Überblick über Bahnverkehr am Bodensee

05.08.2019

Im Stellwerk den Verspätungen auf der Spur

Gemein­sam mit mei­ner Kon­stan­zer Land­tags­kol­le­gin Nese Eri­kli habe ich die Fahr­dienst­lei­ter im Stell­werk Radolf­zell besucht und mich vor Ort über deren Arbeit infor­miert. Vom Radolf­zel­ler Stell­werk aus wird der Bahn­ver­kehr zwi­schen Sin­gen, Allens­bach, Stah­rin­gen und Stock­ach gesteu­ert. Genau­er gesagt wer­den – in der Regel von vier Uhr mor­gens bis teil­wei­se weit nach Mit­ter­nacht – die Wei­chen und Signa­le für täg­lich 190 Zug­fahr­ten gesteu­ert.

Da die ein­glei­si­ge Boden­see­gür­tel­bahn (Radolf­zell – Fried­richs­ha­fen) unmit­tel­bar und die teil­wei­se eben­falls ein­glei­si­ge Gäu­bahn (Sin­gen – Stutt­gart) indi­rekt an den Radolf­zel­ler Stell­werks­be­reich angren­zen und als ver­spä­tungs­an­fäl­li­ge Stre­cken gel­ten, haben wir uns vor allem für die­se und wei­te­re Ursa­chen für Ver­spä­tun­gen im Bahn­ver­kehr inter­es­siert. Neben den ein­glei­si­gen Stre­cken, bei denen sich Ver­spä­tun­gen bei einem ein­zi­gen Zug schnell auf ande­re Züge über­tra­gen, kom­men immer wie­der Stö­run­gen an den ver­hält­nis­mä­ßig vie­len Bahn­über­gän­gen hin­zu. Aktu­ell ist ein Signal bei Stah­rin­gen defekt, wes­halb die Züge dort lang­sa­mer fah­ren müs­sen als sonst. Da es sich bei dem benö­tig­ten Ersatz­teil um kein Stan­dard­bau­teil han­delt und die­ses daher nicht im Lager vor­ge­hal­ten wird, konn­te das Signal seit einem Monat nicht repa­riert wer­den. Nese und ich konn­ten vom Stell­werk aus mit­ver­fol­gen, wie sich eine der typi­schen Ver­spä­tun­gen ent­wi­ckelt: Ein IRE aus Rich­tung Fried­richs­ha­fen kom­mend erreich­te Radolf­zell mit leich­ter Ver­spä­tung von weni­gen Minu­ten. Da Züge, die wie die­ser Inter­re­gio­nal­ex­press, län­ge­re Stre­cken fah­ren, in der Dis­po­si­ti­on bevor­zugt wer­den, konn­te eine Regio­nal­bahn, die in die glei­che Rich­tung fah­ren woll­te, erst nach Abfahrt des IRE mit zwei Minu­ten Ver­spä­tung den Bahn­hof ver­las­sen. Nicht sel­ten kommt es in ver­gleich­ba­ren Fäl­len auch zu grö­ße­ren Ver­spä­tun­gen.

Für uns ist klar: Die Gäu­bahn muss zwei­glei­sig aus­ge­baut wer­den und bei der Boden­see­gür­tel­bahn müs­sen zumin­dest zwei­glei­si­ge Stre­cken­ab­schnit­te sowie die Elek­tri­fi­zie­rung hin­zu­kom­men.

Von „oben“ hat­ten wir auch einen guten Blick auf die Gleis­la­ge im Radolf­zel­ler Bahn­hof. Da der Rück­bau von Gleis 1 zu einem Kopf­gleis im Rau­me steht, haben wir dies genau ange­schaut und ange­spro­chen. Mit der Ver­kür­zung von Gleis 1 wür­den womög­lich drei Abstell­glei­se ent­fal­len. Dies soll­te in Inter­es­se der betrieb­li­chen Fle­xi­bi­li­tät unbe­dingt ver­mie­den wer­den.

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