„Tour barrierefreie Mobilität“

13.06.2017

Mit Men­schen mit Behin­de­rung in sechs ver­schie­de­nen öffent­li­chen Ver­kehrs­sys­te­men unter­wegs

Mobi­li­tät ist die Vor­aus­set­zung für wirt­schaft­li­che und sozia­le Teil­ha­be. In einer Gesell­schaft mit immer mehr älte­ren Men­schen und Men­schen mit Behin­de­rung wer­den bar­rie­re­freie Rei­se­ket­ten immer wich­ti­ger. In Deutsch­land leben über zehn Mil­lio­nen Men­schen mit Behin­de­rung. Ihnen wer­den jedoch häu­fig Bar­rie­ren in den Weg gelegt. Bus­se und Bah­nen im Nah- wie im Fern­ver­kehr sind oft­mals – wenn über­haupt – ins­be­son­de­re für Men­schen im Roll­stuhl nur ein­ge­schränkt nutz­bar. Auch für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung sind öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel häu­fig nur mit Hil­fe ande­rer Per­so­nen nutz­bar. Es muss jedoch dar­um gehen, Mobi­li­tät mög­lichst selbst­be­stimmt zu ermög­li­chen, also ohne beson­de­re Erschwer­nis und grund­sätz­lich ohne frem­de Hil­fe. Von Bar­rie­re­frei­heit pro­fi­tie­ren auch Eltern mit klei­nen Kin­dern und Rei­sen­de mit viel Gepäck.

„Bar­rie­re­frei­heit“ kann nicht auf Stu­fen­lo­sig­keit beschränkt wer­den. So müs­sen bei­spiels­wei­se Infor­ma­ti­ons­sys­te­me und Fahr­kar­ten­au­to­ma­ten auch für Men­schen mit Seh- und für Men­schen mit Hör­ein­schrän­kun­gen nutz­bar sein und WC-Anla­gen in Bahn­hö­fen und Zügen behin­der­ten­ge­recht aus­ge­stat­tet sein.

Von rund 5.400 Bahn­hö­fen der DB sind aktu­ell 77% stu­fen­frei (nicht auto­ma­tisch bar­rie­re­frei!). So ver­fü­gen bei­spiels­wei­se erst 51% der Bahn­stei­ge über ein tak­ti­les Leit­sys­tem. Vie­le Bahn­stei­ge sind nicht bar­rie­re­frei erreich­bar, Auf­zü­ge (allei­ne die DB betreibt 2.100 Auf­zü­ge) sind zu oft defekt (häu­fig auf­grund von Van­da­lis­mus!). Oft­mals bestehen zwi­schen Bahn­stei­gen und Zügen Höhen­dif­fe­ren­zen.

Um mehr Ein­bli­cke in die Per­spek­ti­ven von Men­schen mit Behin­de­rung zu gewin­nen, war ich mit zwei Roll­stuhl­fah­rern und zwei Per­so­nen mit Seh­be­hin­de­rung (einer davon mit sehr gerin­gem Sehrest)unterwegs. Wir haben ent­lang einer Rei­se­ket­te ins­ge­samt sechs ver­schie­de­ne Ver­kehrs­sys­te­me genutzt. Unse­re Erfah­run­gen wer­den hier doku­men­tiert. Sie wur­den außer­dem in einem Video fest­ge­hal­ten.

Mit dem ICE von Stutt­gart nach Karls­ru­he

Ein Pro­blem wur­de uns bereits in der Rei­se­pla­nung auf­ge­zeigt: Der ICE ver­fügt nur über zwei Plät­ze für Men­schen im Roll­stuhl. Einer davon war zum Zeit­punkt unse­rer Buchung schon reser­viert. Wir muss­ten uns also in zwei Züge – den ICE und den deut­lich lang­sa­me­ren IRE – auf­tei­len. Die Ein- und Aus­stie­ge waren mit der Unter­stüt­zung des Mobi­li­täts­ser­vice der DB pro­blem­los. Was mir aller­dings sehr nega­tiv auf­fiel: Eine DB-Mit­ar­bei­te­rin duz­te einen unse­rer Rol­li­fah­rer (er ist über 30 Jah­re alt) und auch bei wei­te­ren Umstei­ge­vor­gän­gen wur­de er zunächst geduzt, was dann aller­dings schnell wie­der kor­ri­giert wur­de.

Mit dem IRE von Stutt­gart nach Karls­ru­he

Der Platz für Roll­stuhl­fah­rer war ganz hin­ten im Zug und nicht vor­ne, wie der DB-Mit­ar­bei­ter zuerst sag­te. Da der Zug aller­dings meh­re­re Minu­ten in Stutt­gart Auf­ent­halt hat­te, war das Ein­stei­gen kein Pro­blem. Wir hat­ten genug Zeit und der DB-Mit­ar­bei­ter hat mit der Ram­pe gehol­fen. In Karls­ru­he kam die DB-Mit­ar­bei­te­rin dann auch erst kurz nach der Ankunft des Zuges, weil sie am fal­schen Ende des Bahn­stei­ges auf uns gewar­tet hat. Der Rol­li­fah­rer konn­te ohne Ein­stiegs­hil­fe aus­stei­gen, weil er sehr sport­lich ist.

Haupt­bahn­hof Karls­ru­he

Es stell­te sich her­aus, dass das Blin­den­leit­sys­tem unein­heit­lich gestal­tet und mit­hil­fe des Blin­den­stocks auf­grund des zu gerin­gen Pro­fils teil­wei­se kaum ertas­tet wer­den kann. Ein Leit­strei­fen führ­te auf eine nur zu Hälf­te geöff­ne­ter Tür zu, was beim blin­den Mit­rei­sen­den zu kur­zen Irri­ta­tio­nen führ­te. Die Que­rung der Stra­ßen­bahn- und S‑Bahngleise ist für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung schwie­rig, da die Züge sehr lei­se fah­ren und es kein akus­ti­sches Warn­si­gnal gibt.

Mit der Stra­ßen­bahn durch Karls­ru­he

Obwohl auf der elek­tro­ni­schen Fahr­pla­n­an­zei­ge an der Hal­te­stel­le vor dem Haupt­bahn­hof das Roll­stuhl­sym­bol auf­zeig­te und die­ses auch neben der Stra­ßen­bahn-Türe ange­bracht war, muss­te eine Höhen­dif­fe­renz von etwa 20 Zen­ti­me­tern über­wun­den wer­den. Eine Ram­pe oder ein Lift gab es dafür nicht. Die bei­den Roll­stuhl­fah­rer muss­ten in die Stra­ßen­bahn hin­ein- und spä­ter wie­der hin­aus­ge­hievt wer­den. Mit Elek­troroll­stüh­len wäre ein Zugang unmög­lich gewe­sen!

Mit dem Fern­bus von Karls­ru­he nach Stutt­gart-Flug­ha­fen

Der Fern­bus­halt besteht aus zwei etwa 80 Meter lan­gen Bus­stei­gen, wobei unklar ist, wel­cher Fern­bus wo hält. Für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung gibt es kei­ner­lei Hil­fen und mit einem Roll­stuhl kann man nicht ohne Umwe­ge von einem zum ande­ren Bus­steig gelan­gen. Unser Bus fuhr so an den Bus­steig her­an, dass der Ein­stieg von der Fahr­bahn­sei­te und nicht von der Bus­steig­sei­te her erfolg­te. Wir hat­ten zwei Tage vor­her ange­mel­det, dass wir mit zwei Roll­stuhl­fah­rern kom­men. So ver­langt es Flix­bus, das Fern­bus­un­ter­neh­men mit einem Markt­an­teil von 90 Pro­zent. Die Bus­fah­rer wuss­ten jedoch von nichts, als sie mit einem angeb­lich ganz neu­en, aber ohne Ram­pe oder Lift und ohne Stell­flä­chen aus­ge­stat­te­ten Bus anka­men. Nach kur­zer Rat­lo­sig­keit pack­ten sie an und hoben die bei­den Rol­li­fah­rer in den Bus hin­ein. Die Tür zum WC und der Flur waren damit blo­ckiert. Anschnal­len konn­ten sich bei­de – ent­ge­gen den Vor­schrif­ten – nicht. Da Flix­bus nach jeder Fahrt um eine Bewer­tung bit­tet, habe ich auf die beschrie­be­nen Umstän­de hin­ge­wie­sen. Zusätz­lich habe ich einen Brief an das Unter­neh­men geschrie­ben.

Unter­wegs am Flug­ha­fen

Der Weg vom neu­en Bus­bahn­hof zum Flug­ha­fen und zur S‑Bahnstation ist für Men­schen mit Seh­be­hin­de­rung kaum zu fin­den, da die Wege­füh­rung kom­pli­ziert ist und es außer­halb des Bus­bahn­ho­fes kein Leit­sys­tem gibt.

Mit der S‑Bahn vom Flug­ha­fen nach Fil­der­stadt

Einer der bei­den Roll­stuhl­fah­rer kam pro­blem­los allei­ne in die S‑Bahn hin­ein und wie­der hin­aus. Der ande­re benö­tig­te Hil­fe wegen der Lücke zwi­schen Bahn­steig­kan­te und Zug. Im Zug stell­te einer der bei­den Beglei­ter mit Seh­be­hin­de­rung (knapp zehn Pro­zent Seh­ver­mö­gen) fest, dass er kaum lesen kann, was auf den Moni­to­ren ange­zeigt wird. Die Schrift ist zu klein.

 

Mit dem Bus von Fil­der­stadt nach Nür­tin­gen

Die Klapp­ram­pe, die manu­ell bedient wer­den muss, ermög­licht vom erhöh­ten Bahn­steig aus einen pro­blem­lo­sen Ein­stieg. In Nür­tin­gen sind die schma­len Bus­stei­ge und vor allem die feh­len­den abge­flach­ten Bord­stei­ne ein Pro­blem (abge­flach­te Bord­stei­ne sind nicht nutz­bar, so lan­ge der Bus noch am Bus­steig steht).

Bahn­hof Nür­tin­gen

Ein Blin­den­leit­sys­tem ist ledig­lich auf den Bahn­stei­gen vor­han­den. Der Auf­zug funk­tio­niert. Die Bahn­stei­ge sind für die Regio­nal­zü­ge zu hoch. Die manu­el­le Ram­pe, die der Zug mit­führt und die im Inter­net ange­ge­ben („Fahr­zeug­ge­bun­de­ne Ein­stiegs­hil­fe vor­han­den“) ist, ist lei­der defekt. Einer der bei­den Rol­li­fah­rer muss hin­ein­ge­tra­gen wer­den. Der ande­re (ein Roll­stuhl­bas­ket­bal­ler) kommt mit einem gewag­ten Sprung mit­samt sei­nem Gefährt allei­ne in den Zug. Auf der defek­ten Ram­pe steht, man sol­le eine ande­re Türe oder einen ande­ren Wagen nut­zen. Sehr cle­ve­rer Tipp, denn es gibt kei­ne wei­te­re Ram­pe im Zug.

Haupt­bahn­hof Stutt­gart

Zum Aus­stieg muss ein Höhen­un­ter­schied auf­wärts über­wun­den wer­den. Hier­für benö­ti­gen bei­de Roll­stuhl­fah­rer Unter­stüt­zung. Der Mobi­li­täts­ser­vice hat uns bereits erwar­tet und hilft.

Fazit

Alle Auf­zü­ge haben funk­tio­niert. Die DB-Mit­ar­bei­te­rIn­nen und die Fern­bus­fah­rer waren äußerst freund­lich und hilfs­be­reit. Auch die Mit­rei­sen­den haben gehol­fen, wo Hil­fe not­wen­dig war. Zugleich muss­ten wir erle­ben, dass Ein­stiegs­hil­fen im Fern­bus und im Zug gefehlt haben bzw. defekt waren. Und häu­fig pas­sen die Bahn­steig­hö­hen und die Ein­stiegs­hö­hen der Fahr­zeu­ge nicht zusam­men. Men­schen mit Behin­de­rung wer­den häu­fig durch ver­meid­ba­re Hür­den in ihrer Mobi­li­tät behin­dert. Die Fle­xi­bi­li­tät beim Rei­sen, wie ich sie gewohnt bin, ist Men­schen mit Behin­de­rung zumeist ver­wehrt. Sie müs­sen ihre Rei­sen akri­bisch im Vor­aus pla­nen. Rei­sen in Grup­pen, das hat sich gezeigt, ist beson­ders schwie­rig oder sogar unmög­lich.

Es muss auch berück­sich­tigt wer­den, dass unse­re gesam­te Rei­se nur des­halb recht gut funk­tio­niert hat, weil alle Ver­kehrs­mit­tel nahe­zu pünkt­lich waren. Für die Poli­tik und die Ver­kehrs­un­ter­neh­men bleibt auf dem Weg zu einer bar­rie­re­frei­en Mobi­li­tät noch viel zu tun! Aber: Mobi­li­tät ist die Vor­aus­set­zung für Teil­ha­be! Für uns Poli­ti­ker (neben mir war noch Her­mi­no Kat­zen­stein MdL dabei) hat die Tour noch­mal sehr ein­drucks­voll die Hand­lungs­be­dar­fe auf­ge­zeigt.

Sehr scha­de war es, dass die Pres­se den Ein­la­dun­gen zu Gesprä­chen an kei­nem der vier Orte, zu dem unter­schied­li­che Zei­tun­gen ein­ge­la­den wur­den, gefolgt ist. Ist das kein The­ma für die Medi­en?

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Kommentare zu “„Tour barrierefreie Mobilität“

  1. Bernd Kittendorf Reply

    Fern­bus­se: wie signa­li­siert man Roll­stuhl-Fah­rern, daß man sie als Kun­de nicht haben will? Ide­en (ursprüng­lich nicht von mir): lan­ge Fris­ten für die Anmel­dung vor­ge­ben, Anmel­dun­gen igno­rie­ren, kei­ne geeig­ne­ten Ein­rich­tun­gen an den Hal­te­stel­len bie­ten, kei­nen geeig­ne­ten Platz im Bus vor­hal­ten (Sit­ze müs­sen manch­mal vor­her aus­ge­baut wer­den), Ein­stiegs­hil­fen nicht vor Ort haben und so durch die Hebe-Num­mer sich “groß” und den “Hilf­lo­sen” klein machen, ab und zu den Men­schen in sei­nem Roll­stuhl im Bus “irgend­wie” und nicht vor­schrifts­mä­ßig “hin­stel­len” und damit das Ver­let­zungs­ri­si­ko für den Roll­stuhl-Fah­rer und die übri­gen Fahr­gäs­te erhö­hen, kei­ne ange­mes­se­ne Lösung für die WC-Fra­ge bie­ten (kein nutz­ba­res WC im Bus wegen des Flä­chen­be­darfs) und dem Fah­rer auf­bür­den, wie er denn einen Halt an einer Rast­stät­te trotz engen Fahr­plans ohne Ver­spä­tung hin­be­kom­men soll, am Rast­platz kei­ner­lei Ein­stiegs­hil­fen anbie­ten, viel­leicht noch eine juris­ti­sche sau­be­re Lösung suchen (“Ihr Roll­stuhl ent­spricht nicht den Vor­schrif­ten, weil er nicht sicher befes­tigt wer­den kann”, Stich­wort “Kraft­kno­ten nach DIN”), irgend­wann ver­steht der Roll­stuhl-Fah­rer, daß er ein ande­res Ver­kehrs­mit­tel neh­men oder daheim blei­ben soll. Wel­ches Druck­mit­tel wur­de denn bei der Schaf­fung des Fern­bus-Mark­tes dafür ein­ge­plant, wenn Roll­stuhl-Fah­rern die Mit­fahrt unmög­lich gemacht wird? Kei­nes? Dann wird das auch so blei­ben, dann ist das poli­tisch gewollt. Gewinn maxi­miert sich bes­ser, wenn der Auf­wand redu­ziert wird. Ein wenig Bedau­ern ist schnell for­mu­liert (Strg+C, Strg+V), die unglück­li­che Ver­ket­tung von irgend­was als Grund nen­nen, einen Rei­se­gut­schein (viel­leicht kapiert der Roll­stuhl-Fah­rer das bei der nächs­ten Fahrt) bei­fü­gen, eine Abmah­nung für den Fah­rer als schwächs­tes Glied der Ket­te schrei­ben, schon hat man als Unter­neh­mern “alles getan” (damit sich nichts ändert). Aus Men­schen­freund­lich­keit wer­den auch in Arzt­pra­xen, Restau­rants, Hotels und beim Woh­nungs­bau nur sel­ten bar­rie­re­freie Lösun­gen geschaf­fen. Wie vie­le Wahl­lo­ka­le wer­den auch bei der nächs­ten Wahl wie­der nicht bar­rie­re­frei sein, wie oft wird wie­der auf Brief­wahl ver­wie­sen?

    Zwei wei­te­re Ide­en im o.a. Sinn sind “Unkla­re Vor­ga­ben” und “will­kür­li­che Frist­set­zung”. Bei­spiel aus “Bedin­gun­gen für die Nut­zung der IC Bus­se (IC Bus) – Stand 27. Febru­ar 2017”: “… muss eine Anmel­dung bis 20:00 Uhr des Tages vor Rei­se­an­tritt bei der Mobi­li­täts­ser­vice-Zen­tra­le (sie­he Nr. 12) erfol­gen. In beson­de­ren Fäl­len, (…) kön­nen abwei­chen­de Anmel­de­fris­ten gel­ten.” Und die­se abwei­chen­den Fris­ten erfährt man WANN? Wäh­rend der Anmel­dung erfährt man, daß es dies­mal frü­her nötig gewe­sen wäre!? Also: Pech gehabt? Im Grun­de genom­men nicht wich­tig, denn für Roll­stuhl-Plät­ze (also nicht Roll­stuhl als Gepäck) gilt: “Die Nut­zung des Roll­stuhl­plat­zes ist bis spä­tes­tens 7 Tage vor dem 1. Rei­se­tag bei der Mobi­li­täts­ser­vice­zen­tra­le (sie­he Nr. 8.5) anzu­mel­den.” Sind da Kalen­der- oder gar Werk­ta­ge gemeint? Ande­ren Men­schen Fris­ten set­zen macht bestimmt Spaß, also gibt es noch eine. Der Treff­punkt “muss min­des­tens 30 Minu­ten vor der ver­öf­fent­lich­ten Abfahrts­zeit auf­ge­sucht wer­den.” Wozu? Damit man den Bus ein­win­ken kann? Gut, daß das nicht bei Stadt­bus­sen gilt. Bei Lini­en im Fünf-Minu­ten-Takt müß­te man da sechs Bus­se durch­win­ken und erst den sie­ben­ten neh­men. Da ist sie wie­der, die SIEBEN, wie die Anzahl der Tage, die man sich vor­her mel­den muß! SIEBEN! Gut wäre nur fol­gen­de “Anmel­de­frist”: beim Kauf der Fahr­kar­te (jeder Ver­triebs­weg!) mit erle­di­gen reicht völ­lig. Wenn man im Vor­mo­nat bucht, dann ist das für alle Sei­ten ein­fach, wenn Fahr­kar­ten auch am Rei­se­tag und im Bus ver­kauft wer­den, dann soll­te auch das rei­chen.

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr Kit­ten­dorf,
      vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. Nächs­te Woche wird es im Ver­kehrs­aus­schuss des Bun­des­ta­ges ein Fach­ge­spräch zum The­ma “Fern­bus­se” geben, bei dem ich unse­re Erleb­nis­se und auch eini­ge Ihrer Schil­de­run­gen bzw. Fra­gen zur Spra­che fin­den wer­de.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

  2. borner Reply

    Hal­lo Mat­thi­as, der Bericht ist infor­ma­tiv und gut geschrie­ben. Du beschreibst völ­lig kor­rekt unse­re Karls­ru­her Pro­b­le­me­stell­len. Die Situa­ti­on auf dem Karls­ru­her Vor­platz des Haiupt­bahn­ho­fes ist bekannt. Durch einen geplan­ten Umbau soll die Situa­ti­on dort deut­lich ent­schärft wer­den. Der Fern­bus­bahn­hof soll auch ver­la­gert wer­den, so dass wir auch dort hof­fent­lich ver­bes­ser­te Bedin­gun­gen antref­fen wer­den. Bedau­er­lich fin­de ich es aller­dings, dass im Test man­che “Behin­de­rungs­spar­ten” wie Hör­be­hin­der­te oder kogni­tiv ein­schränk­te Per­so­nen aus­ge­spart wur­den.

    Gruß, micha­el bor­ner, sozi­al­po­li­ti­scher Spre­cher GRÜNE GR-Frak­ti­on Karls­ru­he

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lie­ber Micha­el,
      vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar.
      Du hast natür­lich völ­lig Recht damit, dass wir auch Men­schen mit Hör­be­hin­de­rung hät­ten ein­be­zie­hen kön­nen. Ich muss Dir aber sagen, dass es extrem schwie­rig war, die Teil­neh­mer im Roll­stuhl und die mit Seh­be­hin­de­rung zu fin­den und dann auch noch einen Ter­min, an dem alle kön­nen. Viel­leicht wie­der­ho­len wir die Akti­on ja noch­mal.
      Bei mir hat sich vor­hin ein Mensch mit Hör­be­hin­de­rung gemel­det, der die­sel­be Anmer­kung hat­te wie Du. Ich habe ihn dar­auf ver­wie­sen, dass bei uns Grü­nen in B‑W eine gemein­sa­me Sit­zung der bei­den LAGen „Behin­der­ten­po­li­tik“ und „Mobi­li­tät“ vor­ge­se­hen ist (es dür­fen auch Nicht-Mit­glie­der teil­neh­men), bei der es ums The­ma „bar­rie­re­freie Mobi­li­tät“ gehen soll. Das ist ver­mut­lich die nächs­te pas­sen­de Gele­gen­heit, auch die Belan­ge von Men­schen mit Hör­be­hin­de­rung zu the­ma­ti­sie­ren und sich ein­zu­brin­gen.
      Vie­le Grü­ße
      Mat­thi­as

  3. Stefan Krusche Reply

    Lie­ber Mat­thi­as,

    ganz herz­li­chen Dank für den her­vor­ra­gen­den Bericht über Dei­ne Tour für bar­rie­re­freie Mobi­li­tät. Und ein beson­de­res Dan­ke­schön für den Kom­men­tar von Bernd Kit­ten­dorf zu den sub­ti­len Ein­schrän­kun­gem für Men­schen mit Behin­de­run­gen in dem schnell wach­sen­den Fern­bus-Rei­se­markt. Die Taten­lo­sig­keit des zustän­di­gen Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums ist in die­sem Bereich eine der größ­ten Pflicht­ver­let­zun­gen gegen­über Men­schen mit Behin­de­run­gen und damit poten­ti­el­len Fern­bus­kun­den in der abge­lau­fe­nen Legis­la­tur­pe­ri­ode.
    Fern­bus­se sind für Roll­stuhl­fah­rer zum jet­zi­gen Zeit­punkt abso­lut nicht nutz­bar und das wird ver­mut­lich auch noch län­ge­re Zeit so blei­ben. Die Unter­neh­men – und da ist vor allem auch der Markt­füh­rer Flix­bus ange­spro­chen – machen alles, damit Roll­stuhl­fah­rer erst gar nicht auf die Idee kom­men kön­nen, sich evtl. als poten­ti­el­le Kun­den ange­spro­chen zu füh­len. Sämt­li­che denk­ba­ren Risi­ken (selbst das Recht, eine bar­rie­re­freie Toi­let­te wäh­rend der Fahrt oder in einer Fahrt­pau­se auf­su­chen zu können)werden dem Kun­den auf­ge­bür­det und der spürt schon in der Infor­ma­ti­ons­po­li­tik des Unter­neh­mens (sie­he Home­page), dass er ledig­lich als unnö­ti­ger Kos­ten­fak­tor gese­hen wird und auf gar kei­nen Fall als ein zu umwer­ben­der Kun­de.
    Hier kann m.E. nur noch mit pro­vo­zie­ren­den You-Tube-Vide­os und Spe­zi­al-Repor­ta­gen auf die skan­da­lö­se Unter­neh­mens- und Regie­rungs­po­li­tik in auf­klä­ren­der Art und Wei­se ein­ge­wirkt wer­den. Von wei­ter­ge­hen­den Rege­lun­gen im Pers.Beförderungsgesetz hal­te ich gar nichts, denn schon die bestehen­den Rege­lun­gen wer­den so gut wie nicht ein­ge­hal­ten und die Frus­tra­ti­on der Nut­zer­grup­pen wird betriebs­wirt­schaft­lich ein­kal­ku­liert.

    Trotz­dem will ich an die­sem The­ma dran­blei­ben, denn Bar­rie­re­frei­heit im Rei­se­ver­kehr ist ein sen­si­bler Grad­mes­ser für die Tole­ranz­be­reit­schaft in der gesam­ten bun­des­deut­schen Gesell­schaft.

    Vie­len Dank und herz­li­che Grü­ße
    Ste­fan Kru­sche
    (Spre­cher LAG Behin­der­ten­po­li­tik Bünd­nis 90/Die Grü­nen BW)

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Lie­ber Ste­fan,
      dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar, den ich ger­ne ein­fach so ste­hen las­sen kann. Ich blei­be auch an die­sem The­ma dran …
      Vie­le Grü­ße
      Mat­thi­as

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  5. Bernd Kittendorf Reply

    Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

    inzwi­schen ist ja das “Hand­buch Bar­rie­re­frei­heit im Fern­bus­li­ni­en­ver­kehr” erschie­nen. Her­aus­ge­ber ist das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur (BMVI). Schon das Vor­wort beju­belt, daß die “Erfolgs­ge­schich­te” 2013 (!) begon­nen habe. Minis­ter Dob­rindt erklärt: “Jetzt geht es dar­um, den Fern­bus­li­ni­en­ver­kehr kon­se­quent bar­rie­re­frei zu gestal­ten”. “Jetzt” (!?) in 2017, also nicht schon in 2013, da war das wohl aus gutem Grund aus­ge­blen­det. Wer war damals zustän­dig? Und was meint in die­sem Zusam­men­hang “kon­se­quent”?

    Wer beim Lesen des Hand­buchs den Ein­druck gewin­nen will, es wäre alles auf einem guten Weg und es wäre “Kon­se­quen­tes” ent­hal­ten, der wird es schon schaf­fen, die­sen Ein­druck zu gewin­nen. Nur Mut, nicht zwi­schen den Zei­len lesen hilft sehr dabei. Posi­tiv aus­ge­drückt: Wer durch sei­ne Mobi­li­täts­ein­schrän­kung nicht bei Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung einer Rei­se mit dem Fern­bus gehin­dert wird, für den sieht es gut aus. Was aber, wenn das nicht rund läuft? Bei­spiel Roll­stuhl­fah­rer, und zwar nicht die, die den Falt­roll­stuhl haupt­säch­lich für schlech­te­re Tage auf die Rei­se als Gepäck mit­neh­men. Genau­er: als “Son­der­ge­päck”, so nennt man das, hab ich im Hand­buch gelernt. Wen mei­ne ich genau? Beim Anbie­ter Flix­bus habe ich als Beschrei­bung der Ziel­grup­pe soeben die­se For­mu­lie­rung gefun­den: “Wenn Du an den Roll­stuhl gebun­den bist…” Die mei­nen mich, ich lege mei­nen Sicher­heits­gurt im Roll­stuhl immer an. An den Roll­stuhl gefes­selt, die­se frü­her übli­che For­mu­lie­rung war denen wohl eine hal­be Num­mer zu krass.

    Für die­se Per­so­nen­grup­pe also kommt mit etwas kri­ti­sche­rem Blick ein völ­lig ande­res Ergeb­nis raus. Es gibt im Hand­buch Pas­sa­gen zu den The­men Fahr­zeu­ge, Infra­struk­tur und Betrieb und die kann man mal auf übli­che Ele­men­te einer Fern­bus­rei­se abklop­fen.

    Bei­spiel Buchung und die Fra­ge, wo da Unter­schie­de zu ande­ren Rei­sen­den bestehen. “Teil­wei­se … kei­ne Online-Buchung mög­lich, son­dern zwin­gend eine tele­fo­ni­sche Ticket­bu­chung erfor­der­lich … aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den … spä­tes­tens sie­ben Tage vor Beginn der Fahrt”. Auch nicht im Rei­se­bü­ro, wegen der Bera­tung (?!). Fazit: ande­rer Buchungs­weg, nicht mehr kurz­fris­tig, das ist schon ganz unschön anders. Wer nicht nur im Land sei­ner Mut­ter­spra­che unter­wegs ist, für den tun sich leicht neue Pro­ble­me auf und wenn der Rei­se­grund sich eher etwas kurz­fris­tig ergibt, dann schei­det schon so der Fern­bus aus. Es kommt noch schlim­mer: “frü­hes­tens 2 Wochen und spä­tes­tens 7 Tage vor Rei­se­an­tritt” steht dazu als Vor­ga­be von Flix­bus. Fra­ge an Schnäpp­chen­jä­ger: wann sind Tickets am bil­ligs­ten?

    Bei­spiel Rol­li-WC. Vor­ab gibt es im Hand­buch die Infor­ma­ti­on: “In Fern­li­ni­en­bus­sen gehört eine Toi­let­te an Bord i. d. R. zur Stan­dard­aus­rüs­tung.” Wie nett. Und für den Roll­stuhl­fah­rer? Also – nicht im Bus, das kos­tet zu viel Flä­che, das kann man nicht ver­lan­gen (Im Zug ist das ok, der hat ja mehr Flä­che und da ist es vor­ge­schrie­ben und schmä­lert vor allem den Ertrag von Bus­be­trei­bern nicht). “Als Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­me für nicht roll­stuhl­ge­rech­te Toi­let­ten … soll­ten bar­rie­re­freie Toi­let­ten an Bus­bahn­hö­fen … bzw. … an Rast­stät­ten genutzt wer­den kön­nen”, erfährt der geneig­te Leser. Klingt doch gut. Nur etwas unbe­stimmt. Da steht näm­lich auch viel über Lenk­zei­ten, Pau­sen, Hil­fe­leis­tun­gen und die Wich­tig­keit des Fahr­plans. Zitat: “Wäh­rend der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen, unun­ter­bro­che­nen Fahrt­un­ter­bre­chung darf das Fahr­per­so­nal kei­ne Hil­fe­stel­lung leis­ten.” Dazu über Ram­pen, maxi­ma­le Stei­gung, die Situa­ti­on an den Sta­tio­nen und nicht vor­han­de­ne Bor­de an Rast­stät­ten, die kei­ne Hal­te­stel­len sind. So ein WC-Stop kos­tet viel Zeit: “Beim Hub­lift … bis zu 15 Minu­ten je Vor­gang” für das Aus- und Ein­la­den, steht da jeden­falls im Hand­buch. “Bord­hö­he bestimmt Stu­fen­hö­he und Ram­pen­nei­gung” steht auch da und meint wirk­lich hef­ti­ge Stei­gun­gen. Wenn es nur genug drückt (nicht er, der Fah­rer beim Hel­fen wegen Gefäl­le und Stei­gung bis 36%, ich mei­ne “es”), dann wird man über die maxi­mal zuläs­si­ge Stei­gung in der Anlei­tung des Roll­stuhls nicht mehr nach­den­ken. Wird schon gut gehen?! Das sieht unterm Strich nicht danach aus, als ob das regel­mä­ßig klap­pen könn­te. Und bei Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Fahrt­ver­lauf erst recht nicht mehr.

    Aber kann man über­haupt mit? Damit das mit dem WC nicht zum wirk­li­chen Pro­blem wer­den kann, muß man den Hebel frü­her anset­zen, damit die Zahl der zu beför­dern­den “ange­bun­de­nen” (Flix­bus-Jar­gon in den FAQ) Roll­stuhl­fah­rer gesenkt wird: bei der Kenn­zeich­nung des Roll­stuhls. Zunächst ein­mal geht es um Sicher­heit, was ja an sich gut und rich­tig ist. Jemand soll die Eig­nung des Roll­stuhls für den Trans­port mit dar­in sit­zen­dem Roll­stuhl­fah­rer bestä­ti­gen. “Eine posi­ti­ve Kenn­zeich­nung gilt zudem nur für die Grund­kon­fi­gu­ra­ti­on des Roll­stuhls. Häu­fig sind jedoch auf­grund eines spe­zi­fi­schen Behin­de­rungs­bil­des indi­vi­du­el­le Anpas­sun­gen erfor­der­lich. In die­sen Fäl­len erfolgt aus Pro­dukt­haf­tungs­grün­den kei­ne Kenn­zeich­nung des Roll­stuhls für die Eig­nung einer Ver­wen­dung als Fahr­zeug­sitz, son­dern es muss ein Warn­hin­weis am Roll­stuhl ange­bracht wer­den, z. B. neben dem Typ­schild.” Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Denn so ist man nicht nur weni­ge exo­ti­sche son­dern (sie­he Text) die “häu­fi­gen” Fäl­le mit einem Schlag los. Nicht trau­rig wer­den, das betrifft haupt­säch­lich ande­re. (Trifft eine Roll­stuhl­fah­re­rin eine ande­re und sagt zu ihr “Du sieht heu­te gefähr­lich aus”. Die hat näm­lich seit einem Umbau einen Her­stel­ler-Warn­hin­weis am Roll­stuhl.)

    Wie schnell man von der Mit­nah­me in einem Ver­kehrs­mit­tel durch “Typen” aus­ge­schlos­sen wer­den kann, habe ich kürz­lich in Bel­gi­en erlebt. Mein Roll­stuhl mit e‑Fix Antrieb – also nicht ein­mal ein wirk­lich elek­tri­scher Roll­stuhl – wur­de von einem Fah­rer (ÖPNV) als “ver­bo­ten” ein­ge­schätzt. Zwar ging es bei der Rege­lung sei­nes Arbeit­ge­bers um “Scoo­ter”, doch für den Mann waren Roll­stüh­le nur die manu­el­len und der Rest eben “ver­bo­te­ne Scoo­ter”. Nach sei­ner tele­fo­ni­schen Rück­spra­che mit der Zen­tra­le ergab sich der Kom­pro­miss: ich darf in mei­nem “Gefährt” mit­fah­ren, nur die Ram­pe darf nicht benutzt wer­den und die Bar­rie­re­frei­heit beim Aus­stieg gin­ge auf mich. Bes­ser als in der Pam­pa ste­hen blei­ben zu müs­sen. Übri­gens: auch sein Arbeit­ge­ber fabu­liert von einer Lis­te zuge­las­se­ner Hilfs­mit­tel, wobei mich inter­es­sie­ren wür­de, wie lan­ge es braucht, bis vor Ort nicht übli­che Model­le oder sel­te­ne­re Umbau­ten in solch einem Ver­zeich­nis auf­tau­chen kön­nen. Wahr­schein­lich däm­mert es bei man­chem Leser: der Denk­an­satz mit Her­stel­ler-Geneh­mi­gun­gen aus der Pro­dukt­haf­tung und irgend­wel­chen Ver­zeich­nis­sen bie­tet sich nur zwecks Exklu­si­on nicht erwünsch­ter Kun­den an.

    Irgend­wie “unbe­frie­di­gend” ist das Werk schon des­halb, weil es gleich am Anfang unter “1.2 Mobi­li­täts­ein­ge­schränk­te Fahr­gäs­te” die sozi­al­ge­setz­li­chen Defi­ni­ti­on vor­an­stellt, ohne die Bedeu­tung in die­sem Kon­text wirk­lich her­aus zu arbei­ten. Die “Schwer­be­hin­der­ten­ei­gen­schaft”, ihre Fest­stel­lung und die Beschei­ni­gung mit Aus­wei­sen ist der­zeit rein natio­nal betrach­tet und führt zu natio­nal gül­ti­gen gesetz­li­chen Vor­ga­ben. Drei Freun­de mit unter­schied­li­chem Haupt­wohn­sitz, einer in Paris, einer in Bern, einer in Stutt­gart, mit sonst aber glei­cher Aus­prä­gung einer lebens­lang anhal­ten­den Grund­er­kran­kung kom­men nur noch im Roll­stuhl “raus”. Bei uns im Land ist allen­falls der aus Stutt­gart “schwer­be­hin­dert”. Die ande­ren bei­den nicht. Ihre Ein­schrän­kung der Mobi­li­tät ist jedoch zunächst völ­lig gleich. Kom­pli­zier­ter wird es für die drei, wenn sie sich alle jeweils an einem der drei Wohn­or­te tref­fen wol­len. Dann kom­men zu den Ein­schrän­kun­gen und Erschwer­nis­sen durch die Eigen­art der Erkran­kung noch zusätz­lich die Ein­schrän­kun­gen und Erschwer­nis­se durch die jewei­li­gen Geset­ze und Rege­lun­gen. Auch da hat die Poli­tik ihre urei­ge­ne Arbeit nicht getan. Von kon­se­quen­ter Her­an­ge­hens­wei­se an die im Vor­wort ja her­aus­ge­ar­bei­te­te Fra­ge­stel­lung ist man hier­zu­lan­de mei­len­weit ent­fernt (Weil “Rechts­quel­len” in dem Hand­buch auch manch­mal etwas unge­wöhn­lich her­an­ge­zo­gen wer­den: in Kilo­me­tern ist das etwa 1,6 mal zu weit).

    Zum dar­über Nach­den­ken: “Fahr­gäs­te mit dem Merk­zei­chen „Bl“ in ihrem Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis sind zur kos­ten­lo­sen Mit­nah­me eines Blin­den­führ­hun­des berech­tigt.” Klar­text: Blind sein allein ist nicht genug für die kos­ten­lo­se Mit­nah­me eines Blin­den­führ­hun­des. Poli­tik muß das The­ma Bar­rie­re­frei­heit bei der Mobi­li­tät ande­res ange­hen, als unter ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­schen Gesichts­punk­ten. Natio­nal den­ken ist zu kurz gedacht und EU-euro­pä­isch auch.

    erneut mit freund­li­chen Grü­ßen
    Bernd Kit­ten­dorf

    • Matthias Gastel
      Matthias Gastel Reply

      Sehr geehr­ter Herr Kit­ten­dorf,
      bes­ten Dank für Ihre Kom­men­tie­rung.
      Das “Hand­buch Bar­rie­re­frei­heit im Fern­bus­li­ni­en­ver­kehr” liegt mir noch nicht vor. Ich habe ges­tern durch Ihren Kom­men­tar und einen Fach­ar­ti­kel erfah­ren, dass die­ses nun vor­liegt. Mein Team und ich wer­den sich das Werk selbst­ver­ständ­lich anschau­en und uns dar­über mit Fach­ver­bän­den aus­tau­schen.
      Eini­ge der von Ihnen geschil­der­ten Pro­ble­me und Hür­den für Men­schen im Roll­stuhl tei­le ich, so die Kri­tik an infle­xi­blen Buchungs­fris­ten und die feh­len­de Nor­mie­rung bzw. ein­heit­li­che Kenn­zeich­nung von Roll­stüh­len bzgl. der Kraft­kno­ten (hier­zu sind wir im Aus­tausch mit unse­rer Euro­pa­frak­ti­on). Der For­de­rung nach roll­stuhl­ge­rech­ten WC an Bord der Fern­bus­se kann ich mich nicht anschlie­ßen; auch Fach­ver­bän­de wie der BSK for­dern dies mei­nes Wis­sens nicht. Sie bekom­men auch noch eine Rück­mel­dung per E‑Mail.
      Mit freund­li­chen Grü­ßen
      Mat­thi­as Gast­el

      • Bernd Kittendorf Reply

        Sehr geehr­ter Herr Gast­el,

        ein WC für die Kun­den im Fern­li­ni­en­bus ist Stan­dard, für Rol­li-Fah­rer aber nicht nutz­bar. Dann muß mei­ner Ansicht nach für eine nutz­ba­re Alter­na­tiv-Lösung gesorgt wer­den. Auch das noch umge­hen zu wol­len, das ist schänd­lich.

        Die Aus­wahl der bedien­ten Hal­te­stel­len, die Kennt­nis der Situa­ti­on mög­li­cher Rast­plät­ze an der Stre­cke, die Bau­art der Ein­stiegs­hil­fe, an der dann die Dau­er der Unter­bre­chung hängt, der Fahr­plan und damit ver­bun­den Lenk- und Arbeits­zei­ten, all das sind Fak­to­ren, die vom Betrei­ber der Linie durch eige­ne Ent­schei­dun­gen bestimmt wur­den. Wenn man nur Ver­keh­re zwi­schen Bus­bahn­hö­fen anbie­tet, die (zum Nut­zen aller Fahr­gäs­te – und im Inter­es­se der Anwoh­ner) soli­de aus­ge­stat­tet sind, Stre­cken­kennt­nis nicht nur an der Stra­ße fest macht und das Bedie­nen flott bedien­ba­rer Ein­stiegs- und Roll­stuhl- und Per­so­nen­rück­hal­te­sys­tem trai­niert hat, dann wür­de nicht mal eine bin­den­de Ver­pflich­tung zu Rol­li-WC-Stopps erschre­cken kön­nen.

        Klar­stel­lung bezüg­lich einer “For­de­rung nach roll­stuhl­ge­rech­tem WC an Bord der Fern­bus­se”: Der Roll­stuhl und der dar­in sit­zen­de Fahr­gast sind wäh­rend der Fahrt ohne­hin von den Rück­hal­te­sys­te­men fest­ge­zurrt (Soll-Zustand). Zum WC “gehen” oder “rol­len” kann so für die­se Per­so­nen­grup­pe nicht funk­tio­nie­ren, zumal Durch­gangs­brei­ten eher nicht pas­sen wer­den. Folg­lich erhe­ben weder die Ver­bän­de (soweit mir bekannt) noch ich eine sol­che For­de­rung, der man sich anschlie­ßen könn­te. Der (win­zi­ge) Vor­teil eines Onboard-Uni­ver­sal-WC wäre, daß bei einem Halt an fast belie­bi­ger Stel­le ein “Umla­den” in die dann vor­han­de­ne Toi­let­te mög­lich wäre. Bei Expe­di­tio­nen per Bus wäre das geni­al.

        Gera­de des­halb sind “Kom­pen­sa­ti­ons­maß­nah­men” so wich­tig. Im genann­ten Hand­buch ist das jedoch nur mit dem Sym­bol für “wei­ter­ge­hen­de, optio­na­le Maß­nah­men” ver­se­hen.

        Viel Erfolg bei der Wahl und
        mit freund­li­chen Grü­ßen
        Bernd Kit­ten­dorf

        • Matthias Gastel
          Matthias Gastel Reply

          Dan­ke für Ihren Kom­men­tar.

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