Umstellung auf E‑Autos und die Arbeitsplätze

02.10.2019

Gespräch mit der IG Metall

Auf Ein­la­dung mei­ner Frak­ti­ons­kol­le­gin Bea­te Mül­ler-Gemme­ke und mir haben eini­ge Mit­glie­der der Grü­nen die Stu­die „Trans­for­ma­ti­on Elek­tro­mo­bi­li­tät in der Regi­on Stutt­gart“ vor­ge­stellt bekom­men und dis­ku­tiert.

Die vom IMU-Insti­tut im Auf­trag der Wirt­schafts­för­de­rung Regi­on Stutt­gart und der IG Metall Regi­on Stutt­gart erstell­te Stu­die führ­te eine detail­lier­te Betrof­fen­heits­ana­ly­se durch, um die Beschäf­ti­gungs­ef­fek­te im regio­na­len Auto­mo­bil­clus­ter zu iden­ti­fi­zie­ren. Dem­nach sind in der Regi­on 210.000 Beschäf­tig­te (lan­des­weit: 485.000) direkt oder indi­rekt vom Auto­mo­bil­bau abhän­gig, wor­un­ter neben den direkt bei den Auto­bau­ern Beschäf­tig­ten auch die der Kom­po­nen­ten- und Tei­le­zu­lie­fe­rer, Ent­wick­lungs-Dienst­leis­ter, Arbeit­neh­mer­über­las­sung sowie des Han­dels und Kfz-Hand­werks gehö­ren. 26.600 Beschäf­tig­te sind ganz unmit­tel­bar von der Trans­for­ma­ti­on zur E‑Mobilität betrof­fen.

Exkurs: Ein aktu­el­ler Struk­tur­be­richt des „Insti­tuts der ange­wand­te Wirt­schafts­for­schung“ (IAW) im Auf­trag der IG Metall Regi­on Stutt­gart, der Hand­werks­kam­mer Regi­on Stutt­gart und der IHK sowie des Ver­band Regi­on Stutt­gart stellt fest, dass die Zahl der Arbeits­plät­ze im pro­du­zie­ren­den Gewer­be der Regi­on im Ver­hält­nis zum Dienst­leis­tungs­be­reich seit Jah­ren sin­ken. Im Jahr 2018 sei­en dem­nach 67 Pro­zent aller Beschäf­tig­ten im Dienst­leis­tungs­be­reich und 33 Pro­zent im pro­du­zie­ren­den Gewer­be tätig gewe­sen, wobei hier der Alters­durch­schnitt beson­ders hoch sei. Die Fraun­ho­fer-Stu­die „Per­spek­ti­ven des Wirt­schafts­stand­orts Deutsch­land in Zei­ten zuneh­men­der Elek­tro­mo­bi­li­tät“ (2017) geht davon aus, dass die Anzahl der im Auto­mo­bil­bau bestehen­den Arbeits­plät­ze gehal­ten wer­den kann, wenn Deutsch­land sei­ne Posi­ti­on im Export bei­be­hal­ten kann und auch eine Rol­le bei der Zell­pro­duk­ti­on spielt. Dabei dürf­ten aber nicht nur Arbeits­platz­ef­fek­te im Auto­mo­bil­bau betrach­tet wer­den, son­dern auch die bei­spiels­wei­se in der Ener­gie­wirt­schaft und bei der Lade­säu­len­pro­duk­ti­on und ‑errich­tung. Eine Auto-Stu­die der „European Cli­ma­te Foun­da­ti­on“ (ECF) geht gar unter dem Strich von zusätz­li­chen Arbeits­plät­zen aus, die unter ande­rem in der Ener­gie­bran­che ent­ste­hen, da die zukünf­ti­gen Autos natio­nal erzeug­ten Strom statt impor­tier­tes Öl bräuch­ten. Eine Stu­die des „Cen­ter Auto­mo­ti­ve Rese­arch“ (CAR) der Uni Duis­burg-Essen wie­der­um geht von bun­des­weit 234.000 weg­fal­len­den und 109.000 neu ent­ste­hen­den Stel­len und damit einem Arbeits­platz­ver­lust aus, betrach­te­te dabei aber nur die Auto­mo­bil­in­dus­trie und ihre Zulie­fe­rer im enge­ren Sin­ne.

Die Ver­drän­gung des Ver­bren­nungs­mo­tors durch bat­te­rie­elek­tri­sche Antrie­be führt zu gegen­läu­fi­gen Effek­ten: An einer Stel­le ent­fällt Beschäf­ti­gung, wäh­rend an ande­rer Stel­le neue ent­steht. Das bat­te­rie­elek­tri­sche Auto ist weni­ger arbeits­auf­wän­dig als das mit Ver­bren­nungs­mo­tor, woge­gen Hybrid­an­trie­be am beschäf­ti­gungs­in­ten­sivs­ten sind. Beim „pro­gres­si­ves Sze­na­rio“, wonach im Jahr 2030 bat­te­rie­elek­tri­sche Antrie­be einen Anteil von 52 Pro­zent haben, ist mit einem Beschäf­ti­gungs­ab­bau von 10.000 Stel­len zu rech­nen, so die Stu­die. Geht der Wan­del deut­lich lang­sa­mer von­stat­ten (womit nicht gerech­net wird) ist mit einem Beschäf­ti­gungs­plus zu rech­nen. Am stärks­ten gefähr­det sind Arbeits­plät­ze am Antriebs­strang, bei der Kom­po­nen­ten­fer­ti­gung und im Bereich For­schung + Ent­wick­lung, wobei letz­te­rer Bereich bereits Teil des lau­fen­den Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses sind. In der Dis­kus­si­on wur­den wir dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in den meis­ten Sze­na­ri­en der Druck auf die Beschäf­ti­gung durch die Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung stär­ker wirkt als die Trans­for­ma­ti­on zum E‑Antrieb.

In der Stu­die wird gefor­dert, den Struk­tur­wan­del früh­zei­tig zu gestal­ten und dabei den Fokus vor allem auf die klei­nen und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men zu legen. Kon­kret wer­den emp­foh­len: För­de­rung betrieb­li­cher Inno­va­tio­nen, Bera­tungs­an­ge­bo­te für KMU, Qua­li­fi­zie­rung („Qua­li­fi­zie­rung Elek­tro­mo­bi­li­tät“) der Beschäf­tig­ten. Was geschieht mit den Men­schen, die weni­ge Jah­re vor der Ren­te ste­hen? Die­se Frag haben wir aus­gie­big dis­ku­tiert. In Fra­ge kommt die Alters­teil­zeit, wenn sich die Betrof­fe­nen nicht mehr auf not­wen­di­ge Umschu­lun­gen ein­las­sen wol­len. Die IGM-Ver­tre­ter bemän­gel­ten, dass es in vie­len Betrie­ben kei­ne sys­te­ma­ti­sche Über­sicht über die Anzahl der Betrof­fe­nen die­ser Alters­stu­fe gäbe.

Eine Umfra­ge der IG Metall in Baden-Würt­tem­berg ergab eine Ver­schlech­te­rung der Stim­mung unter Betriebs­rä­ten im Auto­mo­bil- und Zulie­fe­rer­be­reich. Kon­kret wird in rund der Hälf­te der Betrie­be von einem Rück­gang der Auf­trags­ein­gän­ge und Ver­schlech­te­run­gen der wirt­schaft­li­chen Lage aus­ge­gan­gen. Hier­bei über­la­gern sich, aus­ge­hend von einem hohen/positiven Niveau ver­schie­de­ne Ent­wick­lun­gen: Ein Kon­junk­tur­ab­schwung, Ver­la­ge­run­gen von Pro­duk­ti­ons­stät­ten in ande­re Län­der, Digi­ta­li­sie­rung und eben der Trend zur Elek­tro­mo­bi­li­tät.

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