Textil- und Faserforschung in Denkendorf

01.03.2019

Besuch im Forschungszentrum DITF Denkendorf

Die ers­ten Wur­zeln hat das DITF (Deut­sche Insti­tu­te für Tex­til- und Faser­for­schung)

im Jahr 1855, als in Reut­lin­gen eine Web­schu­le gegrün­det wur­de. Als offi­zi­el­les Grün­dungs­jahr gilt 1921. Spä­ter kamen ein Prüf­amt und ein For­schungs­in­sti­tut hin­zu. Heu­te besteht DITF aus den drei For­schungs­be­rei­chen Tex­til­che­mie und Che­mie­fa­sern, Tex­til- und Ver­fah­rens­tech­nik sowie dem Manage­ment Rese­arch (Künst­li­che Intel­li­genz für bes­se­re Pass­for­men für Klei­dung). Gear­bei­tet wird „an allen tex­ti­len Zukunfts­the­men“, so ver­rät es die Home­page der Stif­tung des öffent­li­chen Rechts, die der Auf­sicht des Minis­te­ri­ums für Wirt­schaft, Arbeit und Woh­nungs­bau Baden-Würt­tem­berg unter­steht. Es besteht eine Anbin­dung an die Uni Stutt­gart und die Hoch­schu­le Reut­lin­gen. 300 Beschäf­tig­te arbei­ten in der For­schung und füh­ren häu­fig auch For­schungs­auf­trä­ge der Indus­trie, meist von klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men (KMU), aus.

Die Glas­fa­ser-Web­ma­schi­ne

Geforscht wird an hoch leis­tungs­fä­hi­gen neu­en Mate­ria­li­en, für die auch Mikro- und Nano­tech­no­lo­gie zum Ein­satz kom­men. Ein Bei­spiel sind Tex­ti­li­en mit funk­tio­nel­lem Mehr­wert, zum Bei­spiel für bestimm­te Berufs­spar­ten (Sicher­heits­klei­dung), kom­pres­si­ve Sport­tex­ti­li­en oder auch beschich­te­te Tex­ti­li­en für Out­door-Anwen­dun­gen. Bei letz­te­ren geht es auch dar­um, den Ein­satz umwelt­schäd­li­cher Sub­stan­zen zu redu­zie­ren oder zu erset­zen. Beson­ders inter­es­sant fin­de ich, dass es Klei­dungs­stü­cke, die über den Gesund­heits­zu­stand sei­nes Trä­gers Aus­kunft geben und not­wen­di­ge Reak­tio­nen aus­lö­sen. So kann ein T‑Shirt, das ein Lkw-Fah­rer trägt, der wäh­rend der Fahrt das Bewusst­sein ver­liert, das Abbrem­sen des Last­wa­gens und Her­an­fah­ren an den rech­ten Fahr­bahn­rand aus­lö­sen. Oder eine Feu­er­wehr­ja­cke kann Alarm schla­gen, wenn sein Trä­ger auf­grund des Ein­at­mens gif­ti­ger Gase Hil­fe braucht. Wegen der noch hohen Kos­ten befin­den sich die­se Tex­ti­li­en noch nicht im Regel­ein­satz.

„Tex­til“ ist jedoch weit mehr als Beklei­dung. Kon­kre­te Anwen­dungs­fel­der für Faser­ver­bund-Mate­ria­li­en, die wenig Gewicht auf die Waa­ge brin­gen und leicht zu for­men sind und sich im Auto­mo­bil­sek­tor wie­der­fin­den, sind: Ver­klei­dun­gen, Sit­ze und Pols­ter­flä­chen, faser­ba­sier­te Ver­bund­werk­stof­fe für den Leicht­bau, Car­bon­fa­sern aus nach­wach­sen­den Roh­stof­fen. Ein The­ma bei DITF ist das Recy­cling. Die­ses ist auch bei Car­bon mög­lich, wenn­gleich das Mate­ri­al danach für hoch­an­spruchs­vol­le Anwen­dun­gen wie in der Luft­fahrt nicht mehr ver­wen­det wer­den kann, wohl aber im Auto­mo­bil­bau.

Beim Rund­gang durch die Gebäu­de konn­te ich gro­ße Web­ma­schi­nen sehen, die Tex­til­mat­ten aus Glas­fa­ser und Car­bon fer­tig­ten. Anhand von Mus­tern konn­te ich Mate­ria­li­en ver­schie­dens­ter Fes­tig­kei­ten und Eigen­schaf­ten sehen. So kön­nen bei­spiels­wei­se kor­ro­si­ons­ge­fähr­de­te Metal­le durch stei­fe Car­bon­ma­te­ria­li­en ersetzt wer­den.

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