Trampen heute – Von der Mitfahrbank aus

01.02.2017

Die Mitfahrbank – Lückenschließer im ländlichen Raum

Die Mit­fahr­bank soll Men­schen hel­fen, spon­ta­ne Mit­fahr­ge­le­gen­hei­ten zu fin­den. Das Kon­zept kann eine Lösung sein, um Mobi­li­tät ohne eige­nes Auto zu ermög­li­chen und in Fahr­ge­mein­schaf­ten gemein­sam und umwelt­freund­li­cher unter­wegs zu sein.

Tram­pen kann heu­te anders funk­tio­nie­ren

Das Prin­zip ist ein­fach: Schild umklap­pen, war­ten, mit­fah­ren. Mehr ist nicht zu tun, wenn man eine Mit­fahr­bank nut­zen will. Neben den Bän­ken ste­hen Klapp­schil­der, mit denen man sein Fahrt­ziel ein­stel­len kann. So wird den vor­bei­fah­ren­den Autos signa­li­siert, wohin die oder der War­ten­de mit­ge­nom­men wer­den möch­te. Wenn ein Fah­rer in die­se Rich­tung fährt und die Per­son mit­neh­men möch­te, hält er an. Man kann sich über das jewei­li­ge Ziel aus­tau­schen und Fah­rer und mög­li­cher Mit­fah­rer kön­nen ent­schei­den, ob sie gemein­sam fah­ren wol­len. Das Kon­zept setzt auf Frei­wil­lig­keit.

Die ers­te Mit­fah­rer­bank in Deutsch­land wur­de in der Ver­bands­ge­mein­de Spei­cher im Eifel­kreis Bit­burg-Prüm vor dem Rat­haus auf­ge­stellt. Die Idee stammt von Ursu­la Ber­rens, die für die Ver­bands­ge­mein­de ein Mobi­li­täts­kon­zept erar­bei­tet. Mitt­ler­wei­le sind vier Bän­ke hin­zu­ge­kom­men und auch in umlie­gen­den Ort­schaf­ten ste­hen jetzt die tür­kis­far­be­nen Bän­ke. Aber auch in eini­gen ande­ren Gemein­den wie Büns­dorf in Schles­wig-Hol­stein und in Leut­kirch im All­gäu wur­de die Idee der Mit­fahr­bank auf­ge­grif­fen.

Alle die­se Gemein­den haben gemein­sam, dass der öffent­li­che Nah­ver­kehr nicht son­der­lich gut aus­ge­baut ist. In Spei­cher fah­ren die Bus­se nur weni­ge Male am Tag und am Wochen­en­de gar nicht, schil­dert Frau Ber­rens. Von einem Orts­teil zum nächs­ten oder zum Bahn­hof zu kom­men sei oft ohne Auto eigent­lich nicht mög­lich. Hier kom­men die Mit­fahr­bän­ke ins Spiel. Sie sol­len eine Ergän­zung zum spär­li­chen Bus­be­trieb sein. Vor allem Senio­ren und Jugend­li­chen, die kein Auto besit­zen, sol­len die Bän­ke ermög­li­chen, unab­hän­gig vom sel­ten fah­ren­den Bus und den eige­nen erwach­se­nen Kin­dern bzw. Eltern mobil sein zu kön­nen. Jugend­li­che kön­nen so ihre Freun­de im nächs­ten Ort besu­chen und Senio­ren kön­nen in der nächs­ten Stadt Ein­käu­fe täti­gen.

Als Mit­fahr­wil­li­ger stellt man sich die Fra­ge, wie lan­ge man war­ten muss, bis man mit­ge­nom­men wird und ob man über­haupt eine Mit­fahr­ge­le­gen­heit fin­det. In Spei­cher funk­tio­nie­re das, sagt Ber­rens. Es ist zwar von Fak­to­ren abhän­gig, wie dem Stand­ort der Bank, der Tages­zeit und dem Wet­ter, aber man kommt weg und meis­tens auch recht zügig. Wenn sie selbst die Bank nut­ze, bei­spiels­wei­se um zum Bahn­hof zu fah­ren, dann kom­me sie meist nach drei bis fünf Minu­ten weg, erzählt Ursu­la Ber­rens. Auch der Per­so­nen­fak­tor spielt eine Rol­le. „Als älte­rer Herr war­ten sie län­ger, als wenn da ein 19-jäh­ri­ges Mäd­chen sitzt,“ so Ber­rens.

Aus Leut­kirch, wo seit Anfang Dezem­ber 2016 eine Mit­fahr­bank steht, berich­tet der Orts­vor­ste­her Alo­is Peter „Benut­zer sind begeis­tert und es gibt wohl kei­ne lan­ge War­te­zei­ten.“ Er geht davon aus, dass die Nach­fra­ge ab Früh­jahr stei­gen wird, da der Win­ter im All­gäu sehr streng ist. Die Stadt Leut­kirch wird ver­su­chen, das Kon­zept auf alle Ort­schaf­ten aus­zu­bau­en.

Ursu­la Ber­rens ist es wich­tig, zu beto­nen, dass ihre Idee nur ein Lücken­schlie­ßer ist. Sie spricht von einer Micro­lö­sung, die den öffent­li­chen Nah­ver­kehr nicht erset­zen soll und auch nicht kann. Aber sie gibt den Men­schen mehr Mög­lich­kei­ten. Eigent­lich sei die Beför­de­rung auch der gerin­ge­re Teil, meint sie. Wich­ti­ger sei das sozia­le Mit­ein­an­der, das mit die­ser Idee geför­dert wer­de. Es geht auch dar­um, „dass sich die Men­schen in der Gemein­de bes­ser wahr­neh­men.“ Sie erzählt von Begeg­nun­gen mit Men­schen aus ihrem Ort, mit denen sie ohne die Mit­fahr­bank nie in Kon­takt gekom­men wäre.

Ver­si­che­rungs­tech­nisch ist eine Mit­fahr­bank unkom­pli­ziert. Als Mit­fah­rer ist man durch die KFZ-Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Fah­rers ver­si­chert, so Ber­rens. Auch eine Bank auf­zu­stel­len habe kei­ne haf­tungs­recht­li­chen fol­gen, denn die Benut­zung der Bank geschieht frei­wil­lig, ohne Ver­trag und ohne Bezah­lung.

Ein wei­te­rer Vor­teil der Mit­fahr­bank: Sie funk­tio­niert ana­log. Denn auch in Zei­ten der Digi­ta­li­sie­rung gibt es nicht über­all Han­dy­emp­fang. Wenn man zum Bei­spiel am Bahn­hof Spei­cher steht und kein Bus fährt, kann man nie­man­den anru­fen und sich abho­len las­sen. Aber es gibt ja die tür­ki­se Bank – und da kommt bestimmt jemand vor­bei und nimmt einen mit.

Quel­len:

- http://mitfahrerbank.com/

- http://www.zeit.de/mobilitaet/2016–02/mitfahrbank-land-mitfahrgelegenheit-pedelec/komplettansicht

- http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/so-geht-trampen-heute_-mitfahrbank-macht-mobil-14261121.html

- https://www.caritas.de/magazin/kampagne/stadt-land-zukunft/plattform/spontan-und-sicher-von-a-nach-b-kommen

 

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