Lage des Taxigewerbes

05.10.2018

Gespräch mit Stuttgarter Taxiverband

Das Taxi­ge­wer­be steht ange­sichts der Digi­ta­li­sie­rung und damit ermög­lich­ter neu­er Mobi­li­täts­dienst­leis­tun­gen vor gro­ßen Ver­än­de­run­gen. Doch es zeigt sich wenig offen für mög­li­che Ver­än­de­run­gen. Für mich ein Grund, das Gespräch zu suchen.

Der Stutt­gar­ter Taxi­ver­band e. V. wur­de 2009 gegrün­det. Als Regio­nal­ver­band ver­tritt er die Taxi- und Miet­wa­gen­un­ter­neh­men in der Wirt­schafts­re­gi­on Stutt­gart. Er schließt Rah­men­ver­trä­ge mit ver­schie­de­nen Insti­tu­tio­nen und Unter­neh­men und ver­tritt die gewer­be­po­li­ti­schen Inter­es­sen sei­ner Mit­glie­der gegen­über Behör­den.

Schon bei der Vor­be­rei­tung auf das Gespräch fiel mir auf: Die Home­page des Ver­ban­des ist schön gestal­tet, aber mit sehr weni­gen Inhal­ten gefüllt. Ein Teil der Ant­wort wur­de mir schnell gelie­fert: Der Ver­band arbei­tet rein ehren­amt­lich. Das Ver­bands­en­ga­ge­ment ist zwangs­läu­fig mit Ein­kom­mens­ver­lus­ten ver­bun­den, da die Vor­stands­mit­glie­der alle auf eige­ne Rech­nung Taxi fah­ren.

Der Ver­band ist weder auf Lan­des- noch auf Bun­des­ebe­ne ver­netzt. Die dort täti­gen Taxi­or­ga­ni­sa­tio­nen sind auf der poli­ti­schen Büh­ne so gut wie nicht wahr­nehm­bar. Dabei wäre eine sol­che Prä­senz wich­tig: Die Taxi­un­ter­neh­men haben meist Mühe, den Min­dest­lohn zu bezah­len und mit Uber und ande­ren auf den Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung ope­rie­ren­den Unter­neh­men eine für die bis­he­ri­gen Struk­tu­ren gefähr­li­che und stär­ker wer­den­de Kon­kur­renz. Inso­fern wun­der­te es mich nicht, dass mei­ne vier Gesprächs­part­ner jede Ände­rung des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­set­zes ableh­nen. So hal­ten sie an der Kon­zes­si­ons­li­mi­tie­rung zum Schutz der bestehen­den Taxi­un­ter­neh­men fest, leh­nen die Auf­he­bung der Rück­kehr­pflicht für Miet­wa­gen ab („Die betrei­ben sonst noch mehr Rosi­nen­pi­cke­rei, wäh­rend wir eine Bedien­pflicht zu erfül­len haben“) und hal­ten auch am Orts­kun­de­nach­weis fest, da kein Navi die Stre­cken­kennt­nis­se erset­zen kön­ne. Von mir auf die gerin­ge Pro­duk­ti­vi­tät ange­spro­chen, die dar­an zu erken­nen ist, dass die Taxi­fah­rer 70 bis 80 Pro­zent ihrer Arbeits­zeit mit dem War­ten auf Fahr­gäs­te ver­brin­gen, gab es weni­ge Ideen. Eine davon war, in Zei­ten schwa­cher Nach­fra­ge statt schlecht aus­ge­las­te­ter Bus­se bes­ser Taxis fah­ren zu las­sen. Statt­des­sen wur­de zor­nig auf „on-demand“-Angebote wie SSB Flex geschaut, die als Kon­kur­renz betrach­tet wer­den.

Mein Blick auf die Taxi­bran­che: Das PBefG ist so eng gefasst, dass dyna­misch-inno­va­ti­ve Ent­wick­lun­gen nahe­zu unmög­lich sind und das Taxi­ge­wer­be längst nicht mehr zeit­ge­mäß agiert. Die Bran­che ist in wenig leis­tungs­fä­hi­ge Kleinst­un­ter­neh­men und meh­re­re, teil­wei­se unter­ein­an­der zer­strit­te­ne Ver­bän­de zer­split­tert. Die wirt­schaft­li­che Lage der selbst­stän­di­gen wie der ange­stell­ten Fah­rer muss als über­wie­gend pre­kär bezeich­net wer­den. 70 Pro­zent ihrer Arbeits­zeit ver­brin­gen die Fah­rer mit dem War­ten auf Fahr­gäs­te. Die Fahr­gäs­te müs­sen wie­der­um einen Tarif akzep­tie­ren, mit dem der Min­dest­lohn auch wäh­rend der War­te­zei­ten finan­ziert wer­den kann. Sie bezah­len also meist mehr fürs War­ten der Fah­rer als fürs Gefah­ren­wer­den. Für die Fahr­gäs­te ist das Taxi­fah­ren bei­spiels­wei­se auf­grund sehr teu­rer Tari­fe, unter­schied­li­cher Taxi­ruf­num­mern in unter­schied­li­chen Regio­nen und einer sehr schwa­chen Ver­sor­gung in länd­li­chen Räu­men wenig attrak­tiv.

Noch dazu machen Fahr­gäs­te immer wie­der nega­ti­ve Erfah­run­gen: Fah­rer tele­fo­nie­ren wäh­rend der Fahrt mit dem Han­dy am Ohr und ken­nen selbst bekann­te Zie­le in ihrem „Revier“ nicht. Dies bele­gen mei­ne eige­nen Erfah­run­gen: Bei mei­nen letz­ten 31 Taxi­fahr­ten muss­te ich 9 x den Weg erklä­ren oder das Navi wur­de genutzt.

Ich bin sehr offen für Anpas­sun­gen des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz­tes. Neue, posi­tiv erprob­te For­men von Mobi­li­täts­dienst­leis­tun­gen soll­ten in den Regel­be­trieb über­ge­hen kön­nen. Beson­ders wich­tig ist mir, dass Lösun­gen für die länd­li­chen Berei­che gesucht wer­den.

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