Nürtingen bei Nacht

20.09.2019

Einblicke in Polizeiarbeit durch Streifen-Mitfahrt

Die Mit­fahrt in einer nächt­li­chen Wochen­end-Strei­fe bot mir Ein­bli­cke in die Arbeit unse­rer Poli­zei und eben­so in unse­re Gesell­schaft.

Mein „Dienst“ auf dem Revier in Nür­tin­gen begann um 19.30 Uhr mit einer kur­zen Über­ga­be der Tages- an die Nacht­schicht und der Ein­tei­lung der Strei­fen­teams. Der ers­te Ein­satz begann gleich nach dem Über­strei­fen der Sicher­heits­wes­ten: Im Roß­dorf wür­de ein Opel eine Feu­er­gas­se zupar­ken. Das Fahr­zeug konn­te jedoch nicht gefun­den wer­den. Ver­mut­lich war es bereits bei­sei­te gefah­ren wor­den. Über den Stadt­teil mit sei­nen mar­kan­ten Hoch­häu­sern erfuhr ich, dass die Beam­ten der ört­li­chen Wache und des Reviers immer wie­der mal mit Jugend­li­chen zu tun haben, die Lärm und Müll ver­ur­sa­chen. Rund um das Flücht­lings­wohn­heim ist es hin­ge­gen ruhig gewor­den, es gibt kaum Pro­ble­me. Wei­ter ging es zu einem klei­nen Auf­fahr­un­fall. Der Fah­rer eines Wohn­mo­bils hat­te beim Rück­wärts­fah­ren einen BMW gestreift, die Motor­hau­be zer­kratzt und sel­ber die Poli­zei ver­stän­digt. Die Poli­zei konn­te den Hal­ter des beschä­dig­ten Autos schnell aus­fin­dig machen. Es wur­den Per­so­nen- und Fahr­zeug­da­ten auf­ge­nom­men und aus­ge­tauscht. Wäh­rend der Fahrt zum nächs­ten Ein­satz spre­che ich mit der Poli­zis­tin und dem Poli­zis­ten über die Belas­tun­gen durch den Schicht­dienst. Sie hat­ten bei­de am glei­chen Tag vor­mit­tags den Früh­dienst absol­viert, den Nach­mit­tag frei und steck­ten nun im Nach­dienst. Auch wenn sich dem fast drei freie Tage anschlie­ßen, ist der Wech­sel der Dienst­zei­ten inklu­si­ve Nacht- und Wochen­end­ar­beit für die Gesund­heit wie für pri­va­te Bezie­hun­gen und Fami­li­en eine gro­ße Belas­tung. Am nächs­ten Ein­satz­ort waren bereits aus der Fer­ne zwei Poli­zei­fahr­zeu­ge zu sehen. Eines davon war von der Hun­de­staf­fel, die im Nür­tin­ger Tie­fen­bach­tal sta­tio­niert ist. Nach­barn hat­ten wegen Lärms die Poli­zei geru­fen. Ver­ur­sacht wor­den war die­ser durch eine Grup­pe männ­li­cher und weib­li­cher jun­ger Men­schen. Im Zen­trum stand eine mit ihrem Sohn strei­ten­de Mut­ter. Die Grup­pen­zu­ge­hö­ri­gen stan­den teil­wei­se unter dem Ein­fluss von Alko­hol und Dro­gen und wur­den durch­sucht. Die Anwe­sen­heit der Poli­zei­hun­de wirk­te offen­bar dis­zi­pli­nie­rend, so dass die­se bald wie­der in ihre Boxen im Auto zurück­ge­bracht wer­den und die Poli­zei­be­am­ten ihrer Auf­ga­be nach­kom­men konn­ten. Wäh­rend wir eini­ge „Brenn­punk­te“, an denen es immer wie­der mal zu Kon­flik­ten kommt, abfuh­ren, ging ein Not­ruf ein: Brand in einer Dach­ge­schoss­woh­nung. Da die Situa­ti­on unklar war wur­de mit Son­der­si­gnal gefah­ren. Vor dem Haus tra­fen wir auf einen etwas auf­ge­lös­ten jun­gen Mann, der uns in sei­ne Woh­nung führ­te. Er hat­te den Herd mit Was­ser geflu­tet. Feu­er und Rauch waren nicht zu sehen. Die kurz nach uns ein­tref­fen­de Feu­er­wehr stell­te ein ver­schmor­tes Kabel fest, das den Rauch­mel­der aus­ge­löst hat­te. Nach­dem die Feu­er­wehr das Kabel abge­klemmt und die Siche­rung wie­der ein­ge­schal­tet hat­te, war der Ein­satz bald been­det. Auf der Wei­ter­fahrt ließ ich mir Ein­bli­cke in den prak­ti­schen Teil der Poli­zei­aus­bil­dung geben. Bei­de, Poli­zis­tin und Poli­zist, lei­ten je einen der ins­ge­samt sie­ben Aus­zu­bil­den­den im Revier an. Wäh­rend des Gesprächs war die Auf­merk­sam­keit der bei­den immer auf und ent­lang der Stra­ße. Weil ein Auto­fah­rer sich auf­fäl­lig ver­hielt, wur­de er kon­trol­liert – Fahr­zeug­pa­pie­re und Füh­rer­schein waren jedoch in Ord­nung, Ver­dacht auf Alko­hol am Steu­er bestand nicht. Der für mich letz­te Ein­satz führ­te uns nach Fri­cken­hau­sen, wo ein Zehn­jäh­ri­ger als ver­misst gemel­det wor­den war. Man schau­te sich in der Woh­nung um, nahm eine Per­so­nen­be­schrei­bung auf und erkun­dig­te sich nach Freun­den, bei denen sich das Kind auf­hal­ten könn­te. Da tauch­te es plötz­lich wohl­be­hal­ten auf. Es hat­te den Tag und den Abend mit einem Freund und des­sen Mut­ter auf einem Fest in Beu­ren ver­bracht.

“Mein Dienst“ ende­te um 0.30 Uhr, als mei­ne „Kol­le­gin“ und mein „Kol­le­ge“ schon wie­der zum nächs­ten Ein­satz­ort geru­fen wur­den.

Dan­ke an alle bei der Poli­zei und den Ret­tungs­diens­ten, dass Ihr rund um die Uhr für uns da seid – und manch­mal auch den Kopf für unse­re Sicher­heit her­hal­tet!

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