Junge Menschen verlieren Interesse an Motorradführerschein

14.12.2015

Der Trend ist deut­lich zu erken­nen: Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne besit­zen immer sel­te­ner einen Füh­rer­schein für ein Zwei­rad. Ich habe für den Zeit­raum von 2004 bis 2013 den Füh­rer­schein­be­sitz für Zwei­rä­der der 16- bis 21-Jäh­ri­gen unter­sucht. Die unter­such­ten Teil­räu­me umfas­sen eine Aus­wahl an Land­krei­sen im Groß­raum Stutt­gart, wobei bewusst eher städ­tisch wie auch eher länd­lich gepräg­te Regio­nen berück­sich­tigt wur­den. Das Ergeb­nis ist deut­lich. Die Gra­fik zei­gen die Ent­wick­lung des Anteils der Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sit­zer für die 16- bis 21-Jäh­ri­gen von 2004 bis 2013.

ZweiradführerscheinBW

 

Erläu­te­run­gen zur Ent­wick­lung

In Baden-Würt­tem­berg besa­ßen im Jahr 2004 8,5 % der jun­gen Men­schen einen Zwei­rad-Füh­rer­schein. Bis 2013 ging der Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sitz die­ser Kohor­te auf 6,1 % zurück, was einem Rück­gang von mehr als einem Vier­tel ent­spricht.
Die Gra­fik zeigt deut­lich, dass in allen unter­such­ten Regio­nen ein Rück­gang der Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sit­zer unter den 16- bis 21-Jäh­ri­gen von 2004 bis 2013 zu sehen ist. Die meis­ten Land­krei­se ver­zeich­nen einen kur­zen, zeit­lich begrenz­ten Auf­wärts­trend, der aber über die lan­ge Zeit­span­ne von 2004 bis 2013 ver­schwin­det. Die­se Trends sind also nur von kurz­fris­ti­ger Dau­er und ver­än­dern den gene­rel­len Abwärts­trend nicht.

Erläu­te­run­gen zu Daten und Berech­nung
Um den Anteil der Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sit­zer der 16- bis 21-Jäh­ri­gen zu berech­nen, wur­den Daten des Kraft­fahrt­bun­des­am­tes (Füh­rer­schei­ne der Klas­sen AM, A, A1, A2) und des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes Baden-Würt­tem­berg (Bevöl­ke­rung nach Alter) ver­wen­det. Da die Daten des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes bis 2013 rei­chen, endet der Unter­su­chungs­zeit­raum mit die­sem Jahr.
Aus den bei­den Varia­blen „Füh­rer­schei­ne in U21“ (in die­ser Varia­blen sind die 21-Jäh­ri­gen mit­in­be­grif­fen) und „Bevöl­ke­rung nach Alters­jah­ren“ wur­de für die Alters­ko­hor­te der 16- bis 21-Jäh­ri­gen der Anteil der Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sit­zer berech­net.

Fazit
Die unter­such­ten Land­krei­se zei­gen alle einen Abwärts­trend beim Besitz eines Zwei­rad-Füh­rer­scheins unter den 16- bis 21-Jäh­ri­gen auf. Die­se Ent­wick­lung erfolgt ganz abge­se­hen davon, ob es in dem jewei­li­gen Land­kreis über- oder unter­durch­schnitt­lich vie­le Zwei­rad-Füh­rer­schein­be­sit­zer gab und ob es sich um eher städ­tisch oder eher länd­lich struk­tu­rier­te Regio­nen han­delt.

Die Grün­de dafür, dass der Anteil jun­ger Men­schen mit einem Füh­rer­schein für ein Kraft­rad sinkt, dürf­ten auf meh­re­re Ursa­chen zurück zu füh­ren sein. Eini­ge die­ser Grün­de kön­nen sein:
– Der Trend zu höhe­ren Schul­ab­schlüs­sen und der spä­te­re Ein­stieg in Aus­bil­dung und Beruf begrenzt zuneh­mend das finan­zi­el­le Bud­get der jun­gen Men­schen. Hin­zu kommt, dass das knap­pe Geld lie­ber für ande­re Din­ge wie Urlaub oder Smart­pho­ne aus­ge­ge­ben wird.
– Die emo­tio­na­le Bedeu­tung eines eige­nen Fahr­zeu­ges mit Ver­bren­nungs­mo­tor sinkt.
– Der PKW-Füh­rer­schein (im Rah­men des beglei­te­ten Fah­rens) kann heu­te bereits mit 17 Jah­ren erwor­ben wer­den.
– Der öffent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr wur­de man­cher­orts aus­ge­baut und ermög­licht dort Mobi­li­tät mit gerin­ge­rer Abhän­gig­keit von einem eige­nen moto­ri­sier­ten Fahr­zeug.
– Mobi­li­tät wird heut­zu­ta­ge von jun­gen Men­schen prag­ma­ti­scher orga­ni­siert, wobei zuneh­mend ver­schie­de­ne Ver­kehrs­mit­tel mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den (bei­spiels­wei­se Fahr­rad und Bahn).

Poli­ti­sche Schluss­fol­ge­run­gen
Mobi­li­tät ist heu­te genau­so wich­tig, eher noch wich­ti­ger ist als in frü­he­ren Jah­ren. Zugleich dür­fen aber weni­ger jun­ge Men­schen ein Moped, Mofa, Motor­rad oder auch ein Auto (auch der Anteil der bis 21-Jäh­ri­gen, die einen Auto­füh­rer­schein besit­zen, sinkt) steu­ern. Um die Mobi­li­tät der jün­ge­ren Genera­ti­on bei Ver­än­de­rung des Mobi­li­täts­ver­hal­tens zu sichern, wird eine ande­re Ver­kehrs­po­li­tik benö­tigt.
Eine die Mobi­li­tät sichern­de Poli­tik muss auf
– den wei­te­ren Aus­bau der öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel,
– den stär­ke­ren Ein­satz für mehr Ver­läss­lich­keit im (S-)Bahnverkehr und gesi­cher­te Umstei­ge­mög­lich­kei­ten zwi­schen Bahn und Bus,
– den Aus­bau der Fahr­gast­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me (bspw. Anzei­ge­ta­feln und ver­läss­li­che Bahn­steig­durch­sa­gen) an den Hal­te­stel­len sowie
– attrak­ti­ve­re Rad­we­ge­ver­bin­dun­gen und siche­re Fahr­rad­ab­stell­an­la­gen an zen­tra­len Orten wie Hal­te­stel­len des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs und an Bahn­hö­fen
set­zen.

Hier geht’s zu den aus­führ­li­chen Infos und den Gra­fi­ken zu den unter­such­ten Land­krei­sen:

Zwei­rad-Füh­rer­schein­ent­wick­lung jun­ger Men­schen Regi­on Stutt­gart

 

 

 

 

 

 

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