Infotour entlang der Schwäbische Alb-Bahn

23.09.2020

Probleme mit der Infrastruktur

Die Schwä­bi­sche Alb-Bahn führt von Ulm über Schel­klin­gen hin­auf nach Münsin­gen und wei­ter nach Engs­tin­gen (genau­er: Klein­engs­tin­gen, neue Sta­ti­on in Gro­ßengs­tin­gen) bis Gam­mer­tin­gen. Eigent­lich wäre die Bahn­li­nie 1999 still­ge­legt wor­den, berich­tet Bernd-Mat­thi­as Weck­ler, Geschäfts­füh­rer der Schwä­bi­schen Alb-Bahn (AV) im Gespräch. Die Still­le­gung sei vom Eisen­bahn­bun­des­amt bereits geneh­migt gewe­sen, hät­te aber wegen eines Pacht­an­trags und damit eines erklär­ten Ver­kehrs­be­darfs nicht voll­zo­gen wer­den kön­nen. Es gelang der Regi­on im Schul­ter­schluss zwi­schen Gemein­den, Krei­sen und dem Land Baden-Würt­tem­berg, die Glei­se zu erhal­ten. Neben dem wie­der ein­ge­rich­te­ten täg­li­chen Betrieb im Per­so­nen- und Güter­ver­kehr (unter der Woche sechs Fahr­ten pro Rich­tung zwi­schen Engs­tin­gen und Gam­mer­tin­gen) ver­keh­ren in der Haupt­sai­son zusätz­lich an Sonn- und Fei­er­ta­gen Aus­flugs­zü­ge. An aus­ge­wähl­ten Tagen fährt außer­dem der his­to­ri­sche Dampf­zug. Vor den Toren der Stadt Münsin­gen gibt es einen Ver­la­de­bahn­hof mit Kopf- und Sei­ten­ram­pen und Logis­tik­flä­chen. Wei­te­re Zugangs­stel­len für den Schie­nen­gü­ter­ver­kehr gibt es an der Sta­ti­on „Hei­de­ka­pel­le“ und in Engs­tin­gen. Trans­por­tiert wird Holz aus den umlie­gen­den Wäl­dern, das direkt von dort kom­mend auf die Güter­wa­gen ver­la­den wird. Ein Teil ist für Schwö­rer Fer­tig­haus bestimmt, ein ande­rer wird in die Schweiz gelie­fert. Eine Beson­der­heit: Manch­mal wer­den Güter­wa­gen an Per­so­nen­zü­ge ange­hängt.

Wir waren mit der SAB zwi­schen Münsin­gen und Klein­engs­tin­gen und dann wei­ter mit einem Son­der­wa­gen auf dem der­zeit durch den regu­lä­ren Ver­kehr nicht bedien­ten Abschnitt nach Gam­mer­tin­gen unter­wegs. Zum Fahr­zeug: Die­sel-Trieb­zug NE 81 (Nach­fol­ger des Schie­nen­bus­ses) mit Bau­jahr 1993. Zum Ter­min haben mich mei­ne Frak­ti­ons­kol­le­gin Bea­te Mül­ler-Gemme­ke und die Land­tags­kan­di­da­tin Cin­dy Holm­berg beglei­tet.

Zuletzt erfolg­te die Reak­ti­vie­rung des Stre­cken­ab­schnitts zwi­schen Klein­engs­tin­gen und Gam­mer­tin­gen zum 15.12.2019. Doch das Glück währ­te nicht lan­ge, denn Ende April 2020 muss­te der Ver­kehr auf der gesam­ten Bahn­stre­cke zwi­schen Schel­klin­gen und Gam­mer­tin­gen ein­ge­stellt wer­den. Der Grund lag in einem erhöh­ten Ver­schleiß an den Rädern der Schie­nen­fahr­zeu­ge der Schwä­bi­schen Alb-Bahn (SAB). Auch wenn die Auf­fäl­lig­kei­ten an den Rädern wohl nicht sicher­heits­re­le­vant waren, so ver­ur­sach­ten sie eben Schä­den. Mit­te Mai wur­de der Bahn­be­trieb zwi­schen Klein­engs­tin­gen und Schel­klin­gen (-Ulm) wie­der auf­ge­nom­men. Test­fahr­ten auf dem Abschnitt zwi­schen Klein­engs­tin­gen und Gam­mer­tin­gen “mit sei­nen außer­ge­wöhn­lich engen Kur­ven­ra­di­en” erga­ben, dass die erhöh­ten Abnut­zun­gen nach wie vor auf­tra­ten. Wäh­rend die SAB den Bahn­ver­kehr ver­ant­wor­tet, ist die SWEG Schie­nen­we­ge GmbH für die Stre­cke zwi­schen Klein­engs­tin­gen und Gam­mer­tin­gen ver­ant­wort­lich, zwi­schen Klein­engs­tin­gen und Schel­klin­gen han­delt es sich um eine Tras­se der Deut­schen Bahn. Aktu­ell wer­den auf dem nach wie vor kri­ti­schen Abschnitt Glei­se aus­ge­tauscht. Die Wie­der­auf­nah­me des durch­ge­hen­den Betriebs ist für Okto­ber 2020 geplant – vor­aus­ge­setzt, die Ursa­che für den star­ken Räder­ver­schleiß wird mit­tels wei­te­rer Test­fahr­ten loka­li­siert und kann bis dahin beho­ben wer­den.

Die Stre­cke weist aber noch wei­te­re infra­struk­tu­rel­le Pro­ble­me auf. So besteht auf dem 24 Kilo­me­ter lan­gen Stre­cken­ab­schnitt zwi­schen Münsin­gen und Schel­klin­gen kei­ne Kreu­zungs­mög­lich­keit. Da dort nur Tem­po 50 gefah­ren wer­den kann, ist die Stre­cke für län­ge­re Zeit­räu­me stets durch nur einen Zug belegt. Eine Kreu­zungs­stel­le wür­de sich in Hüt­ten anbie­ten. Plä­ne hier­für gibt es jedoch kei­ne.

Ein wei­te­res Pro­blem stellt die Viel­zahl an Lang­sam­fahr­stel­len dar. Statt mit ohne­hin schon sehr lang­sa­men 50 Stun­den­ki­lo­me­tern darf an den nicht tech­nisch gesi­cher­ten Bahn­über­gän­gen nur mit 20 Stun­den­ki­lo­me­ter gefah­ren wer­den. Ziel der SAB ist, dass in der Regel 60, abschnitts­wei­se auch 80 Stun­den­ki­lo­me­ter gefah­ren wer­den kann. Die dadurch mög­li­che Fahr­zeit­ver­kür­zung wür­de ein bes­se­res Takt­an­ge­bot ermög­li­chen.

Um abschlie­ßend noch etwas Posi­ti­ves zu berich­ten: Durch die Ein­füh­rung der Alb-Card, einer Bonus­kar­te für Hotel­gäs­te, die zur Nut­zung von Bus und Bahn berech­tigt, ist die Anzahl der Fahr­gäs­te um über 10 Pro­zent gestie­gen.

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