Motorradfahrer kämpft gegen Motorradlärm

Motorradlärm Gespräch Siegel04.05.2015

Seit etwa zehn Jah­ren beschäf­tigt sich der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land mit dem The­ma Motor­rad­lärm. Hol­ger Sie­gel ist der Spre­cher des BUND-Arbeits­krei­ses „Motor­rad­lärm“. Er ist sel­ber Motor­rad­fah­rer („Aber so kon­se­quent wie mög­lich nicht zum Frei­zeit­spaß“) und zugleich Lärm­be­trof­fe­ner. Unweit sei­nes Hau­ses ver­läuft mit der B 10 ent­lang der Murr eine bei Motor­rad­fah­rern belieb­te „Renn­stre­cke“. Kürz­lich habe ich mich mit Sie­gel zu einem Gespräch getrof­fen – und vie­les erfah­ren, was ich bis­lang nicht wuss­te.

 

Frü­her, so erin­nert sich Sie­gel, galt eine frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung der Her­stel­ler, mit der die Maschi­nen auf maxi­mal 100 PS begrenzt wur­den. Aus die­ser Zeit stam­men die weit­ge­hend noch heu­te gül­ti­gen Zulas­sungs­be­din­gun­gen in Punk­to Lärm. Inzwi­schen kom­men aber zuneh­mend schwe­re Motor­rä­der mit 200 PS auf den Markt, die für mehr Lärm sor­gen und außer­dem die Unfall­ri­si­ken erhö­hen. Die ent­schei­den­den Test­me­tho­den für die Über­prü­fung, ob Lärm­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den, sind damit nicht mehr pra­xis­taug­lich. Sie­gel: „Auf dem Papier wer­den die Motor­rä­der immer lei­ser, in der Pra­xis immer lau­ter.“ Er spricht von 80 bis 100 dB(A), die außer­halb des Test­mo­dus tat­säch­lich gemes­sen wer­den. Dazu tra­gen die Her­stel­ler nicht nur durch immer mehr Leis­tung unter den Motor­hau­ben bei, son­dern auch, indem sie bewusst auf lau­te, röh­ren­de Sounds set­zen. Der Sound ist das Ver­kaufs­ar­gu­ment schlecht­hin. Und die Kund­schaft scheint dar­auf abzu­fah­ren. „Mit Helm und Schutz­aus­rüs­tung ist der Motor­rad­fah­rer anonym unter­wegs, er wird nicht erkannt. Oft­mals trägt er sel­ber Ohro­pax in den Ohren. Und dann hat die Maschi­ne auch noch nur hin­ten ein Num­mern­schild. Die meis­ten Radar­an­la­gen blit­zen aber von vor­ne. So bleibt Rase­rei oft unge­sühnt“, sagt Sie­gel. Über­haupt hat es die Poli­zei schwer, zu lau­ten Motor­rä­dern bei­zu­kom­men: Durch man­che ver­bo­te­ne Umbau­ten wer­den die Maschi­nen lau­ter und ver­lie­ren genau genom­men ihre Betriebs­zu­las­sung. Aber längst nicht alle Poli­zis­tIn­nen sind so qua­li­fi­ziert, dies zu erken­nen. Außer­dem lie­gen Stra­fen für ein­zel­ne Ver­feh­lun­gen nur bei 15 Euro. Da stellt sich die Fra­ge der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Der BUND-Mann hat mal eine Kon­trol­le auf eige­ne Faust gemacht. An einem Ort, an dem vie­le Motor­rad­fah­rer ihre Maschi­nen abstel­len, hat er bei 30 bis 40 Pro­zent Mani­pu­la­tio­nen ent­deckt, die zu uner­laub­ten Lärm­wer­ten füh­ren. Die Poli­tik ist also gefor­dert, die Lärm­pro­ble­ma­tik mit den Motor­rä­dern ener­gisch anzu­ge­hen. Lei­der tut sich hier viel zu wenig.

Eine Klei­ne Anfra­ge der GRÜ­NEN-Bun­des­tags­frak­ti­on zum The­ma „Stra­ßen­lärm“ befasst sich auch mit dem Motor­rad­lärm:

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/045/1804556.pdf

 

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