„Personalrochaden lösen strukturelle Probleme bei der Bahn nicht“

Baustelle S 21 2“Bau­stel­len” wie die für Stutt­gart 21 hat die Deut­sche Bahn der­zeit vie­le: Rück­läu­fi­ge Gewin­ne, stei­gen­de Schul­den, unpünkt­li­che Züge, schlech­tes Bau­stel­len­ma­nage­ment usw. 

 

Pres­se­er­klä­rung vom 13.06.2016

Macht­kampf in der Deut­schen Bahn – Mat­thi­as Gast­el MdB: „Per­so­nal­ro­cha­den lösen struk­tu­rel­le Pro­ble­me nicht“

Zu den wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men und zum aktu­ell anhal­ten­den Macht­kampf inner­halb der Deut­schen Bahn erklärt Mat­thi­as Gast­el, Mit­glied des Ver­kehrs­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges und Spre­cher für Bahn­po­li­tik der Bun­des­tags­frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Die Klä­rung von Per­so­nal­fra­gen im DB-Vor­stand ist not­wen­dig, darf jedoch nicht von den struk­tu­rel­len Pro­ble­men der Dobrindt’schen Ver­kehrs­po­li­tik ablen­ken. Haupt­ur­sa­che für die dra­ma­ti­sche Situa­ti­on des DB-Kon­zerns ist ein über­for­der­ter Ver­kehrs­mi­nis­ter, der kei­ne stra­te­gi­schen Zie­le für die Schie­ne und das DB-Top­ma­nage­ment ent­wi­ckelt. Dob­rindt hat mit der Absen­kung der Lkw-Maut um 16 Pro­zent gegen­über 2010 und dem mas­si­ven Anstei­gen der Tras­sen­prei­se um 14 Pro­zent der Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Schie­ne nach­hal­tig gescha­det. Mit dem Eisen­bahn­re­gu­lie­rungs­ge­setz wird nach dem Ansin­nen des Dob­rindt-Minis­te­ri­ums dem gren­zen­lo­sen Anstei­gen der Tras­sen­prei­se im Fern­ver­kehr und Güter­ver­kehr wei­ter Vor­schub geleis­tet. Gleich­zei­tig legt der Ver­kehrs­mi­nis­ter einen Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan vor, der sich als rie­si­ges Stra­ßen­bau­pro­gramm ent­puppt und in dem wich­ti­ge Pro­jek­te für die Schie­ne auf den Sankt-Nim­mer­leins-Tag ver­scho­ben wer­den.

Ein Rie­sen­pro­blem beim Netz ist das Pro­jekt Stutt­gart 21. Es wur­de trotz Unwirt­schaft­lich­keit unter dem mas­si­ven Druck des ehe­ma­li­gen Kanz­ler­amts­chefs und heu­ti­gen DB-Vor­stands­mit­glieds Ronald Pofal­la auf die Auf­sichts­rats­mit­glie­der im DB-Kon­zern durch­ge­setzt. Mit der gericht­lich erstrit­te­nen Ent­hül­lung der geschwärz­ten Ver­mer­ke an die Auf­sichts­rä­te ist klar, dass die Bun­des­re­gie­rung und Ronald Pofal­la für das dro­hen­de Desas­ter bei Stutt­gart 21 die Ver­ant­wor­tung über­neh­men müs­sen. So lan­ge nicht geklärt ist, ob und wie es mit Stutt­gart 21 wei­ter­geht, soll­ten kei­ne wei­te­ren Bau­auf­trä­ge ver­ge­ben wer­den. Bis­her ist klar, dass der Netz­spar­te der Deut­schen Bahn mit dem Wei­ter­füh­ren des Pro­jekts auf der der­zei­ti­gen Grund­la­ge als eigen­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt der DB ein erheb­li­cher wirt­schaft­li­cher Scha­den zukom­men wird.

Inso­fern klagt die SPD, die jetzt laut­stark über den dro­hen­de Stel­len­ab­bau bei der Deut­schen Bahn jam­mert, über die Fol­gen ihrer eige­nen Bahn­po­li­tik.  Wenn die Bun­des­re­gie­rung nicht end­lich für kla­re Manage­ment­zie­le und fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen der Schie­ne sorgt, kön­nen neue Köp­fe an der Spit­ze des DB-Kon­zern reich­lich wenig aus­rich­ten. Die Per­so­nal­ro­cha­den lösen die struk­tu­rel­len Pro­ble­me der Ver­kehrs­po­li­tik von CDU, CSU und SPD nicht.

Die Deut­sche Bahn ist an ande­rer Stel­le gefor­dert: Kon­zen­tra­ti­on auf das Kern­ge­schäft Eisen­bahn in Deutsch­land, höhe­re Pünkt­lich­keit und Zuver­läs­sig­keit im Per­so­nen­ver­kehr und ein bes­se­res Bau­stel­len­ma­nage­ments sind über­fäl­lig. Der Kom­plett­ver­kauf von Arri­va und Schen­ker darf daher kein Tabu mehr sein. Die ange­dach­te Teil­ver­äu­ße­rung bei­der Kon­zern­töch­ter ist hin­ge­gen Kapi­tal­ver­nich­tung und bin­det zusätz­li­chen Manage­ment­auf­wand. Die Kapi­tal­erlö­se für einen spä­te­ren Kom­plett­ver­kauf von Arri­va und Schen­ker wür­den deut­lich sin­ken, da die Erst­in­ves­to­ren bereits einen Fuß in der Tür haben und kei­nen vol­len Preis mehr bie­ten müss­ten. Nur über einen Kom­plett­ver­kauf lässt sich der Schul­den­an­stieg nach­hal­tig abbrem­sen und der Kon­zern schlag­kräf­ti­ger auf­stel­len.“

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