Öffentliches Gespräch mit Infektiologe

03.12.2020

Prof. Kern: „Lockdown unbedingt notwendig“

Coro­na hat unse­re All­ta­ge stark ver­än­dert. Über die Gefah­ren­la­ge und die Ange­mes­sen­heit bzw. Wirk­sam­keit der Beschrän­kun­gen wird teils hef­tig dis­ku­tiert. Dis­kus­sio­nen dar­über sind notwendig.

Fakt ist: Die Inten­siv­sta­tio­nen auch in mei­ner Regi­on fül­len sich mehr und mehr mit Coro­na-Pati­en­ten. Teil­wei­se sind alle Inten­siv­bet­ten belegt und Ope­ra­tio­nen müs­sen abge­sagt wer­den. Über Coro­na kur­sie­ren aber auch vie­le Mythen, man­che ver­harm­lo­sen oder leug­nen sogar das Virus. Eine der oft wie­der­hol­ten Behaup­tun­gen ist, die Poli­tik wür­de nur durch weni­ge Per­so­nen wie Dros­ten und Wie­ler bera­ten wer­den. Das ist falsch, wie der Refe­rent einer öffent­li­chen Ver­an­stal­tung zeigt, zu der ich gemein­sam mit Andrea Lindlohr und Andre­as Schwarz (bei­de aus dem Land­tag) ein­ge­la­den hat­te. Prof. Win­fried Kern ist einer von meh­re­ren Fach­leu­ten, die die Lan­des­re­gie­rung in der Pan­de­mie­be­kämp­fung berät.

Rund 40 Gäs­te hat­ten sich ein­ge­wählt. Inter­es­sant war, wie schon bei allen vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­an­stal­tun­gen, dass sich kei­ne Kritiker*innen der Coro­na-Poli­tik betei­ligt hat­ten. Kri­ti­sche Fra­gen gab es den­noch, so zu den Rege­lun­gen in den Schu­len, der Mas­ken­pflicht im Frei­en oder den Risi­ken durch schnell ent­wi­ckel­te Impfstoffe.

Pro­fes­sor Kern bezeich­ne­te den Lock­down als „ein­deu­tig not­wen­dig“. Es gehe dar­um, die Anzahl der Kon­tak­te zu redu­zie­ren, um medi­zi­ni­sche Kapa­zi­tä­ten nicht zu über­las­ten. Bis­her sei das Kri­sen­ma­nage­ment über­wie­gend klug gewe­sen. Aber auch das Gesund­heits­we­sen an sich habe sich bewährt. Dadurch sei­en här­te­re Maß­nah­men, wie sie in ande­ren Län­dern, so in Frank­reich oder in Spa­ni­en erlas­sen wor­den sei­en, ver­meid­bar gewe­sen. Kri­tik übte der Infek­tio­lo­ge an der Schnell­test-Stra­te­gie. In Pfle­ge­hei­men bräuch­te man mobi­le Schnelltest-Teams.

Fra­gen der Gäs­te bezo­gen sich bei­spiels­wei­se auf aktu­el­le Erkennt­nis­se bezüg­lich der Lang­zeit­fol­gen für Men­schen, die an Covid erkrankt waren. Prof. Kern ant­wor­te­te, dass dazu noch kei­ne ver­läss­li­chen Aus­sa­gen gemacht wer­den könn­ten, man aber davon aus­ge­hen müs­se, dass es ins­be­son­de­re bei Erkrank­ten, die län­ger beatmet wer­den muss­ten, auch noch mehr als ein Jahr spä­ter gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen geben kön­ne. Der Anteil von ehe­mals Erkrank­ten mit Lang­zeit­fol­gen sei aber ver­mut­lich gering und wür­de bei deut­lich unter zehn Pro­zent lie­gen. Auf die Fra­ge, ob es eine Übersterb­lich­keit gäbe, ver­wies er zunächst auf Öster­reich, wo eine sol­che bereits deut­lich erkenn­bar sei. Auch in Deutsch­land müs­se man davon aus­ge­hen, zumal die Sterb­lich­keit noch wei­ter anstei­gen wer­de. Zur Imp­fung ver­trat er die Mei­nung, dass der Impf­stoff trotz der kur­zen Ent­wick­lungs­zeit sicher sei, wenn alle erfor­der­li­chen Ent­wick­lungs­schrit­te ein­ge­hal­ten wor­den sei­en. Er sel­ber wür­de sich imp­fen las­sen. Als ers­tes soll­ten Ange­hö­ri­gen der „kri­ti­schen Infra­struk­tur“ (Feu­er­wehr, DRK usw.) geimpft wer­den, in einem zwei­ten Schritt auch älte­re Menschen.

Da sich der Medi­zi­ner nach einer Stun­den in den Kri­sen­stab der Lan­des­re­gie­rung ver­ab­schie­den muss­te, dis­ku­tier­ten wir Abge­ord­ne­ten noch eine Wei­le mit den Gäs­ten über die Sinn­haf­tig­keit der ein­zel­nen beschrän­ken­den Maß­nah­men und das Impfen.

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