Preisexplosion im Bahnbau

24.07.2019

Höhere Preise – weniger Projekte – mehr Verschleiß

Die meist drin­gend not­wen­di­gen Bau­maß­nah­men im Schie­nen­netz ver­teu­ern sich teils explo­si­ons­ar­tig. Dies führt dazu, dass wegen des beschränk­ten Bud­gets weni­ger gebaut und mehr auf Ver­schleiß gefah­ren wird. Die Poli­tik muss han­deln.

Mit Abstand am dra­ma­tischs­ten sieht es bei den Brü­cken aus: Gegen­über dem Aus­gangs­jahr 2015 haben sich beim Brü­cken­bau­pro­gramm im Bestands­netz die Bau­prei­se mehr als ver­dop­pelt. Die Kos­ten des Brü­cken­erneue­rungs­pro­gramms, das ins­ge­samt 875 Bahn­brü­cken umfasst, haben sich dadurch um 1,2 Mil­li­ar­den Euro erhöht. Zwi­schen 2017 und 2018 sind die Kos­ten um 39 Pro­zent und damit mehr als in den Vor­jah­ren nach oben geschos­sen. Dabei sind Pla­nungs­kos­ten und Nach­trä­ge noch nicht berück­sich­tigt. Bei den ande­ren Gewer­ken lie­gen deut­lich gerin­ge­re Preis­stei­ge­run­gen vor. Erwäh­nens­wert ist noch der Ober­lei­tungs­bau mit einem jah­res­durch­schnitt­li­chen Plus von 10 Pro­zent.

Die Deut­sche Bahn (DB) reagiert auf die mas­si­ven Bau­preis­stei­ge­run­gen durch „Redu­zie­rung der Plan­men­gen“ in ande­ren Berei­chen, wie bei­spiels­wei­se der Oberbauerneuerung/Gleissanierung. Kurz­um: Weil die Bau­prei­se beim Ersatz alter Brü­cken durch die Decke gehen, kön­nen weni­ger Gleis­ki­lo­me­ter saniert wer­den.

Die Fol­ge wird in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf unse­re Anfra­ge ele­gant umschrie­ben: „Das Qua­li­täts­ni­veau (soll) durch einen erhöh­ten Instand­hal­tungs- und Tei­ler­neue­rungs­auf­wand gewähr­leis­tet“ wer­den. Im Klar­text heißt dies, dass wei­ter auf Ver­schleiß gefah­ren wird. Denn mit erhöh­ter Instand­hal­tung und Tei­ler­neue­rung lässt sich der Sub­stanz­ver­zehr am Ober­bau allen­falls etwas ver­zö­gern, aber nicht auf­hal­ten. Der Ersatz der Anla­ge wird damit nur wei­ter raus­ge­scho­ben. Die Wahr­schein­lich­keit von Lang­sam­fahr­stel­len durch Ober­bau­män­gel steigt und damit droht die Betriebs­qua­li­tät im Netz wei­ter zu sin­ken.

Was sind die Grün­de für die Kos­ten­sprün­ge? Wenig über­ra­schend, aber sicher zutref­fend, ver­weist die Bun­des­re­gie­rung auf die star­ke Nach­fra­ge nach Bau­leis­tun­gen und die hohe Aus­las­tung der bau­aus­füh­ren­den Unter­neh­men. Die „im Ver­gleich zum Stra­ßen- und Hoch­bau beson­ders hohen Anfor­de­run­gen an Tech­nik, Bau­durch­füh­rung und Finan­zie­rung bei Bahn­pro­jek­ten“ füh­re zu stei­gen­den Ange­bots­prei­sen. Ähn­lich wird es auch in einer ver­trau­li­chen Unter­la­ge der DB, die mir vor­liegt, beschrie­ben. Fol­ge, so die DB: Unter­neh­men, die zwi­schen Auf­trä­gen im Stra­ßen- und im Bahn­bau aus­wäh­len kön­nen, ent­schei­den sich meist für den Stra­ßen­bau. Die­ser ist ein­fa­cher umzu­set­zen. Dies zeigt sich auch in der rück­läu­fi­gen Anzahl von Ange­bo­ten auf Aus­schrei­bun­gen durch die Deut­sche Bahn.

Mei­ne Bewer­tung und die aus mei­ner Sicht not­wen­di­gen Kon­se­quen­zen:

Die über­hitz­te Bau­wirt­schaft führt im Bereich Bahn­bau zu teils astro­no­mi­schen Preis­stei­ge­run­gen. Allein beim Brü­cken­bau­pro­gramm im Schie­nen­netz haben sich die Bau­prei­se seit 2015 mehr als ver­dop­pelt. Die Kos­ten bei den in der Sanie­rung befind­li­chen Bahn­brü­cken sind in vier Jah­ren um 1,2 Mil­li­ar­den Euro gestie­gen. Da das Bud­get des Bun­des für den Erhalt des Schie­nen­net­zes gede­ckelt ist, spart die Deut­sche Bahn not­ge­drun­gen bei der Gleis­er­neue­rung. Die Gefahr ist groß, dass durch die Ver­schie­bung von Gleis­sa­nie­run­gen Qua­li­tät und Ver­füg­bar­keit des Bahn­net­zes schnell absinkt. Kurz­um: Das Geld für den Erhalt reicht nicht aus und das Bahn­netz wird wei­ter auf Ver­schleiß gefah­ren. Wir for­dern Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er auf, dem Abbau des Sanie­rungs­staus im DB-Netz höchs­te Prio­ri­tät ein­zu­räu­men. Um Mond­prei­sen bei der Ver­ga­be von Bau­leis­tun­gen ent­ge­gen­zu­wir­ken, kann der Bund als Bau­herr im Ver­kehrs­we­ge­bau aktiv gegen­steu­ern. Der Neu­bau von Fern­stra­ßen muss sofort redu­ziert wer­den, was kli­ma­po­li­tisch ohne­hin über­fäl­lig ist. In den nächs­ten Jah­ren muss der Bund sei­ne Bau­frei­ga­ben für neue Stra­ßen­bau­pro­jek­te dras­tisch run­ter­fah­ren, um die Bau­preis­stei­ge­run­gen zu dämp­fen. Bekommt Scheu­er das Pro­blem nicht in den Griff, erhal­ten die Fahr­gäs­te immer ‘weni­ger Bahn’ für mehr Geld. Unter­las­se­ne Sanie­run­gen im Schie­nen­netz wer­den letzt­end­lich die Fahr­gäs­te durch län­ge­re Fahr­zei­ten und Ver­spä­tun­gen aus­ba­den müs­sen.

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