Perspektiven für den Bahnverkehr im westlichen Bodenseeraum

16.08.2017

Trau­rig: Bun­des­re­gie­rung erklärt sich für “nicht zustän­dig”

Feder­füh­rend für die Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen habe ich eine sehr umfang­rei­che Klei­ne Anfra­ge zum aktu­el­len Stand und den Zukunfts­per­spek­ti­ven für den Bahn­ver­kehr im west­li­chen Boden­see­raum an die Bun­des­re­gie­rung gerich­tet.

Die Anfra­ge bezieht sich auf die Gäu­bahn (Stutt­gart – Sin­gen – Zürich), die Hoch­rhein­bahn, die Seehas-Stre­cke nach Kon­stanz, die See­häs­le-Stre­cke nach Stock­ach, die Boden­see­gür­tel­bahn (Radolf­zell – Fried­richs­ha­fen) sowie die Bahn­hö­fe in Kon­stanz und Radolf­zell. Erar­bei­tet wur­de die Klei­ne Anfra­ge „Situa­ti­on und Per­spek­ti­ve für den Schie­nen­ver­kehr im öst­li­chen Boden­see­raum“ in Zusam­men­ar­beit mit Bür­ge­rin­nen und Bür­gern vor Ort, dar­un­ter auch kom­mu­nal­po­li­tisch Akti­ven. Dazu gab es auch ein Vor-Ort-Gespräch. Die Anfra­ge baut auf eine sehr ähn­li­che Klei­ne Anfra­ge der Grü­nen im Bun­des­tag aus dem Jahr 2015 auf. Ergänzt wer­den die Ant­wor­ten auf die Klei­ne Anfra­ge um wei­te­re Infor­ma­tio­nen aus ande­ren Quel­len, u. a. Ant­wor­ten der DB auf Anfra­gen von Mat­thi­as Gast­el.

Kurz­fa­zit:

Die Fahr­gast­ent­wick­lung weist über­wie­gend unauf­fäl­li­ge, durch­schnitt­li­che Wer­te auf. Etwas über­durch­schnitt­li­che Ent­wick­lun­gen gab es in den Bahn­hö­fen Sin­gen und Engen, aber auch auf den Stre­cken zwi­schen Radolf­zell und der Gäu­bahn (Regio­nal­ver­kehr).

Auf­fal­lend ist, dass der Bund sei­ne eige­ne Zustän­dig­keit belie­big inter­pre­tiert. Mal sagt er aus, dass er für mög­li­che Aus­bau­maß­nah­men an Bun­des­schie­nen­we­gen, die über­wie­gend oder aus­schließ­lich von Regio­nal­ver­keh­ren befah­ren wer­de, nicht zustän­dig sei. Ein ander­mal sagt er, er baue dort aus, wo sich dies wirt­schaft­lich rech­ne. Für die Boden­see­gür­tel­bahn jeden­falls erklärt sich der Bund für nicht zustän­dig. Der rund 50 Kilo­me­ter lan­ge Abschnitt droht damit ein “Die­sel­loch” zu blei­ben, da sowohl die Hoch­rhein­bahn (im Sep­tem­ber unter­zeich­nen Land und DB die Pla­nungs­ver­ein­ba­rung) als auch die Süd­bahn (Bau­be­ginn 2018) elek­tri­fi­ziert wer­den sol­len. Laut Aus­kunft der Bahn­in­dus­trie könn­ten aber Hybrid­zü­ge zum Ein­satz kom­men, was ver­tieft unter­sucht wer­den soll­te. In Sachen Gäu­bahn­aus­bau ist nach wie vor offen, ob die Deut­sche Bahn zum Ein­satz von Nei­ge­tech­nik­zü­gen bereit ist. Weder die Bun­des­re­gie­rung noch die DB äußern sich hier­zu kon­kret. Die Sin­ge­ner Kur­ve ist zwar nur für den Güter­ver­kehr erfor­der­lich. Jedoch könn­te sie auch vom Fern­ver­kehr genutzt wer­den, wodurch der Sin­ge­ner Haupt­bahn­hof nicht mehr durch den Fern­ver­kehr  bedient wer­den wür­de. Dies leh­nen wir Grü­ne ab, die Bun­des­re­gie­rung aber geht offen­bar davon aus, dass der Haupt­bahn­hof abge­hängt wird.

Es zeigt sich: Es sind vie­le wich­ti­ge Fra­ge­stel­lun­gen unbe­ant­wor­tet. Die­se Fra­gen müs­sen drin­gend geklärt wer­den, denn die Wirt­schafts- und Tou­ris­mus­re­gi­on braucht einen leis­tungs­fä­hi­gen, ver­läss­li­chen Bahn­ver­kehr!

 

Hier geht es zu detail­lier­ten Infor­ma­tio­nen: West­li­cher Boden­see­raum

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