Viele Neubaustrecken-Sperrungen stehen an

29.01.2021

Für ETCS sind später erneute Sperrungen nötig

In den letz­ten 30 Jah­ren wur­den in Deutsch­land eini­ge Neu­bau­stre­cken der Bahn für den Hoch­ge­schwin­dig­keits­ver­kehr in Betrieb genom­men. Eine Anfra­ge von mir an die Bun­des­re­gie­rung zeigt: Es ste­hen eini­ge Stre­cken­sper­run­gen für Sanie­rungs­maß­nah­men an.

Auf­at­men gab es im Novem­ber letz­ten Jah­res, als die 99 Kilo­me­ter lan­ge Renn­pis­te zwi­schen Stutt­gart und Mann­heim nach 205 Tagen Sper­rung und einer rund 45 Minu­ten län­ge­ren Umlei­tungs­stre­cke wie­der in Betrieb ging. Wei­te­re Stre­cken­sper­run­gen für Sanie­run­gen sind abseh­bar. Zwi­schen April und Juli wird die Stre­cke Göt­tin­gen – Kas­sel voll­ge­sperrt. Dies dürf­te erheb­li­che Rei­se­zeit­ver­län­ge­rung zur Fol­ge haben. Ful­da – Würz­burg ist von Juni bis Dezem­ber 2022 an der Rei­he. Zwi­schen Ham­burg und Ber­lin wur­de mit viel Tam­tam ein (nicht ganz durch­ge­hen­der) „Halb­stun­den­takt“ ein­ge­führt, doch im Sep­tem­ber wird er   schon wie­der ein­ge­stellt – denn dann wird die Stre­cke bis min­des­tens Dezem­ber 2021 voll­ge­sperrt (!). Im Som­mer 2024 wird die Rhein­tal­bahn auf dem Abschnitt zwi­schen Rast­statt und Offen­burg voll gesperrt. Dies stellt nur einen klei­nen Über­blick über anste­hen­de Sanie­run­gen unter Voll­sper­rung dar.

Lei­der ist nach der Sper­rung vor der Sper­rung. Denn weder zwi­schen Stutt­gart und Mann­heim wur­den die Sperr­pau­sen genutzt, um die­se mit der zukünf­ti­gen Zug­si­che­rungs­tech­nik ETCS aus­zu­rüs­ten, noch ist dies bei den kom­men­den Sanie­run­gen vor­ge­se­hen. Dies zeigt, dass wir in Deutsch­land bei der Digi­ta­li­sie­rung hin­ter­her­hin­ken. ETCS ist das neue Zug­si­che­rungs­sys­tem, das die aktu­el­len Zug­si­che­rungs­sys­te­me, ins­be­son­de­re das auf Schnell­fahrt­stre­cken ablö­sen wird. Zudem wür­de ETCS die Tun­nel­be­geg­nungs­ver­bo­te bes­ser umset­zen las­sen. In den Tun­nel­an­la­gen ohne fahrt­rich­tungs­ge­trenn­te Röh­ren dür­fen sich aus Sicher­heits­grün­den kei­ne Per­so­nen- und Güter­zü­ge begeg­nen. Mit ETCS könn­te sich die­se Sicher­heits­an­for­de­rung ein­fa­cher und mit gerin­ge­ren Kapa­zi­täts­ver­lus­ten umset­zen. Das Trost­pflas­ter für die erneu­ten Sper­run­gen: Sie wer­den vor­aus­sicht­lich weni­ger lan­ge sein, denn der größ­te Teil der Umrüs­tung auf das neue Siche­rungs­sys­tem benö­tigt kei­ne Voll­sper­rung der Strecke.

Stutt­gart – Mannheim

Die Tras­sie­rung der Stre­cke ermög­licht eine maxi­ma­le Geschwin­dig­keit von 300 Stun­den­ki­lo­me­ter. Eisen­bahn­tech­nisch aus­ge­rüs­tet ist sie für Tem­po 280. Die­se Geschwin­dig­keit wird heu­te nur im Ver­spä­tungs­fall aus­ge­fah­ren. Eine Erhö­hung der Geschwin­dig­keit im Regel­fall könn­te hel­fen, die für einen inte­gra­len Takt­fahr­plans etwas unpas­sen­de Fahr­zeit von knapp über einer hal­ben Stun­de zu sen­ken. Aktu­ell ist jedoch eine sol­che Erhö­hung auf 280 oder 300 Stun­den­ki­lo­me­ter nicht geplant. Dafür gibt die Deut­sche Bahn an, dass die erhöh­te Fahr­zeit die Kapa­zi­tät redu­zie­ren wür­de. Dies liegt unter ande­rem an den IRE-Zügen, die die Stre­cke eben­falls in Tei­len befah­ren. Zudem muss berück­sich­tigt wer­den, dass der Ener­gie­ver­brauch ansteigt, bei 300 Stun­den­ki­lo­me­ter im Ver­gleich zu 250 Stun­den­ki­lo­me­ter um 31 Pro­zent. Auch die damals noch übli­chen Tun­nels ohne fahrt­rich­tungs­ge­trenn­te Röh­ren könn­ten ein Pro­blem sein.

Die not­wen­di­ge Fahr­zeit­ver­kür­zung für den Deutsch­land­takt auf mög­lichst knapp unter 30 Minu­ten soll also nicht durch höhe­re Geschwin­dig­kei­ten auf der Neu­bau­stre­cke erreicht wer­den. Viel­mehr ist vor­ge­se­hen, die in Stutt­gart-Zuf­fen­hau­sen enden­de Neu­bau­stre­cke in Form zusätz­li­cher Glei­se in Rich­tung Haupt­bahn­hof zu ver­län­gern, um län­ger mit Tem­po 280 (Deut­sche Bahn: „min­des­tens 280 km/h“) fah­ren zu kön­nen. Außer­dem ist ein Aus­bau m Bahn­hof in Mann­heim vor­ge­se­hen, um dort schnel­le­re Ein- und Aus­fahr­ten zu ermög­li­chen. Womög­lich wäre es aber sinn­voll, die bestehen­de Stre­cke auf 300 Stun­den­ki­lo­me­ter umzu­bau­en, um den inte­gra­len Takt­fahr­plans bes­ser umset­zen zu kön­nen oder Ver­spä­tun­gen abzu­bau­en zu können.

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