Mit Demokratie in Baden-Württemberg zufriedener als anderswo

Der „Demo­kra­tie-Moni­tor“ der Uni Hohen­heim zeigt auch dies­mal wie­der: Die Men­schen sind in den Kom­mu­nen am zufrie­dens­ten mit der Demo­kra­tie und in Baden-Würt­tem­berg zufrie­de­ner als in ande­ren Län­dern und bun­des­weit.

In Baden-Würt­tem­berg wur­den 2.500 Men­schen befragt. Das Ver­trau­en in das Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie ist hier mit 63 Pro­zent der Befrag­ten beson­ders hoch – höher als in den ande­ren Län­dern (Zufrie­den­heit liegt bun­des­weit bei durch­schnitt­lich 53 Pro­zent). Aller­dings waren im Jahr 2021, dem ers­ten Jahr der Befra­gung, noch 74 Pro­zent zufrie­den. Der Wert der Zufrie­den­heit sinkt also, bleibt aber im Länd­le über­durch­schnitt­lich hoch. 65 Pro­zent sind mit der Demo­kra­tie in ihrer Wohn­ort­kom­mu­ne in Baden-Würt­tem­berg zufrie­den. In Baden-Würt­tem­berg wün­schen sich 64 Pro­zent der Befrag­ten, dass wich­ti­ge poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen auf Lan­des­ebe­ne vom Land­tag getrof­fen wer­den. Die Men­schen wol­len aber über Dia­log­for­ma­te ein­ge­bun­den wer­den. 14 Pro­zent der Men­schen im Land wol­len, dass wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen per Volks­ab­stim­mung getrof­fen wer­den. Die „Poli­tik des Gehört­wer­dens“ fin­den 84 Pro­zent der Men­schen in Baden-Würt­tem­berg gut und soll­te, so deren Mei­nung, fort­ge­setzt wer­den.

Schau­en wir auf die Bun­des­ebe­ne: Die Zufrie­den­heit mit der Demo­kra­tie sank von 65 Pro­zent im Jahr 2021 auf nun­mehr 44 Pro­zent. Umso höher die Bil­dung, umso höher die Zufrie­den­heit. Men­schen mit Prä­fe­renz für die Grü­nen sind mit 63 Pro­zent am zufrie­dens­ten, die mit AfD-Prä­fe­renz mit 4 Pro­zent am unzu­frie­dens­ten.

Wie sich Men­schen poli­tisch infor­mie­ren

Gefragt wur­de, wie häu­fig in der Woche die Tages­zei­tung, das Fern­se­hen, das Radio, Social Media und Web­sei­ten und Gesprä­che genutzt wer­den, um sich über Poli­tik zu infor­mie­ren. Der mit gro­ßem Abstand höchs­te Wert (5,9) ent­fiel auf die Gene­ra­ti­on Ü 60 und das Fern­se­hen. Die jun­ge Gene­ra­ti­on U 30 lag ledig­lich bei einem Medi­um, näm­lich Social Media, vor­ne (4,2).

Wesent­li­che Ergeb­nis­se (wort­wört­lich aus der Stu­die ent­nom­men):

Ins­ge­samt ist eine Mehr­heit der Men­schen in Deutsch­land mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie zufrie­den. Die Zufrie­den­heit mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie ist 2025 für die kom­mu­na­le Ebe­ne am größ­ten (59 %). Es fol­gen die Lan­des-Ebe­ne (53 %) und mit eini­gem Abstand die Bun­des-Ebe­ne (44 %). Auf allen drei Ebe­nen ist die Zufrie­den­heit der Men­schen in West­deutsch­land grö­ßer als die Zufrie­den­heit der Men­schen in Ost­deutsch­land.

Wenn es um die Zufrie­den­heit mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie auf Bun­des-Ebe­ne geht, ist der Abstand am größ­ten: Die Men­schen in West­deutsch­land sind mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie auf Bun­des-Ebe­ne um 16 Pro­zent­punk­te zufrie­de­ner als die Men­schen in Ost­deutsch­land (47 vs. 31 %).

Im Bil­dungs­ver­gleich ist die Zufrie­den­heit mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie auf allen drei Ebe­nen bei den Per­so­nen mit Haupt­schul­ab­schluss am gerings­ten. Män­ner zwi­schen 45 und 59 Jah­ren sind in der Regel etwas unzu­frie­de­ner als alle ande­ren Grup­pen. Auf allen drei Ebe­nen ist in allen Par­tei­an­hän­ger­schaf­ten die Zufrie­den­heit grö­ßer als die Unzu­frie­den­heit. Die ein­zi­ge Aus­nah­me sind die Anhän­ger der AfD (und die Lin­ke auf Bun­des-Ebe­ne). Bei den AfD-Anhän­gern

über­wiegt auf allen drei Ebe­nen die Unzu­frie­den­heit deut­lich. Auf der Bun­des-Ebe­ne ist sie am größ­ten (85 %), auf der kom­mu­na­len Ebe­ne am kleins­ten (50 %).

Die Men­schen sind im Durch­schnitt mit der Arbeit „ihrer“ Lan­des­re­gie­rung um 20 Pro­zent­punk­te zufrie­de­ner als mit der Arbeit der Bun­des­re­gie­rung. Das Ver­trau­en in ver­schie­de­ne Insti­tu­tio­nen vari­iert sehr. Das größ­te Ver­trau­en brin­gen die Men­schen der Wis­sen­schaft, der Poli­zei und den Gerich­ten ent­ge­gen. Social-Media-Platt­for­men, poli­ti­schen Par­tei­en und dem Euro­päi­schen Par­la­ment miss­trau­en sie am meis­ten.

Etwa ein Vier­tel der Men­schen in Deutsch­land glaubt, dass Poli­tik in Deutsch­land von „gehei­men Mäch­ten“ gesteu­ert wird. Eben­falls ein Vier­tel meint, die Regie­ren­den „betrü­gen das Volk“. Und etwa die Hälf­te sieht Poli­ti­ker als abge­ho­ben an. Gut ein Fünf­tel unter­stellt den Mas­sen­me­di­en Mani­pu­la­ti­on. Sie wür­den die Bevöl­ke­rung sys­te­ma­tisch belü­gen. Und 14 Pro­zent wäh­nen das Land eher in einer Dik­ta­tur, als in einer Demo­kra­tie. Letz­te­res ist in Ost­deutsch­land deut­lich wei­ter ver­brei­tet als in West­deutsch­land (24 % vs. 12 %

Zum Stu­di­en­de­sign

Der Demo­kra­tie-Moni­tor wird seit dem Jahr 2021 jähr­lich erho­ben. Dafür wer­den im Auf­trag der Uni­ver­si­tät Hohen­heim bun­des­weit jeweils 4.000 bis 5.000 Men­schen durch for­sa befragt.

Ver­wen­de­te Quel­len: Besag­te Stu­die sowie eine Land­tags­an­fra­ge zur Stu­die und diver­se Pres­se­ar­ti­kel

Was ich mich per­sön­lich enga­gie­re

Ich habe mich längst auf die sin­ken­de Zufrie­den­heit mit der Demo­kra­tie ein­ge­stellt und set­ze dem bedenk­li­chen Trend eine noch höhe­re Prä­senz ent­ge­gen. So habe ich die Anzahl mei­ner Sprech­stun­den erheb­lich aus­ge­wei­tet und bie­te die­se in unter­schied­lichs­ten For­men an (tele­fo­nisch, an Bahn­hö­fen und auf Wochen­märk­ten, in Cafés, in mobi­ler Form in Zügen usw.). Mit „Poli­tik & Piz­za“ spre­che ich jün­ge­re Men­schen an. Mit inzwi­schen neun Social-Media-Auf­trit­ten ver­su­che ich zudem, mehr Men­schen zu errei­chen und mit die­sen zu kom­mu­ni­zie­ren. Im Bun­des­tag baue ich gera­de einen „Par­la­ments­kreis poli­ti­sche Bil­dung“ auf.

Hin­weis auf mei­ne Ant­wor­ten auf „Oft gestell­te Fra­gen“: https://www.matthias-gastel.de/oft-gestellte-fragen/