Stuttgart 21 fünf Jahre nach dem Baubeginn: Ein Bummelzug mit zweifelhaftem verkehrlichen Nutzen

S 21 Januar 2015 Bild 2       Pres­se­er­klä­rung vom 31.01.2015, leicht über­ar­bei­tet am 02.02.2015

Vor fünf Jah­ren fand der offi­zi­el­le, sym­bo­li­sche Bau­be­ginn des Pro­jek­tes Stutt­gart 21 statt. Noch immer hat das Mil­li­ar­den­vor­ha­ben mit gra­vie­ren­den Pro­ble­men zu kämp­fen und über­zeugt nicht: Als ers­tes sind die Kos­ten des Pro­jek­tes zu nen­nen. Vor fünf Jah­ren waren sie bereits auf 4,5 Mrd. Euro gestie­gen. Heu­te geht die Vor­ha­ben­trä­ge­rin Deut­sche Bahn längst von 6,5 Mrd. Euro aus. „Wie hoch wer­den die Kos­ten noch stei­gen?“ fragt Mat­thi­as Gast­el, bahn­po­li­ti­scher Spre­cher sei­ner Frak­ti­on im Bun­des­tag. „Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist die Tat­sa­che, dass das Geld, wel­ches für Stutt­gart 21 aus­ge­ge­ben wer­den soll, an ande­ren Stel­len fehlt. Vie­le sinn­vol­le Vor­ha­ben, so zum Erhalt der Schie­nen-Infra­struk­tur, kön­nen nicht finan­ziert wer­den“, ärgert sich Mat­thi­as Gast­el. Zwei­tens feh­len immer noch meh­re­re ent­schei­den­de Bau­ge­neh­mi­gun­gen. Dazu gehö­ren der Fil­der­be­reich mit Flug­ha­fen­an­bin­dung sowie der Abstell­bahn­hof Unter­türk­heim. Mat­thi­as Gast­el, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der Grü­nen aus Fil­der­stadt, weist dar­auf hin, dass ins­be­son­de­re auf den Fil­dern zwi­schen Roh­rer Kur­ve und Fil­der­stadt auch mehr als zehn Jah­ren nach Ein­lei­tung des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens noch unklar ist, was wann geneh­migt wer­den kann und soll. Außer­dem ist die Nut­zung der S‑Bahn-Stre­cke zum Flug­ha­fen durch Züge der Gäu­bahn zeit­lich befris­tet bis 2035. Drit­tens sind die immer nach wie vor gra­vie­ren­den Zeit­ver­zö­ge­run­gen zu benen­nen. „Die Ver­ant­wor­tung dafür tra­gen nicht die Pro­jekt­kri­ti­ker son­dern die­je­ni­gen, die das Pro­jekt angeb­lich umset­zen wol­len“, sagt Mat­thi­as Gast­el. Der Abge­ord­ne­te frag­te jüngst die Bun­des­re­gie­rung nach der Per­so­nal­aus­stat­tung des Eisen­bahn­bun­des­am­tes (EBA), wel­ches für die Bau­ge­neh­mi­gun­gen der ein­zel­nen Abschnit­te von S 21 zustän­dig ist. Laut Aus­kunft der Bun­des­re­gie­rung ist die Per­so­nal­aus­stat­tung die glei­che wie vor fünf Jah­ren. Dar­aus wird deut­lich, dass es der Bund offen­kun­dig nicht beson­ders eilig mit S 21 hat. Vier­tens ver­dich­ten sich die Hin­wei­se auf Kapa­zi­täts­eng­päs­se im geplan­ten Tief­bahn­hof. Die­ser Bahn­hof wird ein Halt zum schnel­len Ein- und Aus­stei­gen. Die Züge wer­den die von heu­te 16 auf künf­tig nur noch acht Glei­se redu­zier­te Bahn­an­la­ge zügig für nach­fol­gen­de Züge frei machen müs­sen. Ein War­ten auf die Fahr­gäs­te ver­spä­te­ter Züge wird kaum mög­lich sein. Ein inte­gra­ler Takt­fahr­plan mit opti­mier­ten Umstei­ge­mög­lich­kei­ten ist unter die­sen Bedin­gun­gen nicht rea­li­sier­bar. Eng­päs­se wird es auch auf den Bahn­stei­gen geben, die durch zusätz­li­che Trep­pen- und Auf­zug­an­la­gen noch schmä­ler gewor­den sind. Mat­thi­as Gast­el bringt in die­sen Tagen eine Anfra­ge mit dem Titel „Bar­rie­re­frei­heit bei Stutt­gart 21“ in den Bun­des­tag ein. Zusam­men­fas­send lässt sich fest­hal­ten: „Fünf Jah­re nach dem sym­bo­li­schen Bau­be­ginn ist das Pro­jekt auf­grund man­gel­haf­ter Pla­nun­gen und vom Bund ver­schlepp­ter Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren noch immer im Bum­mel­zug­tem­po unter­wegs. Ver­kehr­lich kön­nen die Pla­nun­gen nicht über­zeu­gen“, so Mat­thi­as Gast­el. Neben den vie­len Pro­ble­men ist am Jah­res­tag aber auch zu erwäh­nen, dass die Pro­jekt­kri­ti­ker sehr viel erreicht haben. Es gibt ins­ge­samt mehr Trans­pa­renz und eine kri­ti­sche Öffent­lich­keit. Die Wahr­schein­lich­keit ist groß, dass ein Pro­jekt ver­gleich­bar schwa­cher Über­zeu­gungs­kraft nie wie­der und schon gar nicht auf die­se Art und Wei­se ange­gan­gen wird.

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