Über das Für und Wider einer generalistischen Pflegeausbildung

Krankenpflegeschule

23.12.2015

Foto: Mit dem Lei­ter und Lehrer/innen der Kran­ken­pfle­ge­schu­le an der Fil­der­kli­nik in Fil­der­stadt.

 

Wenn es um die vor­ge­se­he­ne Reform des Pfle­ge­be­ru­fe­ge­set­zes geht, schla­gen die Wogen in der Fach­welt schnell hoch. In der Kran­ken­pfle­ge­schu­le an der Fil­der­kli­nik in Fil­der­stadt wer­den damit schon län­ger Erfah­run­gen gesam­melt.

Dass ich einer mög­li­chen Zusam­men­fas­sung der bis­her drei eigen­stän­di­gen Aus­bil­dungs­gän­ge für Alten‑, Kran­ken- und Kin­der­kran­ken­pfle­ge skep­tisch gegen­über ste­he, scheint sich her­um­ge­spro­chen zu haben. Jeden­falls lud mich die „Freie Kran­ken­pfle­ge­schu­le an der Fil­der­kli­nik“ zu einem Gespräch, das ein sehr aus­führ­li­ches wur­de, ein. Seit dem Jahr 2007 wird an die­ser von der Fil­der­kli­nik recht­lich unab­hän­gi­gen Schu­le gene­ra­lis­tisch aus­ge­bil­det. Es han­delt sich um ein Modell­pro­jekt, des­sen Geneh­mi­gung immer wie­der ver­län­gert wur­de. In der drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung wer­den 12 Lern­fel­der behan­delt. Eines davon lau­tet „Pfle­ge­han­deln an Lebens­lauf und Ent­wick­lung ori­en­tie­ren“. Dar­an wird der Abschied vom Den­ken in der Drei­glie­de­rung von Kinder‑, Kran­ken- und Alten­pfle­ge deut­lich. Die Pra­xis­ein­sät­ze wur­den für die Gene­ra­li­sie­rung erheb­lich erwei­tert. Das Spek­trum umfasst weit mehr als den kli­ni­schen Bereich und schließt bei 30 Koope­ra­ti­ons­part­nern bei­spiels­wei­se auch Alten­hei­me und Hos­pi­ze mit ein. Am Ende wird auf dem Aus­bil­dungs­zeug­nis der staat­lich aner­kann­te Abschluss „Gesund­heits- und Kran­ken­pfle­ge“ mit dem Zusatz­zer­ti­fi­kat „Gene­ra­lis­ti­sche Aus­bil­dung“ abge­bil­det. Die­ser wird auch im euro­päi­schen Aus­land aner­kannt.

Der Schul­lei­ter und die Fach­leh­re­rIn­nen wie­sen im Gespräch dar­auf hin, dass aus ihrer Sicht die medi­zi­ni­schen Anfor­de­run­gen in der Alten­pfle­ge gestie­gen sind, dem aber die bis­he­ri­ge Alten­pfle­ge­aus­bil­dung nicht gerecht wird. Sie waren sich einig, dass die gene­ra­lis­ti­sche Aus­bil­dung zu hohen beruf­li­chen Hand­lungs­kom­pe­ten­zen, guten Basis­kom­pe­ten­zen, einer hohen Anly­se- und Ref­e­xi­ons­fä­hig­keit sowie Fle­xi­bi­li­tät und hoher Moti­va­ti­on zu lebens­lan­gem Ler­nen führt. Ihr Fazit: „Wir wol­len nicht mehr zurück zu den sich von­ein­an­der abgren­zen­den Berufs­bil­dern“.

Mein per­sön­li­ches Fazit: Das, was mir prä­sen­tiert wur­de, hat mir einen Teil mei­ner Skep­sis genom­men. Dass die fach­li­che Tie­fe gera­de in der Kin­der­kran­ken­pfle­ge nicht die im klas­si­schen Aus­bil­dungs­gang sein kann, bleibt aber ein Kri­tik­punkt. Was mir auch bewusst wur­de: Aus Sicht der Kran­ken­pfle­ge ist der Weg zu einer gene­ra­lis­ti­schen Aus­bil­dung deut­lich kür­zer als der von der Alten­pfle­ge aus­ge­hen­de Weg. Die­se Aus­bil­dung wür­de weit­aus kom­ple­xer wer­den als bis­her. Vie­le von den­je­ni­gen, die heu­te eine Aus­bil­dung in der Alten­pfle­ge ein­ge­schla­gen haben, hät­ten mit einer umfas­sen­de­ren, gene­ra­li­sier­ten Aus­bil­dung Pro­ble­me. Ein Aus­weg könn­te fol­gen­der sein: Die Kin­der­kran­ken­pfle­ge bleibt als eigen­stän­di­ge Aus­bil­dung bestehen. Recht­lich gese­hen gibt es für die Fach­kräf­te der Kin­der­kran­ken­pfle­ge ohne­hin kei­ne Hür­den, Tätig­kei­ten in der Kran­ken- oder Alten­pfle­ge zu über­neh­men. Unab­hän­gig davon, ob es zu einer Zusam­men­le­gung von Kran­ken- und Alten­pfle­ge­hil­fe kommt, soll­te unbe­dingt die bis­he­ri­ge ein­jäh­ri­ge Hel­fer-Aus­bil­dung refor­miert wer­den. Sie könn­te auf ein­ein­halb oder zwei Jah­re ver­län­gert und dafür mit zusätz­li­chen pra­xis­na­hen Lehr­in­hal­ten gefüllt wer­den, die auch mit den Kas­sen abge­rech­net wer­den kön­nen. Mit die­ser auf­ge­wer­te­ten Kurz­aus­bil­dung bekä­men dann auch weni­ger lern­star­ke Men­schen eine Per­spek­ti­ve in einem Beruf, der auf dem Arbeits­markt nach­ge­fragt ist. Wich­tig ist dann aber, dass auf die­se Kurz­aus­bil­dung auf­ge­baut wer­den kann und eine spä­te­re Voll­aus­bil­dung zur drei­jäh­rig exami­nier­ten Fach­kraft mög­lich bleibt.

Was ich auch wich­tig fin­de: Die inter­dis­zi­pli­nä­re Team­ar­beit in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen soll­te bewuss­ter und geziel­ter als Chan­ce gese­hen wer­den. Alle am Pfle­ge­pro­zess betei­lig­ten Fach­kräf­te, Ärz­te, Ergo­the­ra­peu­tin­nen, Sozi­al­ar­bei­ter etc. kön­nen ihr spe­zi­fi­sches Wis­sen und ihren jewei­li­gen Blick auf das Kind bzw. den kran­ken oder pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen ein­brin­gen, statt iso­liert von­ein­an­der ihrer jewei­li­gen Pro­fes­si­on nach­zu­ge­hen. Wäh­rend eines län­ge­ren Prak­ti­kums in der Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie habe ich eine sol­che Arbeits­wei­se als berei­chernd ken­nen und schät­zen gelernt.

 

 

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