S‑Bahn-Misere: Bundesregierung interessiert sich nicht für Infrastruktur

S-Bahn327.04.2015 (auf Grund­la­ge einer Pres­se­er­klä­rung)

 

 

 

Ver­spä­tungs-Mise­re bei der S‑Bahn: Eine Initia­ti­ve der Grü­nen im Bun­des­tag stößt auf Des­in­ter­es­se der Bun­des­re­gie­rung. Der Bund ver­wei­gert die Ver­ant­wor­tung für sei­ne Bun­des­schie­nen­we­ge.

Aber: Die moder­ne Steue­rungs­tech­nik ETCS erhält für die S‑Bahn eine  posi­ti­ve Bewer­tung.

 

 

Die Pünkt­lich­keits­wer­te der S‑Bahn in der Regi­on Stutt­gart des Jah­res 2014 sind noch schlech­ter als die des Jah­res 2013. Beson­ders nega­tiv fällt auf, dass es vie­le Stö­run­gen im Bereich der Leit- und Signal­tech­nik gibt, wel­che zum Teil völ­lig ver­al­tet und unzu­rei­chend gewar­tet ist.

Laut VVS-Stö­rungs­mel­der gab es im Jahr 2014 an mehr als 100 Tagen S‑Bahn-Aus­fäl­le. An rund 60 Tagen davon las­sen sich die­se Aus­fäl­le ein­deu­tig Pro­ble­men bei der Infra­struk­tur zuord­nen. Dies ergab eine Aus­wer­tung durch das Büro des grü­nen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mat­thi­as Gast­el aus Fil­der­stadt.

Die­se Stö­rungs­bi­lanz macht deut­lich: Die Deut­sche Bahn kann nicht mehr län­ger die Haupt­ver­ant­wor­tung für Ver­spä­tun­gen auf Per­so­nen im Gleis oder Luft­bal­lons in Ober­lei­tun­gen schie­ben.

Mat­thi­as Gast­el, der bahn­po­li­ti­scher Spre­cher sei­ner Frak­ti­on ist und sel­ber regel­mä­ßi­ger Nut­zer der S‑Bahnen, stellt fest: „Wir haben eine hef­ti­ge Infra­struk­tur­mi­se­re. Im letz­ten Jahr gab es fast jeden drit­ten Tag Aus­fäl­le bei der S‑Bahn. Und so geht es gera­de wei­ter. Vie­les ist hoff­nungs­los ver­al­tet und stör­an­fäl­lig. Es man­gelt an ste­ti­ger Instand­hal­tung und Instand­set­zung der Tech­nik. Das muss die Deut­sche Bahn jetzt end­lich ein­räu­men und kurz­fris­tig einen Plan vor­le­gen, was sie wann ange­hen wird. Dar­auf haben die Fahr­gäs­te ein Anrecht.“

Mat­thi­as Gast­el hat eine Anfra­ge an die Bun­des­re­gie­rung gestellt, in der er sich nach der Infra­struk­tur der S‑Bahnen in Deutsch­land erkun­digt hat. Bei den Ant­wor­ten fällt auf, dass die Bun­des­re­gie­rung wenig Inter­es­se an dem The­ma hat und sich am liebs­ten aus der Ver­ant­wor­tung steh­len möch­te. Mehr als die Hälf­te der Fra­gen beant­wor­tet die Bun­des­re­gie­rung nicht, obwohl der Bund laut Grund­ge­setz die Infra­struk­tur­ver­ant­wor­tung für das Schie­nen­netz hat.

„Ich fra­ge mich, wie es sein kann, dass der Bun­des­re­gie­rung kei­ne Anga­ben dazu vor­lie­gen, wann Glei­se, Wei­chen und Signal­tech­nik letzt­ma­lig begut­ach­tet wur­den! Sie fragt noch nicht ein­mal beim Bun­des­un­ter­neh­men Deut­sche Bahn nach. Offen­bar inter­es­siert es die Bun­des­re­gie­rung nicht, dass es teil­wei­se gra­vie­ren­de Infra­struk­tur­män­gel in bun­des­ei­ge­nen S‑Bahn-Net­zen gibt“, beklagt sich Mat­thi­as Gast­el.

Ein­deu­tig fal­len hin­ge­gen die Aus­sa­gen der Bun­des­re­gie­rung im Hin­blick auf einen Vor­schlag des Ver­kehrs­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts der Uni­ver­si­tät Stutt­gart aus. Die­ses hat­te vor­ge­rech­net, dass mit der moder­nen ETCS-Zug­si­che­rungs­tech­nik die Kapa­zi­tät der Schie­nen­stre­cken durch eine dich­te­re Zug­fol­ge erhöht wer­den kön­ne. Die Ver­spä­tungs­zei­ten könn­ten um bis zu 73 Pro­zent ver­rin­gert wer­den, so die Wis­sen­schaft­ler. Die Bun­des­re­gie­rung ant­wor­tet nun auf die Fra­gen der Grü­nen, die Vor­aus­set­zun­gen für ETCS-Geneh­mi­gun­gen lägen deutsch­land­weit vor. Und die Bun­des­re­gie­rung teilt die Auf­fas­sung, dass ETCS geeig­net ist, die Zuver­läs­sig­keit und die Pünkt­lich­keit der S‑Bahn-Sys­te­me zu erhö­hen.

„Jetzt soll­te schnell mit der kon­kre­ten Prü­fung und Pla­nung für den Ein­satz von ETCS in der Regi­on Stutt­gart begon­nen wer­den und die Finan­zie­rung muss geklärt wer­den. Die­ses Zug­si­che­rungs­sys­tem kann eine gro­ße Chan­ce für mehr Zuver­läs­sig­keit und Sta­bi­li­tät der S‑Bahnen dar­stel­len“, sagt Mat­thi­as Gast­el.

Hier ist die Klei­ne Anfra­ge mit­samt der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung nach­zu­le­sen: http://dserver.bundestag.btg/btd/18/045/1804591.pdf

 

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Kommentare zu “S‑Bahn-Misere: Bundesregierung interessiert sich nicht für Infrastruktur

  1. Lizzy-Belinde Jöckel Reply

    hier zeigt sich wie­der das ver­krus­te­te “Unter­neh­men” Deut­sche Bahn + Bun­des­re­gie­rung in sei­ner gan­zen Pracht. Und es hilft nur, immer wie­der die gan­ze Hand in die Wun­de zu legen und – ganz wich­tig – an die Öffent­lich­keit zu gehen. Denn wer kennt denn die soge­nann­ten Klei­nen Anfra­gen unse­rer klei­nen Oppo­si­ti­on?

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lie­be Liz,
      das Unter­neh­men braucht einen Eigen­tü­mer (den Bund), der sich für das Sys­tem Schie­ne und die Situa­ti­on der Infra­struk­tur inter­es­siert, auch mal kon­flikt­freu­dig ist und vor allem eine Lei­den­schaft dafür besitzt, mehr Ver­kehr auf die Schie­ne zu bekom­men. Von all dem sind wir lei­der weit ent­fernt.
      Vie­le Grü­ße, Mat­thi­as Gast­el

  2. Lizzy-Belinde Jöckel Reply

    ja, Mat­thi­as, das wür­de unter­neh­me­ri­sches, nach­hal­ti­ges und ino­va­ti­ves Den­ken und Han­deln vor­aus­set­zen… und das geht eben bei die­sem Fir­men­kon­strukt nicht. Wür­de aber auch nicht nach einem Bör­sen­gang der Bahn klap­pen. Denn dann wür­den mit Sicher­heit die Gewin­ne so dar­ge­stellt, dass der Kun­de (also wir) wie­der das Nach­se­hen hät­ten.
    LG Liz

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