Thementag „Wirtschaften und Arbeiten in Baden-Württemberg“

2016_05_04_gastel_thementag_wirtschaft05.05.2016 – Ein Bericht

Der Mor­gen begann früh: Weil die Ter­mi­ne recht weit aus­ein­an­der­la­gen, hieß es um fünf Uhr auf­ste­hen. Mei­ne ers­te Sta­ti­on führ­te mich zum Bau­stoff-Recy­cling-Betrieb Feess in Kirch­heim unter Teck. Hier wer­den mine­ra­li­sche Abfäl­le zu Qua­li­täts-Recy­cling-Bau­stof­fen auf­be­rei­tet. 80 Pro­zent des Aus­gangs­ma­te­ri­als kann wie­der in den Roh­stoff­kreis­lauf zurück­ge­führt wer­den. Die Vor­tei­le: Natür­li­che Res­sour­cen wer­den eben­so geschont wie knap­per wer­den­de Depo­nie­flä­chen. Und es wer­den lan­ge Trans­port­we­ge ver­mie­den, was zusam­men mit ver­mie­de­nen Depo­nie­kos­ten wie­der­um ein kos­ten­güns­ti­ge­res Bau­en ermög­licht. Die recy­cel­ten Roh­stof­fe wie Kies und Sand wer­den als Fun­da­ment im Tief- und Hoch­bau oder für die Zement­her­stel­lung ver­wen­det. Erfah­run­gen aus der Schweiz, so Wal­ter Feess, zei­gen, dass etwa 90 Pro­zent der Beton­nach­fra­ge aus Recy­cling-Beto­nen abge­deckt wer­den kann. Selbst Bahn­schot­ter wird recy­celt, indem die Stei­ne erst (mit auf dem Gelän­de auf­ge­fan­ge­nen Regen­was­ser!) gewa­schen und ihnen dann wie­der die not­wen­di­gen Kan­ten für den fes­ten Halt der Bahn­kör­per zurück­ge­ge­ben wer­den. Feess

Ins­ge­samt 15 ver­schie­de­ne Qua­li­täts-Recy­cling-Pro­duk­te wer­den ange­bo­ten. Der Unter­neh­mer Feess ist von sei­nem Geschäft über­zeugt, man spürt sofort sei­ne Begeis­te­rung. Weni­ger begeis­tert ist er von der Poli­tik: Es sei extrem schwer, Stand­or­te für der­ar­ti­ge Recy­cling­be­trie­be zu fin­den. Dabei, davon ist er über­zeugt, soll­te alle 50 Kilo­me­ter ein sol­cher Roh­stof­fe auf­ar­bei­ten. Damit so wenig wie mög­lich davon ver­lo­ren geht.

 

Wei­ter ging es dann zu Ter­mi­nen in Hei­den­heim, bei denen mich u. a. der frisch gewähl­te MdL Mar­tin Grath beglei­te­te. Die Paul Hart­mann AG in Hei­den­heim ist eines der ältes­ten deut­schen Indus­trie­be­trie­be und pro­du­ziert Medi­zin- und Pfle­ge­pro­duk­te. Dazu zäh­len Ver­band­stof­fe, Pflas­ter, Wat­te, Inkon­ti­nenz­pro­duk­te, OP-Bedarfs­mit­tel und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel. Wir konn­ten uns die Pro­duk­ti­on, die aus Hygie­ne­grün­den teil­wei­se in Hal­len mit Über­druck erfolgt, bei einem Rund­gang anschau­en. Welt­weit sind über 10.000 Men­schen bei Hart­mann beschäf­tigt, eini­ge hun­dert davon am Stamm­sitz in Hei­den­heim, zu dem sich das Unter­neh­men aus­drück­lich auch für die Zukunft bekennt. Das Unter­neh­men mit einem Jah­res­um­satz von knapp zwei Mil­li­ar­den Euro ist in eini­gen Seg­men­ten in Deutsch­land Markt­füh­rer. Die Zel­lu­lo­se, die Hart­mann in rie­si­gen Men­gen benö­tigt, stammt aus den USA. Sie wird mit dem Schiff bis Rot­ter­dam, von dort mit dem Bin­nen­schiff bis Karls­ru­he und schließ­lich mit der Bahn ins Werk trans­por­tiert. Täg­lich rollt eine Zug­la­dung des Roh­stof­fes an.

Arbeitsagentur

Die Agen­tur für Arbeit Ost­alb ist für den Ost­alb­kreis und den Land­kreis Hei­den­heim ver­ant­wort­lich. In der Geschäfts­stel­le in Hei­den­heim haben wir uns mit den Geschäfts­füh­rern zum Gespräch getrof­fen. Der Land­kreis Hei­den­heim weist eine ver­gleichs­wei­se hohe Arbeits­lo­sen­quo­te von aktu­ell 5,6 Pro­zent (knapp 4.000 Per­so­nen, davon 2.150 im Rechts­kreis des SGB II) und einen unter­durch­schnitt­li­chen Auf­bau sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäf­ti­gung auf. Durch ent­spre­chen­de Pro­gram­me und inten­si­ve Hil­fen ist es gelun­gen, vie­le älte­re Arbeit­su­chen­de in Arbeit zu brin­gen. Bei den unter 25-jäh­ri­gen sowie Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund sieht die Situa­ti­on lei­der anders aus. Sie stel­len 26 bzw. 13 Pro­zent der Arbeits­lo­sen im Land­kreis. Fazit der Agen­tur: “Arbeits­lo­se pro­fi­tie­ren viel zu wenig von der guten wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung.” Die Lösungs­an­sät­ze aus Sicht der Arbeits­agen­tur: Nach­fra­ge­ori­en­tier­te Qua­li­fi­zie­rung, bewer­ber­ori­en­tier­te Ver­mitt­lungs­pro­zes­se, betrieb­li­che Wei­ter­qua­li­fi­ka­ti­on, Ver­ein­fa­chung der Mög­lich­kei­ten für akti­ve Arbeits­markt­po­li­tik. Damit ren­nen die Ver­ant­wort­li­chen der Arbeits­agen­tur bei uns Grü­nen offe­ne Türen ein.

Mein The­men­tag war damit zu Ende. Aber nicht mein Tag. Der ging näm­lich noch mit einem Vor­trags­ter­min in Pforz­heim wei­ter …

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