse und die sozialen Medien. Das Thema „Wie erreichen wir seitens der Politik mehr junge Menschen?“ bleibt also eine zentrale Aufgabe für uns.
Die konkreten thematischen Anliegen, die von den jungen Leuten auf meine Fragen vorgebracht wurden, waren häufig übereinstimmend Aufrüstung/Wehrpflicht, Preissteigerung, Bildung sowie Soziales (Armut, Rente). Manchmal wurden auch Klima, Demokratiegefährdung/AfD und die hohe Neuverschuldung genannt.
Ich sprach mit kleineren und größeren Gruppen von zwei bis sechs Personen. Manchmal beteiligten sich alle aus den Gruppen aktiv an den Gesprächen, manchmal ein oder zwei Personen. So kam ich mit etwa 20 jungen Leuten ins ausführlichere und direkte Gespräch und weitere verfolgten die Gespräche oder brachten sich kurz ein.
Wo es Übereinstimmung gibt – Und wo (vielleicht) nicht
Bei Jugendbeteiligung, Demokratie und Klima erahne ich weitgehende Übereinstimmung mit meinen bzw. grünen Positionen. Bei den Sozialthemen und Bildung bleiben mir die Vorstellungen von „GenZ“ besonders nebulös. Ich sehe Armutsfallen, die beseitigt werden müssen und ich sehe Verbesserungsbedarf bei der Bildung. Was davon kann und muss der Staat leisten, was jede und jeder Einzelne bzw. die Gesellschaft? Darüber müssen wir sprechen. Bei der Frage der Wehrpflicht könnte auf den Bundestag noch eine schwierige Entscheidung zukommen, falls die Anreize für den freiwilligen Wehrdienst nicht zur Sollstärke bei der Bundeswehr führen sollten. Die Bedrohungslage durch Russland und die Unzuverlässigkeit der USA mit Präsident Trump an der Spitze sind nicht zu übersehen. Hier bestätigten übrigens die jungen Leute auf meine Nachfrage, dass sie die Bedrohungslage auch sehen würden.
Bei Entlastung der Menschen haben wir Grüne einiges zu bieten
Statt des unsinnigen Tankrabatts, der das fossile Zeitalter unnötig verlängert und in Teilen die Gewinne der Mineralölindustrie steigert, haben wir als Grüne andere Ideen, um Menschen in Zeiten hoher Inflation zu entlasten: Ein günstigeres Deutschlandticket, ein pauschales Energiegeld für alle (finanziert aus einer Übergewinnsteuer), die Senkung der Stromsteuer für alle und höhere Steuerfreibeträge für Berufstätige, um einige Beispiele zu nennen.
Der Dialog geht weiter
Weitere Gesprächsangebote meinerseits werden folgen. So sind Termine meines traditionellen Dialogformats „Politik & Pizza“ an verschiedenen Orten meines Wahlkreises in Planung. Zudem plane ich „Insta live“ zu Außenpolitik und Wehrpflicht.
Eine Stimme der „GenZ regelt“-Demonstration
Der „Südkurier“[1] führte ein Interview mit „Charlotte“, die „GenZ regelt“ in Stuttgart mitorgansiert. Sie will ihren vollständigen Namen nicht nennen und gehört der „Internationalen Jugend“ an, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Aussagen von ihr finde ich erschreckend und inakzeptabel. Bilder aus Frankreich, die nicht nur gewaltfreie Teile zeigen, würden ihr „Hoffnung“ machen. Sie sieht die gewaltsamen Proteste in Frankreich als „Vorbild“. Man dürfe sich „an der Gewaltfrage nicht spalten lassen“. Der Dachorganisation von „GenZ regelt“, die das Werben in Stuttgart mit einer Person mit Sturmmaske kritisiert hat, spricht sie die Legitimation ab.
Ich begrüße die Demonstrationen von Menschen aus der jungen Generation sehr. Sie dürfen aber nicht durch extremistische und gewaltsuchende Gruppen vereinnahmt werden.
Was ein Jugendforscher sagt
Der bekannte Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin sagte im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“, Jugendbewegungen könnten nur dann erfolgreich sein, wenn ihre Anliegen sachlich nachvollziehbar seien und wenn sie Unterstützung in der Bevölkerung fänden. Ohne diese würden sie anfällig für Vereinnahmung oder Entgleisung. Fridays for Future sei eine ungewöhnlich konstruktive, agile Jugendbewegung gewesen und hätte zwischen 2018 und 2020 zeitweise sogar die politische Agenda mitbestimmt. Heute würde das Klimathema die jungen Menschen noch immer stark beschäftigen, stehe aber nicht mehr an erster Stelle. Heute würden Kriege, Inflation und die Wohnsituation dominieren. Wichtig sei, dass die Politik glaubwürdig zeige, dass man junge Menschen einbeziehe und ihre Sorgen ernst nehme. Eine „echte Beteiligung“ der jungen Generation sei dringend nötig.
[1] Ausgabe 31.10.2026
