Stralsund Hbf. – Bahnhof des Jahres 2016

21.12.2016stralsund-1

Der Vorzeigebahnhof

Ein Bünd­nis rund um die „Alli­anz Pro Schie­ne“ zeich­net jähr­lich den „Bahn­hof des Jah­res aus. Im Jahr 2016 wur­den die Bahn­hö­fe Stral­sund und Stein­heim (West­fa­len) aus­ge­zeich­net. Den Bahn­hof in Stral­sund habe ich mir näher ange­schaut.

Es ist ein trü­ber Tag Ende Dezem­ber, an dem ich nach Stral­sund fah­re. Knapp über drei Stun­den ist man von Ber­lin aus unter­wegs. Der ICE bringt auf die­ser Stre­cke gegen­über dem Regio­nal­ex­press kaum Zeit­vor­tei­le.

Durch die Beschrei­bung des Bahn­ho­fes durch die Alli­anz bin ich aber schon gut vor­be­rei­tet. Das Emp­fangs­ge­bäu­de, erbaut zwi­schen 1903 und 1905 gebe die typisch nord­deut­sche Lebens­art wider, bei der das Soli­de mehr zäh­le als Protz und Prunk. Ein wenig zurück­ge­nom­men und doch selbst­be­wusst im aller­bes­ten Sin­ne erfül­le der Bahn­hof eine ganz bestimm­te Gelas­sen­heit, die Orts­frem­de als Vor­bo­te der nahen Ost­see wahr­neh­men. Wie ich als eben einer die­ser Orts­frem­de den Bahn­hof und sein Umfeld wohl wahr­neh­me, über­le­ge ich mir wäh­rend der Anrei­se. Dass neben der Archi­tek­tur des Gebäu­des der gas­tro­no­mi­sche Bereich und die Qua­li­tät und die Freund­lich­keit des Sicher­heits­per­so­nals beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den weiß ich bereits. Eben­so ist mir die ver­kehr­li­che Bedeu­tung des nörd­lichs­ten Kno­ten­punk­tes in Deutsch­land an der Ver­bin­dungs­stre­cke zwi­schen Ber­lin und Stock­holm und mit Direkt­an­bin­dun­gen nach Ham­burg, Frank­furt, Stutt­gart, Karls­ru­he, Mün­chen bekannt – und natür­lich nach Rügen. Und dass täg­lich 6.300 Rei­sen­de die 130 ankom­men­den und abfah­ren­den Züge nut­zen ließ sich auch im Vor­feld mei­nes Besu­ches able­sen.

stralsund-4Ich nähe­re mich dem Bahn­hof, vor­bei an einem Gewer­be­ge­biet, das schon bes­se­re Zei­ten gese­hen haben muss und vor­bei an zer­fal­le­nen Lok­schup­pen. Der Zug bremst schon früh ab, um Minu­ten spä­ter in den Bahn­hof ein­zu­fah­ren. Die Bahn­hofs­be­sich­ti­gung woll­te ich zusam­men mit einem Bahn­ver­tre­ter vor­neh­men. Doch von dort kam trotz früh­zei­ti­ger und mehr­ma­li­ger Anfra­ge lei­der kei­ne Ant­wort. Auf dem Bahn­steig kommt uns aus­ge­stie­ge­nen Fahr­gäs­ten einer der Sicher­heits­leu­te ent­ge­gen, über die ich schon gele­sen hat­te, dass sie sich immer dort bli­cken las­sen, wo gera­de ein Zug ein­fährt. Zwi­schen den über­dach­ten Bahn­stei­gen und der Emp­fangs­hal­le ist ein groß­zü­gi­ges Glas­dach gespannt. Die Hal­le wirkt auf mich zunächst etwas düs­ter. Ein wenig erin­nert sie an den Bahn­hof in Lin­dau, nur grö­ßer. Mei­ne Bli­cke schwei­fen über die gro­ßen Wand­bil­der und hin­auf an das höl­zer­ne Decken­ge­bälk. Links und rechts sind – wie auch drau­ßen nahe der Bahn­stei­ge – Geschäf­te unter­ge­bracht. Außer­dem gibt es einen Schal­ter­raum der DB mit einer schön ver­zier­ten hohen Decke und einem mar­kan­ten Bahn­si­gnal als Schmuck­stück. Ich ver­las­se auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te die Hal­le ins Freie. Das Bahn­hofs­ge­bäu­de mit­samt sei­ner Neben­ge­bäu­de wur­de aus roten Zie­gel­stei­nen erbaut. Vor dem Haupt­ge­bäu­de war­ten Taxis auf Kund­schaft. Lin­ker­hand erbli­cke ich die „Bio-Insel“, ein Bio­la­den mit Restau­rant. Auch davon hat­te ich schon gele­sen. Mit Käse über­ba­cke­ner Gemü­se­auf­lauf mit Salat und Des­sert für 7,90 Euro. Da schla­ge ich zu. Nach dem Mit­tag­essen unter­neh­me ich eine zwei­te Bahn­hofs­in­spek­ti­on. Der Bahn­hof hat sechs Bahn­steig­glei­se, vier davon enden hier. Der Bahn­steig zwi­schen bei­den Durch­gangs­glei­sen ist über Trep­pen und Auf­zü­ge, die auf­fal­lend klein und für Fahr­rä­der unge­eig­net sind, zu errei­chen. Bei mei­ner Ankunft völ­lig über­se­hen habe ich einen beheiz­ten War­te­raum, der zwi­schen Bahn­steig 1 und dem Emp­fangs­ge­bäu­de auf­ge­stellt wur­de. Und wie sieht es mit Toi­let­ten aus? Über eine stei­le Trep­pe ist eine gro­ße (kos­ten­pflich­ti­ge) WC-Anla­ge zu errei­chen. Ein WC für Men­schen mit Behin­de­rung befin­det sich eben­erdig in der Bahn­hofs­hal­le. Ich lau­fe in Stra­ßen­rich­tung aus dem Bahn­hofs­ge­bäu­de her­aus und sto­ße auf die gut ein­seh­ba­re Fahr­rad­ab­stell­an­la­ge. Etwa die Hälf­te der Flä­che ist über­dacht. Die Stell­plät­ze rei­chen offen­kun­dig nicht aus. Das hat­te auch schon der ADFC fest­ge­stellt. Irgend­et­was muss es ja zu bemän­geln geben, den­ke ich mir, als ich mei­ne Rück­fahrt antre­te.

Mein Fazit: Stral­sund ver­fügt über einen anspre­chen­den, gut gepfleg­ten Bahn­hof mit hoher Auf­ent­halts­qua­li­tät. Er stellt einen attrak­ti­ven Zugang zur Bahn dar.

 

 

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