Murrbahn: Abkehr von der Neigetechnik

16.01.2021 (Pres­se­er­klä­rung), ergänzt am 26.01.2021

Nicht schneller zwischen Stuttgart und Nürnberg?

Unter dem Maß­nah­men­ti­tel “Stutt­gart – Backnang/Schwäbisch Gmünd – Aalen – Nürn­berg“ ist die Murr­bahn zwi­schen Backnang und Crails­heim (und wei­ter nach Ans­bach) im Bun­des­schie­nen­we­ge­aus­bau­ge­setz („Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan“) für den Aus­bau vor­ge­se­hen. Kon­kret ist das Pro­jekt in den Vor­dring­li­chen Bedarf eingestuft.

Aus der Pro­jekt­be­schrei­bung gehen die Zie­le und die Aus­bau­maß­nah­men her­vor: Ertüch­ti­gung für den Ein­satz von Nei­ge­tech­nik­zü­gen, die bis zu 160 Stun­den­ki­lo­me­ter schnell fah­ren sol­len. Die Fahr­zeit zwi­schen Stutt­gart und Nürn­berg soll so um 18 Minu­ten ver­kürzt wer­den. In Stutt­gart soll somit der Anschluss von/nach Zürich und in Nürn­berg von/nach Mün­chen und Ber­lin ver­bes­sert wer­den. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Gast­el, bahn­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen, woll­te von der Bun­des­re­gie­rung wis­sen, ob sie am Aus­bau für Nei­ge­tech­nik­zü­ge fest­hält und wann der Pla­nungs­auf­trag an die Deut­sche Bahn erteilt wird. Aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung geht her­vor, dass nun statt der Nei­ge­tech­nik womög­lich doch kon­ven­tio­nel­le Tech­nik zum Ein­satz kom­men soll. Damit ist gemeint, dass die Stre­cke – mit deut­lich höhe­rem Auf­wand – so aus­ge­baut wer­den müss­te, dass her­kömm­li­che Züge schnel­ler fah­ren kön­nen. Gast­el ist sich mit sei­nem Frak­ti­ons­kol­le­gen Harald Ebner (Schwä­bisch Hall) einig, dass dies kein Feh­ler sein muss. Bei­de ver­wei­sen dar­auf, dass die Zukunft der Nei­ge­tech­nik unge­wiss ist, da kaum ein Ver­kehrs­un­ter­neh­men die­se Züge fah­ren möch­te und die Bahn­in­dus­trie die­se Tech­no­lo­gie nicht mehr wei­ter ent­wi­ckelt. „Aller­dings sind wie­der Jah­re ver­stri­chen, in der sich auf­grund der Unent­schlos­sen­heit der Bun­des­re­gie­rung nichts getan hat. Sie weiß offen­bar nicht, wel­che Stra­te­gie sie für die Murr­bahn ver­fol­gen soll. Man ist heu­te nicht wei­ter als vor vier Jah­ren, als das Aus­bau­ge­setz durch den Bun­des­tag beschlos­sen wur­de.“ Die bei­den Abge­ord­ne­ten haben erheb­li­che Zwei­fel an der Ernst­haf­tig­keit, mit dem der Bund einen Aus­bau vor­an­treibt. Denn aktu­ell sind statt der 18 Minu­ten Rei­se­zeit­ver­kür­zung nur noch zwei Minu­ten Zeit­ge­winn vor­ge­se­hen. Dies geht aus dem drit­ten Gut­ach­ter­ent­wurf für den Deutsch­land­takt her­vor. Dar­auf bezieht sich auch die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Ant­wort auf Gast­els Anfra­ge. „Fak­tisch soll sich also nichts ändern. Das ist über­haupt nicht akzep­ta­bel. Wenn die Bun­des­re­gie­rung von der jah­re­lang ver­spro­che­nen Beschleu­ni­gung durch Nei­ge­tech­nik abwei­chen will, dann muss sie die Stre­cke für alle Züge schnel­ler befahr­bar machen und den Fahr­gäs­ten auf die­se Wei­se kür­ze­re Fahr­zei­ten anbie­ten. Sie will sich aber offen­bar in die Büsche schla­gen und gar nichts machen.“

Mat­thi­as Gast­el und Harald Ebner kün­dig­ten an, mit einer erneu­ten Initia­ti­ve bei der Bun­des­re­gie­rung vor­stel­lig zu werden.

Nach­trag: Wir haben inzwi­schen eine Klei­ne Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung ein­ge­reicht. Dar­in fra­gen wir unter ande­rem nach einem zwei­glei­si­gen Aus­bau zwi­schen Backnang und Schwä­bisch Hall sowie nach der Elek­tri­fi­zie­rung der Hohenlohebahn.

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