Pfaffensteigtunnel: Unzureichender Ausbau zwischen Böblingen und Abzweig Tunnel

Der Pfaf­fen­steig­tun­nel an sich ist strit­tig, da die Not­wen­dig­keit nicht durch ein ver­kehr­li­ches Erfor­der­nis besteht, son­dern durch poli­ti­sche Beschlüs­se (Anbin­dung des Flug­ha­fens an die Gäu­bahn) künst­lich her­bei­ge­führt wur­de. Nach­fol­gend soll es um die Ein­bin­dung des neu­en Tun­nels in die Bestands­stre­cke und die Stre­cke von/nach Böb­lin­gen gehen.

Mit dem Pfaf­fen­steig­tun­nel in den Eng­pass 

Zwi­schen dem Abzweig zum neu­en Tun­nel bei Böb­lin­gen-Gold­berg und dem Haupt­bahn­hof in Stutt­gart wird es zukünf­tig in Sum­me vier Glei­se mit hoher Kapa­zi­tät (ETCS) (zwei Glei­se der S‑Bahn-Stamm­stre­cke bzw. der Gäu­bahn-Bestands­stre­cke und zwei Glei­se im Pfaffensteigtunnel/Fildertunnel) geben. Süd­lich des Tun­nels soll zwar auch ETCS verbaut wer­den, jedoch mit orts­fes­ten Signa­len. Die Digi­tal­tech­nik kann ihre Vor­tei­le damit nicht voll aus­spie­len. Damit kann zwar die Zug­fol­ge erhöht wer­den, der Geschwin­dig­keits­kon­flikt zwi­schen schnel­len und lang­sa­men Zügen bleibt jedoch bestehen. 

Gera­de­zu absurd ist daher, dass zwi­schen Böb­lin­gen und dem Abzweig zum Pfaf­fen­steig­tun­nel kei­ne zusätz­li­chen Glei­se vor­ge­se­hen sind. Die­ser Abschnitt muss als Eng­pass ein­ge­stuft wer­den: Gegen­über heu­te sie­ben Zügen pro Stun­de wer­den es in fer­ne­rer Zukunft bis zu sech­zehn Züge pro Stun­de sein (vgl.https://www.zukunftsfahrplan.de/files/content/downloads/Zukunftsfahrplan_Broschuere_barrierefrei.pdf). Daher ist es not­wen­dig, dass auch der Abschnitt bis Böb­lin­gen jetzt vier­glei­sig aus­ge­baut wird. Nur so kön­nen zusätz­li­che Ange­bo­te im Regio­nal­ver­kehr ver­wirk­licht wer­den.

Wie die der­zei­ti­gen Plä­ne aus­se­hen und Bewer­tung

Posi­tiv ist zunächst, dass die Ein­fä­de­lung der Stre­cke „Pfaf­fen­steig­tun­nel“ in die Bestands­stre­cke höhen­frei vor­ge­se­hen ist. Der S‑Bahn-Ver­kehr von Böb­lin­gen nach Stutt­gart wird also nicht tan­giert. Durch die Neu­tras­sie­rung meh­re­rer Gleis­bö­gen zwi­schen Tun­nel­ein­mün­dung und dem Hal­te­punkt Gold­berg wird die fahr­ba­re Geschwin­dig­keit auf der Stre­cke von der­zeit 130 auf 180 bzw. stel­len­wei­se sogar auf 200 Stun­den­ki­lo­me­ter erhöht. Doch wes­halb geschieht eine Erhö­hung der Stre­cken­höchst­ge­schwin­dig­keit nicht auch zwi­schen Gold­berg und Böb­lin­gen? Bereits der vor­lie­gen­de 3. Gut­ach­ter­ent­wurf zum Ziel­fahr­plan Deutsch­land­takt zeigt, dass Kon­flik­te abseh­bar sind, obwohl hier nur bis 10 Züge pro Stun­de und Rich­tung und damit weni­ger Züge als im Ziel­kon­zept des Lan­des vor­ge­se­hen sind. Die Fern- und Regio­nal­zü­ge fah­ren schnel­ler (bis zu 200 Stun­den­ki­lo­me­ter) als die S‑Bahnen (bis zu 140 Stun­den­ki­lo­me­ter), die zudem in Gold­berg hal­ten. Bereits klei­ne Ver­spä­tun­gen von zwei Minu­ten wir­beln die Fahr­plä­ne ins­be­son­de­re der S‑Bahnen durch­ein­an­der. Zug­fol­gen von teil­wei­se drei bis vier Minu­ten sind zu knapp bemes­sen, da sich bereits gerin­ge Ver­spä­tun­gen unmit­tel­bar auf nach­fol­gen­de Züge über­tra­gen und so kei­ne aus­rei­chen­de betrieb­li­che Sta­bi­li­tät gewähr­leis­tet ist. Unter­schied­li­che Geschwin­dig­kei­ten und Hal­te­po­li­ti­ken ver­schär­fen die­ses Pro­blem, bei stei­gen­den Zug­zah­len auf zwei Glei­sen kann das nicht gut gehen.

Was erfor­der­lich wäre

Es braucht eine Vier­glei­sig­keit zwi­schen „Abzweig Mönchs­brun­nen“ und Böb­lin­gen. Der im Rah­men des “digi­ta­len Kno­ten Stutt­gart“ geplan­te ETCS-Aus­bau erhöht zwar die Kapa­zi­tät durch kür­ze­re Zug­fol­gen, löst aber nicht den Kon­flikt zwi­schen den ver­schie­de­nen Fahrt­ge­schwin­dig­kei­ten von Fern-/Re­gio­nal­ver­kehr und S‑Bahn. Beson­ders gro­ßes Kon­flikt­po­ten­ti­al zeigt sich hier im Bereich der Sta­ti­on Böblingen-„Goldberg“, wo hal­ten­de S‑Bahnen die Leis­tungs­fä­hig­keit der Stre­cke min­dern.                 Im Rah­men des Gäu­bahn­aus­baus soll die fahr­ba­re Stre­cken­ge­schwin­dig­keit für die Fern- und Regio­nal­zü­ge vom Hal­te­punkt Gold­berg bis Böb­lin­gen auf 160 Stun­den­ki­lo­me­ter, min­des­tens jedoch auf 140 Stun­den­ki­lo­me­ter, erhöht wer­den. Bis­lang ist die­ser Stre­cken­ab­schnitt mit 120 Stun­den­ki­lo­me­ter befahr­bar. Der­zeit ist unver­ständ­li­cher­wei­se nicht geplant, die vor­ge­se­he­ne Erhö­hung der Stre­cken­ge­schwin­dig­keit im Rah­men der bevor­ste­hen­den Bau­maß­nah­men umzu­set­zen. Dies ist nicht nach­voll­zieh­bar! Die Geschwin­dig­keits­er­hö­hung muss in einer gemein­sa­men Bau­pha­se mit umge­setzt wer­den. Alles ande­re hat eine zwei­te Sper­rung und damit eine erneu­te mas­si­ve Beein­träch­ti­gung für die Fahr­gäs­te auf der gesam­ten Stre­cke Stutt­gart – Sin­gen zur Fol­ge.

Sei­tens der Deut­schen Bahn sind die vor­ge­se­he­nen Bau­ab­läu­fe trans­pa­rent vor­zu­le­gen. Dabei ist auf eine mög­lichst kur­ze Beein­träch­ti­gung des Bahn­ver­kehrs auf der Gäu­bahn zu ach­ten. Mona­te­lan­ge Sper­run­gen sind mög­lichst zu ver­mei­den. Die Sperr­zeit ist zu nut­zen, um Sanie­rungs­ar­bei­ten auf der Gäu­bahn vor­zu­neh­men.