Mit Infektiologe Prof. Kern im öffentlichen Dialog

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09.07.2020

„Risiko zweiter Corona-Welle ist real“

Wie ist das Coro­na-Risi­ko aktu­ell ein­zu­schät­zen? Ist es ver­tret­bar, dass die Schu­len wie­der weit­ge­hend nor­mal öff­nen? Kommt die zwei­te Wel­le? Die­se und wei­te­re Fra­gen haben wir mit dem Frei­bur­ger Infek­tio­lo­gen Prof. Kern in einer öffent­li­chen Video­kon­fe­renz dis­ku­tiert.

Gemein­sam mit mei­ner Land­tags­kol­le­gin Andrea Lind­l­ohr und dem Land­tags­kol­le­gen Andre­as Schwarz hat­te ich dazu ein­ge­la­den. Mei­ne Inten­ti­on war und ist, das Han­deln der Poli­tik und deren Bera­tung trans­pa­rent zu machen. Prof. Kern gehört dem Exper­ten­gre­mi­um an, das die Lan­des­re­gie­rung berät. Damit wird deut­lich, dass Poli­tik sich kei­nes­wegs, wie immer wie­der unter­stellt wird, aus­schließ­lich dem RKI oder Prof. Dros­ten fol­gen wür­de. Wobei, so Prof. Kern auf mei­ne Fra­ge, die Fach­leu­te aus der Wis­sen­schaft in der Bewer­tung der Risi­ken durch das Virus nicht weit aus­ein­an­der lie­gen wür­den. Noch gebe es aber zu weni­ge Unter­su­chun­gen und zu man­chen wich­ti­gen Fra­ge­stel­lun­gen kei­ne gesi­cher­ten Erkennt­nis­se. Dies gel­te bei­spiels­wei­se für die Immu­ni­tät nach einer Infek­ti­on. Völ­lig klar sei aber, so der lei­ten­de Arzt, dass Coro­na auch in Deutsch­land zu einer ein­deu­ti­gen Über­sterb­lich­keit geführt habe.

Momen­tan befin­de man sich in Deutsch­land in kei­ner pro­ble­ma­ti­schen Lage mehr. Soll­te jedoch eine zwei­te Wel­le auf uns zukom­men, so wäre eine Ant­wort auf die Immu­ni­täts-Fra­ge sehr hilf­reich. Wie wahr­schein­lich ist eine sol­che Wel­le? Das Risi­ko sei nicht quan­ti­fi­zier­bar. Die Gefahr sei aber real, was die gegen­wär­ti­ge Ent­wick­lung in Isra­el zei­ge. Span­nend sei, was nach der Rück­rei­se vie­ler Men­schen aus dem Urlaub gesche­he. Man sei jeden­falls auf einen erneu­ten Infek­ti­ons­aus­bruch deut­lich bes­ser vor­be­rei­tet als im März. Aller­dings kön­ne im Herbst und Win­ter eine erneu­te Aus­brei­tung der Coro­na­vi­ren zeit­lich zusam­men tref­fen mit ande­ren Erkran­kun­gen wie der Grip­pe, was dann das Gesund­heits­we­sen beson­ders for­dern könn­te.

Wich­tig sei, wei­ter­hin Abstand zu hal­ten und dort, wo dies wie in öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln nicht immer mög­lich sei, die Mas­ke getra­gen wer­de. Auch Visie­re sei­en geeig­net, um die Über­tra­gung der Viren zu brem­sen. In Schu­len kom­me es auf das Abstand hal­ten und gutes Lüf­ten an. Auch hier kön­ne in bestimm­ten Situa­ti­on die Mas­ke hel­fen.

Fra­gen aus dem Publi­kum bezo­gen sich häu­fig auf die zuneh­men­de Nor­ma­li­sie­rung in den Schu­len und die Ent­wick­lung von Impf­stof­fen und Medi­ka­men­ten.

Scha­de übri­gens, dass sich nie­mand von den „Coro­na-Zwei­feln­den“, die uns ger­ne mit Mails kon­fron­tie­ren, betei­ligt hat. Die­se blei­ben wohl lie­ber unter sich und mei­den den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs.

Ich füh­re die­sen Dis­kurs ger­ne wei­ter. Aktu­ell spre­che ich mit Viro­lo­gen aus der Umge­bung, um mir deren Mei­nung zur Pan­de­mie und dem Umgang damit ein­zu­ho­len.