Sylt: Anbindung zeigt fürs deutsche Bahnnetz typische Engpässe auf

09.08.2020

Mitfahrt in Lok über Hindenburgdamm

Mit Sylt zeigt eine über­wie­gend auf dem Schie­nen­weg ange­bun­de­ne Insel, wie Wett­be­werb im Bahn­be­reich funk­tio­niert – und wo die Unzu­läng­lich­kei­ten der Infra­struk­tur in Deutsch­land lie­gen.

Noch vor der Fäh­re und dem Flug­zeug stellt die Bahn­an­bin­dung über den Hin­den­burg­damm den Haupt­zu­gang zur Insel dar. Gro­ße Tei­le der „237 Kilo­me­ter lan­gen Marsch­bahn zwi­schen Ham­burg-Alto­na und Wes­ter­land auf Sylt sind ein­glei­sig und nicht elek­tri­fi­ziert. Auf die­ser Stre­cke fin­det den­noch ein dich­ter – und dadurch ver­spä­tungs­an­fäl­li­ger – Bahn­ver­kehr statt. Die Elek­tri­fi­zie­rung endet in Itze­hoe. Fast drei Vier­tel der Gesamt­stre­cke ver­fügt also über kei­ne Ober­lei­tung. Im Bedarfs­plan des Bun­des (Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan) ist eine sol­che nicht vor­ge­se­hen. Schles­wig-Hol­stein strebt sie jedoch an und kann hier­für – unter Ein­satz von Eigen­mit­teln – über­wie­gend Mit­tel des Bun­des nach dem Gemein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (GVFG) nut­zen. Meh­re­re Abschnit­te sind nicht elek­tri­fi­ziert. Es fah­ren also Die­sel­zü­ge zwi­schen den rie­si­gen Wind­parks hin­durch.

Wie bereits erwähnt, kommt es häu­fig zu Ver­spä­tun­gen. Kurz­fris­tig sind Fahr­plan­an­pas­sun­gen denk­bar. Mit­tel­fris­tig könn­ten Block­ver­dich­tun­gen die Situa­ti­on ent­span­nen. Lang­fris­tig wird nur der Stre­cken­aus­bau hel­fen kön­nen. Der Bedarfs­plan sieht einen zwei­glei­si­gen Aus­bau zwi­schen Nie­büll und Klanx­büll (bei­des auf dem Fest­land gele­gen) sowie zwi­schen Tin­num und Mor­sum (Insel) vor. Dadurch lie­ße sich die Betriebs­qua­li­tät bereits deut­lich stei­gern.

Die Insel wird auf dem Schie­nen­weg durch die Deut­sche Bahn (rei­ne Per­so­nen- sowie Auto­zü­ge) und dem „blau­en Auto­zug Sylt“ des pri­va­ten Bahn­un­ter­neh­mens RDC[1] ange­bun­den. Seit Juli wird Sylt zusätz­lich durch einen Nacht­zug ange­bun­den, der eben­falls von RDC ver­ant­wor­tet wird. Der „Alpen-Sylt-Nacht­ex­press“ ver­kehrt an den Wochen­en­den mit zwei Zug­paa­ren zwi­schen Sylt und Salz­burg. Wei­te­re Hal­te gibt es in Ham­burg, Frank­furt, Nürn­berg und Mün­chen. Ich habe mir den Zug (das Wagen­ma­te­ri­al war frü­her für “Flix­train” unter­wegs) von innen ange­schaut und mit Unternehmensvertreter*innen gespro­chen. Eine ers­te Bilanz des Bahn­un­ter­neh­mens fällt posi­tiv aus.

Außer­dem konn­te ich in der Lok eines der RDC-Auto­zü­ge (600 Meter lang, bela­den mit Pkw und Lkw) über den Hin­den­burg­damm von Sylt aufs Fest­land mit­fah­ren und dabei mehr über die Ange­bo­te wie auch die infra­struk­tu­rel­len Pro­ble­me erfah­ren. So konn­te „mein“ Auto­zug erst mit einer Ver­spä­tung von etwa 25 Minu­ten star­ten, da noch eini­ge Aus­fahr­ten von rei­nen Per­so­nen­zü­gen abge­war­tet wer­den muss­ten. An den Aus­weich­stel­len auf der Stre­cke muss­te auf Gegen­zü­ge gewar­tet wer­den. Dafür war der Blick auf das Watt links und rechts des Bahn­damms spek­ta­ku­lär.

[1] Auf Aus­füh­run­gen dar­über, wie die Deut­sche Bahn sich gegen Wett­be­werb auf die­ser gewinn­träch­ti­gen Ver­bin­dung gewehrt hat und wel­che „Tricks“ sie hier­für ange­wandt hat, ver­zich­te ich an die­ser Stel­le. Die Sylt­ver­keh­re waren über Jah­re Dau­er­the­ma im Infra­struk­tur­aus­schuss der Bun­des­netz­agen­tur, dem ich ange­hö­re.

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