Mit der Bundespolizei im Gespräch

10.06.2018

Weniger Präsenz an Bahnhöfen

Die Bun­des­po­li­zei ist als eine dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern unter­stell­te Behör­de vie­les in einem: Grenz­schutz, Bahn­po­li­zei, Luft­si­cher­heit, Grenz­po­li­zei auf See, Schutz für Objek­te des Bun­des und Unter­stüt­zung der Lan­des­po­li­zei. Mich inter­es­siert vor allem die Arbeit der Bun­des­po­li­zei auf den Bahn­hö­fen.

In Baden-Würt­tem­berg gibt es 13 Bun­des­po­li­zei­re­vie­re: in Mann­heim, Heil­bronn, Karls­ru­he, Pforz­heim, Kehl, Frei­burg, Lör­rach, Walds­hut, Sin­gen, Fried­richs­ha­fen, Ulm, Tübin­gen und Stutt­gart. In einem Teil der Revie­re, so in Stutt­gart, Sin­gen und Fried­richs­ha­fen, ist ein 24-Stun­den-Betrieb vor­ge­se­hen. Der kann in der Pra­xis auch gewähr­leis­tet wer­den, wie mir die Bun­des­re­gie­rung auf Anfra­ge mit­teil­te. In Böb­lin­gen, dort befin­det sich die Zen­tra­le der Bun­des­po­li­zei für Baden-Würt­tem­berg, habe ich mich mit der Füh­rungs­spit­ze zum Gespräch getrof­fen.

Per­so­nal­aus­stat­tung der Bun­des­po­li­zei

Bun­des­weit ver­fügt die Bun­des­po­li­zei über rund 40.000 Stel­len, in Baden-Würt­tem­berg sind es 2.300. Die­se Zahl rela­ti­viert sich aller­dings schnell: Rech­net man das Per­so­nal im Innen­dienst her­aus, blei­ben noch 2.064 Uni­for­mier­te im Außen­dienst. Tat­säch­lich besetzt sind der­zeit ledig­lich 1.730 Stel­len. Da eini­ge der Beam­tin­nen und Beam­ten in ande­re Bun­des­län­der abge­ord­net sind – ins­be­son­de­re an die baye­risch-öster­rei­chi­sche Gren­ze – ver­blei­ben noch 1.607 Kräf­te im Länd­le. Davon wie­der­um sind eini­ge etwa in Eltern­zeit oder auf Fort­bil­dung.

Bei einer bun­des­weit gestar­te­ten Ein­stel­lungs­of­fen­si­ve, wer­den seit 2016 jedes Jahr 2.500 Per­so­nen ein­ge­stellt. Nach der drei Jah­re dau­ern­den Aus­bil­dung, wird es ab kom­men­dem Jahr eine ers­te klei­ne Ent­span­nung der „extrem hohen Belas­tung“ geben.

Sicher­heit der Bahn-Rei­sen­den

Die Bun­des­po­li­zei nimmt poli­zei­li­che Auf­ga­ben auf den Bahn­an­la­gen der Eisen­bah­nen des Bun­des wahr. Die­se umfas­sen bun­des­weit über 5.500 Bahn­hö­fe oder Hal­te­punk­te und ein Stre­cken­netz von 33.500 Kilo­me­tern.

Kon­kret geht es um geziel­te Strei­fen­tä­tig­keit und die Bekämp­fung von Eigen­tums- und Gewalt­kri­mi­na­li­tät sowie Sach­be­schä­di­gun­gen wie Van­da­lis­mus und Graf­fi­ti, Fahn­dun­gen an Bahn­hö­fen und in Per­so­nen­zü­gen, die Abwehr und Ver­fol­gung von Ein­grif­fen in den Bahn­ver­kehr und die Sicher­heit der Rei­sen­den im Zusam­men­hang mit Groß­ver­an­stal­tun­gen wie Fuß­ball­spie­len.

Im Jahr 2016 hat die Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Stutt­gart auf baden-würt­tem­ber­gi­schen Bahn­hö­fen, Bahn­an­la­gen und in Zügen rund 50.000 Straf­ta­ten regis­triert. Davon waren etwa 4.700 Dieb­stäh­le und 14.000 Ver­stö­ße gegen das Auf­ent­halts­recht.

Weil Per­so­nal abge­ord­net wur­de, aber auch, weil die Prä­senz an Flug­hä­fen deut­lich ver­stärkt wur­de, steht an Bahn­hö­fen deut­lich weni­ger Bun­des­po­li­zei zur Ver­fü­gung. Die­se Ent­wick­lung muss aus mei­ner Sicht gestoppt und die Poli­zei­prä­senz an Bahn­hö­fen wie­der ver­bes­sert wer­den. Auch wenn die Bun­des­po­li­zei im Gespräch zu Recht auf gro­ße Unter­schie­de zwi­schen der objek­ti­ven und der gefühl­ten Sicher­heit hin­ge­wie­sen hat: Wer sich an Bahn­hö­fen und in Zügen nicht sicher fühlt, nutzt eher das Auto – das kann nicht im all­ge­mei­nen Inter­es­se lie­gen.

Die Zusam­men­ar­beit mit dem Sicher­heits­dienst der Deut­schen Bahn wur­de uns von der Bun­des­po­li­zei als „gut“ geschil­dert. Die Bun­des­po­li­zis­ten wün­schen sich von der Deut­schen Bahn aller­dings für rei­sen­de Fuß­ball­fans zusätz­li­che Züge. Das soll vor allem Kon­flik­te zwi­schen Fans und ande­ren Rei­sen­den ver­mei­den sowie es der Poli­zei erleich­tern das Gesche­hen auch durch den Ein­satz fan­kun­di­ger Beam­ter zu kon­trol­lie­ren.

Leis­tungs­er­schlei­chung durch Schwarz­fah­rer

Fah­ren ohne Fahr­schein gilt in Deutsch­land als Straf­tat. Die Bun­des­po­li­zei muss alle Fäl­le, die die Eisen­bahn­un­ter­neh­men anzei­gen, bear­bei­ten. Das bin­det Kapa­zi­tä­ten. Des­halb haben die Grü­nen im Bun­des­tag bean­tragt, die­se Ver­ge­hen künf­tig als Ord­nungs­wid­rig­keit zu ahn­den, um Poli­zei und Jus­tiz zu ent­las­ten. Par­ken ohne Park­schein wird schließ­lich auch nicht als Straf­tat ver­folgt.

Wei­te­re The­men, die wir bespro­chen haben, war die zuneh­men­de Anzahl von Fäl­len mit Wider­stand gegen Voll­stre­ckungs­be­am­te und das strit­ti­ge The­ma Video­über­wa­chung. Die kann aus Sicht der Bun­des­po­li­zei vor allem an gro­ßen Bahn­hö­fen sehr nütz­lich sein, da damit die Auf­klä­rungs­quo­te bei Straf­ta­ten steigt. Das wirkt laut unse­rer Gesprächs­part­ner von der Bun­des­po­li­zei wie­der­um auf Straf­tä­ter abschre­ckend.

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