Kleine Anfrage: Situation im Fernbusverkehr

Kleine Anfrage

der Abge­ord­ne­ten Mat­thi­as Gast­el, Bea­te Mül­ler-Gemme­ke, Mar­kus Tres­sel, Corin­na Rüf­fer, Ste­phan Kühn (Dres­den), Dr. Vale­rie Wilms, Harald Ebner, Oli­ver Kri­scher, Chris­ti­an Kühn (Tübin­gen), Tabea Rös­ner und der Frak­ti­on BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Situation im innerdeutschen Fernbusverkehr

Anfang 2013 trat die Novel­le des Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­set­zes (PBefG) zur Libe­ra­li­sie­rung des Fern­bus­ver­kehrs in Kraft, nach­dem Fach­po­li­ti­ker der Bun­des­tags­frak­tio­nen aus Uni­on, SPD, FDP und Bünd­nis 90/Die Grü­nen nach jah­re­lan­gem Still­stand einen trag­fä­hi­gen Kom­pro­miss erar­bei­ten konn­ten. Damit ent­fiel das Fern­rei­se­mo­no­pol für den Schie­nen­ver­kehr. Ziel der Geset­zes­än­de­rung war es, den Ver­brau­chern zu ermög­li­chen, auch län­ge­re Distan­zen kos­ten­güns­tig und umwelt­freund­lich mit dem Bus zurück­zu­le­gen. Seit­dem hat der Fern­bus­ver­kehr eine dyna­mi­sche Ent­wick­lung genom­men. Laut einer Stu­die des Ber­li­ner IGES-Insti­tuts im Auf­trag des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Omni­bus­un­ter­neh­men (BDO) hat die Zahl der inner­deut­schen Fern­bus­fahr­ten, die durch­schnitt­lich pro Woche ange­bo­ten wer­den, seit Beginn der Libe­ra­li­sie­rung um 230 Pro­zent zuge­nom­men (Tages­spie­gel, 16.12.2013). Die am 05.02.2014 ver­öf­fent­lich­ten Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts, die ledig­lich von einer Fahr­gast­zu­nah­me von 19,2 Pro­zent auf drei Mil­lio­nen Fahr­gäs­te im Jahr 2013 aus­ge­hen, sind hin­ge­gen ver­zerrt, da sie die Zah­len der neu gegrün­de­ten Unter­neh­men noch nicht berück­sich­ti­gen. Allein der Markt­füh­rer MeinFernbus.de, der einen Markt­an­teil von rund 40 Pro­zent hat, konn­te 2013 rund 3 Mio. Fahr­gäs­te begrü­ßen. Lang­fris­tig wird erwar­tet, dass bis zu 10 Pro­zent aller Rei­sen­den den Fern­li­ni­en­bus nut­zen wer­den (IGES Stu­die 2013). Auf ein­zel­nen nach­fra­ge­star­ken Stre­cken rech­net das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur sogar mit bis zu 25 Pro­zent (http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/fernbusse-in-deutschland-die-asphalt-pioniere,10808230,23645122.html).

Ange­sichts der erfolg­rei­chen Ent­wick­lung im Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr sind eini­ge wich­ti­ge Fra­gen noch unge­klärt. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Zustän­dig­keit für eine ange­mes­se­ne Infra­struk­tur und deren künf­ti­ge Finan­zie­rung sowie die Gewähr­leis­tung der Ver­kehrs­si­cher­heit.

In vie­len der ange­fah­re­nen Städ­te feh­len moder­ne Bus­bahn­hö­fe und eini­ge der vor­han­de­nen Ter­mi­nals, wie z.B. in Köln und Frankfurt/Main, sto­ßen ange­sichts der Ange­bots­aus­wei­tung bereits an ihre Kapa­zi­täts­gren­zen. Ande­re, wie bei­spiels­wei­se der Zen­tra­le Omni­bus Bahn­hof (ZOB) in Ber­lin, sind ver­al­tet. Zahl­rei­che Hal­te­stel­len sind zu klein und ver­fü­gen nicht über grund­le­gen­de Ser­vice­ein­rich­tun­gen wie z.B. Sitz­ge­le­gen­hei­ten mit Wet­ter­schutz und Toi­let­ten. Zudem sind vie­le Hal­te­punk­te des Fern­bus­ver­kehrs nicht opti­mal an den öffent­li­chen Nah­ver­kehr ange­schlos­sen und kön­nen nicht bar­rie­re­frei genutzt wer­den.

Um die Ver­kehrs­si­cher­heit für die Rei­sen­den und die Fah­re­rin­nen und Fah­rer zu gewähr­leis­ten, sind der Zustand der Fahr­zeu­ge, die sicher­heits­tech­ni­sche Unter­wei­sung der Fahr­gäs­te sowie die Ein­hal­tung der Lenk- und Ruhe­zei­ten durch das Fahr­per­so­nal von beson­de­rer Bedeu­tung. Laut einem Bericht der Han­no­ver­schen Zei­tung vom 19. Janu­ar 2014 wur­den bei einer groß ange­leg­ten Kon­trol­le des Zen­tra­len Ver­kehrs­diens­tes am ZOB Han­no­ver umfang­rei­che Ver­stö­ße fest­ge­stellt, die fast alle auf den neu­en inner­deut­schen Fern­ver­kehr ent­fie­len.

 

Wir fra­gen die Bun­des­re­gie­rung:

A Marktentwicklung/Evaluation

Wie bewer­tet die Bun­des­re­gie­rung die Ent­wick­lung am inner­deut­schen Fern­bus­markt ein Jahr nach Inkraft­tre­ten der Geset­zes­än­de­rung zur Dere­gu­lie­rung des Fern­bus­ver­kehrs?

  1. Wel­che Stu­di­en- und Eva­lua­ti­ons­er­geb­nis­se zur Ent­wick­lung am inner­deut­schen Fern­bus­markt lie­gen der Bun­des­re­gie­rung bereits vor bzw. wel­che sind ihr bekannt?
  2. Sind der Bun­des­re­gie­rung ers­te Sta­tis­ti­ken zur Zunah­me des Markt­an­teils, zur Zahl der ange­bo­te­nen Lini­en und Fahr­ten sowie zu den Fahr­gast­zah­len im Fern­bus­ver­kehr für das Jahr 2013 bekannt, die auch die neu­en Anbie­ter am Fern­bus­markt berück­sich­ti­gen? Falls ja, zu wel­chen Ergeb­nis­sen kom­men die­se? Falls nein, wann rech­net die Bun­des­re­gie­rung mit belast­ba­ren Ergeb­nis­sen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes oder ande­rer Insti­tu­tio­nen?
  3. Sind der Bun­des­re­gie­rung Unter­su­chungs­er­geb­nis­se zur Netz­ab­de­ckung des Fern­li­ni­en­bus­ver­kehrs bekannt und falls ja, wel­che Schlüs­se las­sen die­se beim jet­zi­gen Erkennt­nis­stand zu?
  4. Wie vie­le Geneh­mi­gun­gen im Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr wur­den seit Inkraft­tre­ten der Geset­zes­än­de­rung zum Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr erteilt und wie vie­le sind momen­tan noch anhän­gig?
  5. Wel­che struk­tur­schwa­chen Regio­nen im länd­li­chen Bereich pro­fi­tie­ren nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung von den neu­en Fern­bus­hal­ten und Direkt­ver­bin­dun­gen?
  6. Wel­che Regio­nen, die von den neu­en Fern­bus­hal­ten und Direkt­ver­bin­dun­gen pro­fi­tie­ren, sind nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung von Fahr­gast­rück­gän­gen im Schie­nen­ver­kehr betrof­fen?
  7. Wel­che tou­ris­ti­schen Desti­na­tio­nen pro­fi­tie­ren nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung von den neu­en Fern­bus­hal­ten und Direkt­ver­bin­dun­gen?
  8. Wel­che Erkennt­nis­se über die sozia­le Zusam­men­set­zung der Nut­zer­grup­pen (z. B. Alters- und Berufs­grup­pen, Allein­rei­sen­de, Klein- und Groß­grup­pen, Fami­li­en) des Fern­li­ni­en­bus­ver­kehrs lie­gen der Bun­des­re­gie­rung vor?
  9. Für wel­che Zwe­cke (z. B. Geschäfts­rei­sen, Pen­deln im Berufs­ver­kehr, Urlaubs- oder Wochen­end­fahr­ten) haben die Rei­sen­den den Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung genutzt?

 

B Bereitstellung und Finanzierung der Infrastruktur

In wel­chem Umfang sind nach Ansicht der Bun­des­re­gie­rung die Betrei­ber des Fern­li­ni­en­bus­ver­kehrs für den Bau, Betrieb und Erhalt einer ver­kehrs­si­che­ren und kun­den­freund­li­chen Infra­struk­tur für den Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr ver­ant­wort­lich?

  1. In wel­chem Umfang sind nach Ansicht der Bun­des­re­gie­rung die Kom­mu­nen bzw. die Bun­des­län­der für den Aus- und Neu­bau von Fern­bus­bahn­hö­fen und Hal­te­stel­len sowie deren Betrieb und Erhalt zustän­dig und wel­che Mit­tel soll­ten dafür ein­ge­setzt wer­den?
  2. Inwie­weit plant die Bun­des­re­gie­rung die Bereit­stel­lung von Bun­des­mit­teln, um den Neu- und Aus­bau der Fern­bus­in­fra­struk­tur zu unter­stüt­zen?
  3. Wer betreibt nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung die 53 vor­han­de­nen Bus­bahn­hö­fe, die gemäß EU-Ver­ord­nung Num­mer 18/2011 über die Fahr­gast­rech­te im Kraft­om­ni­bus­ver­kehr über Abfer­ti­gungs­schal­ter, War­te­räu­me und Fahr­schein­schal­ter ver­fü­gen (vgl. Bun­des­tags­druck­sa­che 17/14446) und wel­che Finan­zie­rungs­mo­del­le kom­men dabei zu Anwen­dung?
  4. Wel­che der vor­han­de­nen Bus­bahn­hö­fe und wel­che wei­te­ren Fern­bus­hal­te­stel­len in Deutsch­land ver­fü­gen nach Infor­ma­tio­nen der Bun­des­re­gie­rung über eine leis­tungs­fä­hi­ge ÖPNV-Anbin­dung und aus­rei­chend Park­flä­chen für die An- und Abfahrt der Rei­sen­den zum Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr?
  5. In wel­chen der vor­han­de­nen Bus­bahn­hö­fe und wel­chen wei­te­ren Fern­bus­haltstel­len in Deutsch­land wer­den nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung den Rei­sen­den Fahr­gast­in­for­ma­tio­nen, sani­tä­re Anla­gen und Mög­lich­kei­ten zum Lebens­mit­tel­kauf zur Ver­fü­gung gestellt?
  6. Wie schätzt die Bun­des­re­gie­rung die Poten­tia­le des Fern­bus­ver­kehrs hin­sicht­lich sei­ner tou­ris­ti­schen Nutz­bar­keit ein?
  7. Wel­che Kom­mu­nen oder Land­krei­se sind der Bun­des­re­gie­rung bekannt, die bereits Fern­bus­hal­te­stel­len zur bes­se­ren Erreich­bar­keit bestimm­ter tou­ris­ti­scher Desti­na­tio­nen geschaf­fen haben?
  8. Wel­che Akti­vi­tä­ten unter­nimmt die Bun­des­re­gie­rung der­zeit, um eine tou­ris­ti­sche Nutz­bar­keit der Fern­bus­li­ni­en deutsch­land­weit zu koor­di­nie­ren?

 

C Verkehrssicherheit

Wel­che Mini­mal­stan­dards für die Aus­stat­tung von Hal­te­stel­len und Bus­bahn­hö­fen des Fern­li­ni­en­bus­ver­kehrs hält die Bun­des­re­gie­rung für erfor­der­lich?

  1. Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen sind aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung erfor­der­lich, um die Ver­kehrs­si­cher­heit der Rei­sen­den ins­be­son­de­re an stark fre­quen­tier­ten Bus­bahn­hö­fen und Hal­te­stel­len des Fern­bus­ver­kehrs sicher­zu­stel­len? Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen sind aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung ins­be­son­de­re erfor­der­lich, um Fahr­gäs­te und Fahr­per­so­nal beim fahr­bahn­sei­ti­gen Ein- und Aus­la­den zu schüt­zen?
  2. In wel­cher Form wird die Bun­des­re­gie­rung in den nächs­ten Jah­ren Zwi­schen­er­geb­nis­se zur Ein­hal­tung der Arbeits- und Sozi­al­be­din­gun­gen vor­stel­len, bevor sie gemäß Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz (PBefG) im Jahr 2017 in einem ers­ten Bericht zu den Aus­wir­kun­gen der Libe­ra­li­sie­rung am Fern­bus­markt Stel­lung nimmt?
  3. Wie bewer­tet die Bun­des­re­gie­rung die For­de­rung des Ver­ban­des der Bus­un­ter­neh­mer (BDO) nach einer Fle­xi­bi­li­sie­rung der Vor­schrif­ten bei den Lenk- und Ruhe­zei­ten im Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr?
  4. Wie vie­le Fah­re­rin­nen und Fah­rer ste­hen nach Infor­ma­tio­nen der Bun­des­re­gie­rung im inner­deut­schen Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr unter Ver­trag?
  5. Wie gewähr­leis­ten die Bus­un­ter­neh­men die Ein­hal­tung der Lenk- und Ruhe­zei­ten und sind der Bun­des­re­gie­rung Ver­stö­ße dage­gen bekannt und wenn ja, in wel­chem Umfang?
  6. Wie häu­fig wur­den im Jahr 2013 Kon­trol­len der digi­ta­len Kon­troll­ge­rä­te (Fahr­ten­schrei­ber) und der Fah­rer­kar­te durch das Bun­des­amt für Güter­ver­kehr durch­ge­führt und wie oft kam es dabei zu Bean­stan­dun­gen? Wor­in lagen die­se Bean­stan­dun­gen?
  7. Wel­che Erkennt­nis­se lie­gen der Bun­des­re­gie­rung dar­über vor, ob und in wel­chem Umfang die Fah­re­rin­nen und Fah­rer im Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr an spe­zi­el­len Fahr­si­cher­heits­trai­nings teil­neh­men?
  8. Sieht die Bun­des­re­gie­rung Hand­lungs­be­darf bei den sozia­len Stan­dards für die Fah­re­rin­nen und Fah­rer und/oder die Sicher­heit der Fahr­gäs­te?
  9. Mit wel­chen Rück­hal­te­sys­te­men müs­sen die Fern­li­ni­en­bus­se aus­ge­stat­tet sein?
  10. Kom­men die Fah­re­rin­nen und Fah­rer nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung ihrer Infor­ma­ti­ons­pflicht über die Anschnall­pflicht aus­rei­chend nach und wie wird dies kon­trol­liert?
  11. In wel­cher Form wird nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung über­prüft, ob die in Deutsch­land ver­keh­ren­den Fern­li­ni­en­bus­se über geeig­ne­te Infor­ma­ti­ons­sys­te­me ver­fü­gen, die den Fahr­gäs­ten anzei­gen, wann Sicher­heits­gur­te anzu­le­gen sind?

 

D Wettbewerbseffekte

Wel­che Erkennt­nis­se hat die Bun­des­re­gie­rung zur Fahr­gast­ent­wick­lung auf Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cken der DB AG, auf Stre­cken des IC-Ver­kehrs und des Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs (SPNV), die par­al­lel von Fern­bus­li­ni­en bedient wer­den?

  1. Wie bewer­tet die Bun­des­re­gie­rung die Aus­sa­ge des DB-Vor­stan­des Per­so­nen­ver­kehr Ulrich Hom­burg, dass auf eini­gen Neben­stre­cken der DB AG deut­li­che Kan­ni­ba­li­sie­rungs­ef­fek­te zu erwar­ten sei­en (Spie­gel Online, 21.6.2013?
  2. Befürch­tet die Bun­des­re­gie­rung, dass die Deut­sche Bahn AG (DB AG) auf Stre­cken, die mit Bus-Lini­en des DB-Kon­zerns (BEX, IC-Bus-Ver­kehr) bedient wer­den bzw. künf­tig bedient wer­den sol­len, ihr Fern­ver­kehrs­an­ge­bot auf der Schie­ne aus­dünnt? Falls nicht, was spricht aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung dage­gen?
  3. Ist der Bun­des­re­gie­rung bekannt, ob die DB AG auf Stre­cken­ab­schnit­ten, die beson­ders von der Kon­kur­renz durch den Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr betrof­fen sind, ihr Kon­tin­gent an Spar­preis­an­ge­bo­ten aus­ge­wei­tet hat?
  4. Wie beur­teilt die Bun­des­re­gie­rung die Gefahr der Quer­sub­ven­tio­nie­rung im Seg­ment des Fern­li­ni­en­bus­ver­kehrs durch die DB AG, die sich zu 100 Pro­zent im Eigen­tum des Bun­des befin­det?
  5. Hält die Bun­des­re­gie­rung die bestehen­den Vor­ga­ben für aus­rei­chend, um eine fai­re Ver­ga­be der Hal­te­stel­lens­lots zu gewähr­leis­ten? Falls nein, wel­che Maß­nah­men plant die Bun­des­re­gie­rung, um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen beim Zugang zur Infra­struk­tur zu gewähr­leis­ten?

 

E Wegekosten

Wie bewer­tet die Bun­des­re­gie­rung die Stu­die des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) aus dem Jahr 2009 „Wege­kos­ten und Wege­kos­ten­de­ckung des Stra­ßen- und Schie­nen­ver­kehrs in Deutsch­land im Jah­re 2007“, die zu dem Schluss kommt, der deut­sche Fern- und Rei­se­bus­ver­kehr decke voll­um­fäng­lich sei­ne Wege­kos­ten?

  1. Plant die Bun­des­re­gie­rung eine Maut für Omni­bus­se im Fern­li­ni­en­bus­ver­kehr mit einer Kom­pen­sa­ti­on für im Inland zuge­las­se­ne Omni­bus­se ana­log zu den Pkw-Maut-Plä­nen? Falls nein, wie­so sol­len Omni­bus­se maut­frei blei­ben, wenn alle ande­ren land­ge­bun­de­nen For­men der Per­so­nen­be­för­de­rung zur Nut­zer­fi­nan­zie­rung bei­tra­gen sol­len?

 

F Barrierefreiheit

Wel­che der vor­han­de­nen Bus­bahn­hö­fe und wel­che wei­te­ren Fern­bus­hal­te­stel­len in Deutsch­land sind nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung bar­rie­re­frei zu nut­zen?

  1. Wel­che tech­ni­schen Stan­dards für die Bar­rie­re­frei­heit im Fern­bus­ver­kehr (Bus­se und
    Ter­mi­nals) wur­den bereits ent­wi­ckelt, und wel­che wer­den sich künf­tig aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung durch­set­zen? Plant die Bun­des­re­gie­rung, ent­spre­chen­de For­schungs­pro­jek­te zu initi­ie­ren oder zu för­dern?
  2. Wie erfolgt die Betei­li­gung der Behin­der­ten­ver­bän­de und deren Fach­ex­per­ten in den jewei­li­gen Pla­nungs­stu­fen, um mit­tel­fris­tig die voll­stän­di­ge Bar­rie­re­frei­heit im Fern­bus­ver­kehr zu errei­chen?
  3. Wel­che Betrei­ber bie­ten bereits jetzt fahr­plan­mä­ßig den Ein­satz bar­rie­re­frei­er Bus­se an, und bei wel­chen ist der Ein­satz bar­rie­re­frei­er Bus­se auf kon­kre­ten Fahr­ten nach Vor­anmel­dung mög­lich? Bie­ten die ent­spre­chen­den Anbie­ter letz­te­res für alle von ihnen betrie­be­nen Lini­en an?
  4. Ist die unent­gelt­li­che Mit­nah­me einer Begleit­per­son für Men­schen mit ent­spre­chen­dem Merk­zei­chen im Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis auf allen Fern­bus­li­ni­en mög­lich, oder wur­den Aus­nah­men geneh­migt?

 

Ber­lin, den 11.02.2014

Kat­rin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hof­rei­ter und Frak­ti­on

 

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Kommentare zu “Kleine Anfrage: Situation im Fernbusverkehr

  1. Helga Teutsch Reply

    Ehr­lich gesagt, bin ich kein Freund von Pri­va­ti­sie­run­gen.
    Je mehr Unter­neh­men sich an der Per­so­nen­be­för­de­rung betei­li­gen, des­to schwie­ri­ger wird es für die Bür­ger, die Stre­cken­net­ze und – ver­bin­dun­gen zu durch­schau­en.
    Die Personenbeförderung,Wasser,Strom,Krankenhäuser,Post… gehö­ren zur Grund­ver­sor­gung und dürf­ten nie­mals pri­va­ti­siert wer­den!
    Bekommt man durch die neu­en Fern­ver­kehr­om­ni­bus­li­ni­en nicht noch mehr Schwie­rig­kei­ten,
    wenn selbst bis heu­te noch nicht ein­mal alle Bahn­hö­fe bar­rie­re­frei gestal­tet sind?
    Es wäre mei­ner Mei­nung nach sinn­vol­ler, den Schie­nen­ver­kehr samt Bahn­hö­fe und die bis­her bestehen­den Bus­bahn­hö­fe auf den neu­es­ten Stand zu brin­gen und die staat­li­chen Gel­der hier­für zu ver­wen­den.
    War­um schafft man hier Kon­kur­renz zur Schiene,die viel umwelt­freund­li­cher ist?
    Auch tut es mir leid, wenn Bahn­hö­fe ein­fach so ver­kauft bzw. pri­va­ti­siert werden.Dafür wer­den Gel­der für unsin­ni­ge Dinge,wie z.B. die “Gestal­tung von Ver­kehrs­krei­seln” aus­ge­ge­ben, die nicht immer gera­de vor­teil­haft für den Omni­bus­nah­ver­kehr sind.

    Vie­le Grü­ße aus B.-W.
    Hel­ga Teutsch

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­te Frau Teutsch,
      dan­ke für Ihren Kom­men­tar.
      In der Sache muss ich Ihnen wider­spre­chen: Bei der Libe­ra­li­sie­rung des Fern­bus­mark­tes han­delt es sich um kei­ne “Pri­va­ti­sie­rung”. Die Libe­ra­li­sie­rung hat viel­mehr ein Mobi­li­täts­an­ge­bot ermög­licht, das es zuvor nahe­zu gar nicht gab. Vie­le der neu­en Fern­bus­ver­bin­dun­gen sind auf Stre­cken­re­la­tio­nen ent­stan­den, die von der Bahn nicht bedient wer­den oder auf denen die Schie­nen­ka­pa­zi­tä­ten stark begrenzt sind. Und dort, wo die Fern­bus­se tat­säch­lich in direk­ter Kon­kur­renz zum Sys­tem Schie­ne ste­hen, kön­nen sie dazu bei­tra­gen, dass sich auch dort neue, kun­den­ori­en­tier­te Ange­bo­te wei­ter ent­wi­ckeln. Ers­te Erfah­run­gen mit den Fern­bus­sen deu­ten dar­auf hin, dass die­se von vie­len Men­schen genutzt wer­den, deren Alter­na­ti­ve nicht die Bahn, son­dern das Auto gewe­sen wäre. Die­se Ent­wick­lung gilt es ihrer Dyna­mik wegen zu beob­ach­ten. Daher haben wir die Klei­ne Anfra­ge ver­fasst, füh­ren Dia­lo­ge mit Fern­bus­un­ter­neh­men und den Bahn­un­ter­neh­men und ver­an­stal­ten dem­nächst auch noch ein Fach­ge­spräch zum The­ma “Fern­bus­se”. Unse­re Posi­ti­on zum Aspekt, den Sie unter dem Stich­wort “Grund­ver­sor­gung” ange­spro­chen haben, ist: Die Infra­struk­tur (Stra­ße wie Schie­nen) gehö­ren in die öffent­li­che Hand. Dar­auf soll dann aber ein fai­rer Wett­be­werb statt­fin­den. Im Bereich des Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs funk­tio­niert dies bes­tens, ohne dass es für die Nut­ze­rin­nen kom­pli­ziert wird. Zum The­ma “Umwelt­freund­lich­keit”: Bah­nen und Bus­se sind hier­bei durch­aus ver­gleich­bar zu bewer­ten. Das The­ma “Bar­rie­re­frei­heit” ist auch für mich ein wich­ti­ges. Daher set­ze ich mich für bar­rie­re­freie Bahn­hö­fe und Züge ein, genau­so aber auch dafür, dass Fern­bus­termi­nals und Fern­bus­se bar­rie­re­frei genutzt wer­den kön­nen.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Ihr Mat­thi­as Gast­el

  2. P. Z. Reply

    Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

    gibt es zu die­sem Bericht bereits wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen bzw. Anw­tor­ten?

    MfG, P.Z.

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