Thementage “Schiene, Binnenschiff und Lastenrad”

Thementage Güterverkehr02.08.2016

Thementage: „Schiene, Binnenschiff und Lastenrad – Mehr Güter auf alternative Transportmittel”

Dies­mal habe ich mei­ne Vor-Ort-Ter­mi­ne auf meh­re­re Tage ver­tei­len müs­sen, um die­se alle unter­zu­brin­gen. Es ging vom Schie­nen­gü­ter­ver­kehr über die Bin­nen­schiff­fahrt bis hin zum Ein­satz des Las­ten­ra­des.

Ers­te Sta­ti­on bei Velo­car­ri­er in Stutt­gart: Der Logis­tik­dienst­leis­ter lie­fert die Waren sei­ner gewerb­li­chen und pri­va­ten Kun­den im gesam­ten Stadt­ge­biet mit Las­ten­rä­dern aus. Neben der Zen­tra­le in Stutt­gart-West gibt es Depots für den Waren­um­schlag in Deger­loch, Cann­statt und Zuf­fen­hau­sen. 12 Las­ten­rä­der ste­hen momen­tan zur Ver­fü­gung. Kun­den sind Blu­men­händ­ler, Mode­ge­schäf­te, Elek­tro­fach­ge­schäf­te und wei­te­re Fir­men. Der Lebens­mit­tel­markt ist wegen der durch­ge­hend zu gewähr­leis­ten­den Kühl­ket­te schwie­ri­ger zu bedie­nen. Bei Bosch in Feu­er­bach wird die Werks­lo­gis­tik mit Las­ten­rä­dern unter­stützt. Für län­ge­re Stre­cken, die aus dem Stadt­ge­biet hin­aus füh­ren, wird mit der DPD koope­riert. Stand­or­te von Velo­car­ri­er gibt es auch u. a. in Tübin­gen und Ess­lin­gen. Wei­te­re sind bun­des­weit geplant. Das Unter­neh­men ist seit 20 Jah­ren am Markt, wenn­gleich ursprüng­lich mit Lkw und ver­mut­lich noch unter ande­rem Namen. Mit­te 2014 stieg es auf Las­ten­rä­der um. Als Pro­ble­me schil­dert der Geschäfts­füh­rer neben ein­zel­nen Män­geln in der Rad­ver­kehrs-Infra­struk­tur die Beschrän­kung der Leis­tung von E‑Bikes auf 250 Watt.

Der Ran­gier­bahn­hof in Mann­heim gehört der DB Net­ze AG und ist mit sei­ner Flä­che von 200 Hekt­ar der zweit­größ­te in Euro­pa. 3.000 bis 4.000 Wagen wer­den pro Tag abge­fer­tigt. Mit einer För­der­an­la­ge, die mein Gesprächs­part­ner für drin­gend erfor­der­lich hält, lie­ße sich die Men­ge auf 6.000 Wagen stei­gern. In Mann­heim wer­den Züge für län­ge­re Stre­cken gebil­det. Fünf bis sechs Züge mit ent­spre­chen­der Wagen­zahl fah­ren nach Ita­li­en, eine ähn­li­che Anzahl nach Frank­reich. Der Groß­teil der rund 100 Züge, die jeweils ein­ge­hen bzw. aus­ge­hen, hat jedoch sein Ziel inner­halb von Deutsch­land. Geplant sind Umbau­ten wie die Ver­län­ge­rung von Glei­sen und die Erneue­rung von Wei­chen. Die umge­schla­ge­nen Men­gen sind über die Jah­re hin­weg betrach­tet rela­tiv sta­bil. Ich konn­te mir, gemein­sam mit mei­nem Land­tags-Kol­le­gen Rau­fel­der, die Ver­wal­tung, das Gleis­feld und das Stell­werk anschau­en. Wir erhiel­ten dabei sehr genaue Ein­bli­cke in die Arbeits­wei­se eines Ran­gier­bahn­hofs, ins­be­son­de­re auch die Zug­bil­dung.

Euro­pa­weit an zwei­ter Stel­le steht nicht nur der Ran­gier­bahn­hof, son­dern auch der Bin­nen­ha­fen in Mann­heim. Auf sei­nem Gelän­de befin­den sich 500 Unter­neh­men mit ins­ge­samt 20.00 Arbeits­plät­zen. Im Hafen, der auf meh­re­re Stand­or­te ver­teilt ist, des­sen Groß­teil sich aber im Mün­dungs­be­reich zwi­schen Neckar und Rhein befin­det, wer­den pro Jahr acht Mil­lio­nen Ton­nen Fracht, dar­un­ter 120.000 Con­tai­ner, umge­schla­gen. Knapp 8.000 Schif­fe lau­fen ein und aus. Umge­schla­gen wer­den am häu­figs­ten fes­te mine­ra­li­sche Brenn­stof­fe (30 Pro­zent), Nah­rungs- und Fut­ter­mit­tel (20 Pro­zent) und Fahr­zeu­ge sowie Maschi­nen (10 Pro­zent). Der Hafen ver­fügt aus Umwelt­schutz­grün­den über eine LNG-Tank­stel­le (Flüs­sig­erd­gas) und fünf Land­strom­tank­stel­len, an denen vor allem Kreuz­fahrt­schif­fe anle­gen. Der Trend, so erklär­te uns der Hafen­di­rek­tor wäh­rend der Rund­fahrt durch den Hafen, gehe zu 135-Meter-Schif­fen. Klei­ne­re Schif­fe wür­den all­mäh­lich gänz­lich ver­schwin­den. Er hält daher eine Ver­län­ge­rung aller Schleu­sen ent­lang des Neckars auf die­se Län­ge für not­wen­dig.

Knapp 200 Güter­ver­la­de­stel­len will die Deut­sche Bahn ent­we­der schlie­ßen oder nicht mehr anfah­ren. Auf der Streich­lis­te stand auch die Güter­ver­la­de­stel­le in Otten­hö­fen. Gemein­sam mit mei­nem Land­tags­kol­le­gen Mar­wein habe ich die Fir­ma Wil­helm Boh­nert GmbH & Co. KG im Orten­au­kreis besucht. Sie betreibt einen gro­ßen Stein­bruch und bricht dort Gleis­schot­ter für die Deut­sche Bahn und wei­te­re Infra­struk­tur­un­ter­neh­men wie die Stutt­gar­ter Stra­ßen­bah­nen (SSB). Es wäre schon höchst pein­lich, wenn aus­ge­rech­net der Gleis­schot­ter per Lkw ange­lie­fert wer­den müss­te. Nach den öffent­li­chen Pro­tes­ten, die auch wir Grü­nen unter­stützt hat­ten, kam just am Tag unse­res Vor-Ort-Ter­mins die posi­ti­ve Nach­richt: Die Deut­sche Bahn hat sich ver­pflich­tet, die Ver­la­de­stel­le auch zukünf­tig anzu­die­nen. Boh­nert hat sich dafür bereit erklärt, eine Min­dest­men­ge an Fracht zu garan­tie­ren. Dann wird rund ein Vier­tel des ins­ge­samt am Stein­bruch abge­bau­ten Mate­ri­als auf der Schie­ne abtrans­por­tiert, per­spek­ti­visch noch mehr. So muss es lau­fen!

Die The­men­ta­ge schlos­sen in Offen­burg mit einem Gespräch über den Aus­bau der Rhein­tal­bahn, ins­be­son­de­re den Bau des sie­ben Kilo­me­ter lan­gen Offen­bur­ger Güter­zug­tun­nel. Mein Land­tags-Kol­le­ge Mar­wein und ich tra­fen uns dort mit Ver­tre­tern der Deut­schen Bahn, der Ober­bür­ger­meis­te­rin und dem Bau­bür­ger­meis­ter. Die DB stell­te uns die beglei­ten­den Gre­mi­en vor und erläu­ter­te detail­liert die Zeit­pla­nung, die sich bis zum Jahr 2035, dem geplan­ten Jahr der Fer­tig­stel­lung, erstreckt. Momen­tan läuft die euro­pa­wei­te Aus­schrei­bung für den Gene­ral­pla­ner. Auch die Auto­bahn­par­al­le­le, das 3. und 4. Gleis, das sich süd­lich an den Tun­nel anschlie­ßen wird, soll im Jahr 2035 in Betrieb gehen. Wir Grü­nen hof­fen auf eine früh­zei­ti­ge­re Fer­tig­stel­lung, da die Kapa­zi­tä­ten für den Güter­ver­kehr, aber auch für Ver­bes­se­run­gen im Per­so­nen­ver­kehr, drin­gend benö­tigt wer­den.

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