Die Spedition Diez GmbH in Dettingen/Teck ist auf den europaweiten Transport von Maschinen, Anlagen und Messeausstattung spezialisiert. Transportiert werden auch Überbreiten und ‑höhen (teilweise Schwergut), für die Sondergenehmigungen erforderlich sind. Dafür stehen der Spedition 60 eigenen Lastwagen zur Verfügung. Auf weitere 3.000 Lastwagen von Partnern kann zurückgegriffen werden. Zur Kundschaft gehören die Automobil‑, Baustoff- und Maschinenbauindustrie. Zudem werden den Kunden Lagerflächen angeboten. Das in dritter Generation geführte Unternehmen hat 120 Beschäftigte, wobei der Großteil zum Fahrpersonal gehört.
Das alles hätte schon interessant genug gewesen sein können für einen Besuch im Unternehmen. Ich war ja aber vorletztes Jahr bereits dort, siehe https://www.matthias-gastel.de/herausforderungen-in-der-strassenlogistik/ Schwerpunkt unseres Besuchs, den ich gemeinsam mit meinem Landtagskollegen Andreas Schwarz vornahm, war diesmal die Umstellung der Logistik auf Elektromobilität. Im Herbst war ein „Solar Truck Charge Port“ in Betrieb genommen worden. Dabei handelt es sich um einen Ladepark für E‑Lkw mit dem nach Unternehmensangaben weltweit größten freitragenden Solardach (70 Meter Spannweite, 13 Meter Höhe), das die E‑Ladefläche vor Wind und Wetter schützt. Die 2.600 Quadratmeter große Fläche ist frei von störenden Pfeilern und somit komplett zugänglich für Lkw. Der Ladepark ist mit 3 Alpitronic Hyperchargern ausgestattet, die jeweils eine Ladeleistung von 400 kW haben. An jeder dieser 3 Schnellladesäulen können 2 LKW gleichzeitig geladen werden. Diez hatte das Glück, dass keine Aufstockung beim vorhandenen Leitungsnetz erforderlich war. Für die Zukunft ist eine zweite Ausbaustufe geplant, die ab 2027 bis zu 15 Ladepunkte umfassen könnte. Zweite Besonderheit: Diez stellt den Ladepark für die Lastwagen anderer Unternehmen zur Verfügung. Dem Fahrpersonal stehen Toiletten und Duschen zur Verfügung. Eine glückliche Fügung ist, dass sich direkt neben dem Ladepark ein kleines gastronomisches Angebot sowie ein Supermarkt befinden. Die Idee: Tagsüber laden Fremdfirmen ihre LKW, nachts werden die eigenen Lastwagen geladen. Es wird dynamisch geladen. Dies bedeutet: Schnell, wenn Eile geboten ist. Langsam und zeitlich flexibel nach Stromangebot und ‑preis, wenn die Lkw einige Stunden stehen.
Der Strom, der nicht vom Solardach kommt, wird an der Strombörse in Leipzig eingekauft.
Das Unternehmen hat sich seine zwei ersten E‑Lkw angeschafft. Es handelt sich um Mercedes-Benz eActros 600-Modelle, die nach Herstellerangaben mit einer Stromladung eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern schaffen und nach den ersten Erfahrungen in der Praxis eher 600 Kilometer. Vom Fahrpersonal gibt es gute Rückmeldungen. Für die Akkus wird eine Leistung von 1,2 Millionen Kilometer garantiert. Fünf weitere E‑Lkw werden folgen eventuell im ersten Halbjahr 2026.
Wir sprachen auch über die wirtschaftliche Lage, den oft als unfair wahrgenommenen Wettbewerb mit ausländischen Wettbewerbsunternehmen (unzureichende Kontrollen der Bestimmungen) sowie über den Fachkräftemangel beim Fahrpersonal.
Quellen: Homepage des Unternehmen, Stuttgarter Zeitung vom 20.09.2025 und das Gespräch vor Ort.
