Mitfahrt in Güterzug-Lok

11.10.2019

Viel unproduktive Zeit auf der Schiene

Nach dem Besuch im Ran­gier­bahn­hof in Mann­heim ging es in der Lok eines Güter­zu­ges wei­ter. Die­ser trans­por­tier­te 25 Wagen nach Korn­west­heim. Vom sehr erfah­re­nen Lok­füh­rer erfuhr ich viel über sei­ne Arbeit.

Die Fahrt begann mehr als holp­rig – und gewähr­te mir einen Ein­blick in die trau­ri­ge Rea­li­tät des Schie­nen­gü­ter­ver­kehrs. Zunächst konn­te dem Lok­füh­rer kei­ne Lok zuge­wie­sen wer­den, weil die EDV streik­te. Mit etwas Ver­zö­ge­rung lie­fen wir dann zur schließ­lich doch noch zuge­wie­se­nen Lok. Dort konn­te jedoch kei­ne Ver­bin­dung zum Ser­ver her­ge­stellt wer­den. Damit fehl­te der Fahr­plan. Mit einem Neu­start der Tech­nik klapp­te es schließ­lich. Die Lok konn­te eini­ge Meter bewegt wer­den. Inner­halb des Ran­gier­bahn­hofs stand dann ein Signal auf „Rot“. Ein Grund hier­für war nicht zu erken­nen. Ein Anruf im Stell­werk brach­te die Erklä­rung: „Stö­rung im Stell­werk“. Nun konn­ten wir die Güter­wa­gen anhän­gen. Bis zur Abfahrt ver­ging aber wie­der viel Zeit. Wir muss­ten war­ten, bis wir auf die Stre­cke konn­ten. Vor uns waren zwei ande­re Güter­zü­ge an der Rei­he. Die Stre­cken­ka­pa­zi­tät ist immer stark ein­ge­schränkt und der­zeit wegen einer Bau­stel­le noch mehr. Eine „Vor­be­rei­tungs­zeit“ (Fuß­weg zur Lok, Ein­rich­ten der Lok, Brems­pro­be etc.) von Dienst­be­ginn bis zur Abfahrt ist nach Aus­kunft des Lok­füh­rers völ­lig nor­mal. Im kon­kre­ten Fall dau­er­te es 2:16 Stun­den, bis der Güter­zug end­lich auf der Stre­cke war. Die „offi­zi­el­le“ Ver­spä­tung lag bei 70 Minu­ten. Die­ser hohe Anteil unpro­duk­ti­ver Zeit macht den Güter­ver­kehr teu­er und unzu­ver­läs­sig, da sich kei­ne Ankunfts­zei­ten auch nur halb­wegs ver­läss­lich vor­aus­sa­gen las­sen. Zurück zu mei­ner Mit­fahrt: Auf der Stre­cke lief es über­ra­schend gut, der als „Ver­spä­tung“ defi­nier­te Zeit­ver­lust konn­te abge­baut wer­den. Ledig­lich in Mühl­acker muss­te eine Über­ho­lung abge­war­tet wer­den. Die Fahrt des 1.036 Ton­nen schwe­ren und 449 Meter lan­gen Güter­trans­por­tes ende­te in Korn­west­heim.

 

 

 

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