Vor Ort bei der Seilbahn in Koblenz

Seilbahn Koblenz3

31.10.2015

Kann eine Seil­bahn einen Bei­trag zur Lösung urba­ner Ver­kehrs­pro­ble­me leis­ten? Zumin­dest in Deutsch­land gibt es dafür noch kei­ne Bei­spie­le. In Koblenz kann man sich einer Ant­wort auf die­se Fra­ge aber zumin­dest annä­hern.

Ende Okto­ber war ich gemein­sam mit mei­ner Frak­ti­ons­kol­le­gin Tabea Röß­ner in Koblenz, tes­te­te die dor­ti­ge Seil­bahn und sprach mit dem Geschäfts­füh­rer. Die Seil­bahn ging im Jahr 2011 im Zusam­men­hang mit der Bun­des­gar­ten­schau in Betrieb. Sie ver­bin­det das Deut­sche Eck über den Rhein mit der Fes­tung Ehren­breit­stein. Betrie­ben wird sie von einem Toch­ter­un­ter­neh­men des Her­stel­lers Dop­pel­may­er. Die Inves­ti­ti­ons­kos­ten in Höhe von 12 Mil­lio­nen Euro wur­den vom Her­stel­ler getra­gen, der sich damit eine Refe­renz­an­la­ge geschaf­fen hat. Und auch der Betrieb erfolgt eigen­wirt­schaft­lich. Jede der 18 Kabi­nen, von denen jede bis zu 35 Fahr­gäs­ten fasst, hängt an zwei Sei­len, die auch bei star­kem Wind für Sta­bi­li­tät sor­gen. Die Zugän­ge erfol­gen bar­rie­re­frei durch brei­te Türen. Men­schen im Roll­stuhl kön­nen die Seil­bahn pro­blem­los nut­zen und auch die Fahr­rad­mit­nah­me ist mög­lich. Die maxi­ma­le För­der­leis­tung liegt bei 3.600 Per­so­nen pro Stun­de und Rich­tung – das ist Welt­re­kord! Das Unter­neh­men rech­net vor: Dies ent­spricht 76 Bus- oder 1.520 Auto­fahr­ten. 85 Pro­zent der Nut­ze­rIn­nen sind Tou­ris­tIn­nen, schätzt die Betrei­ber­ge­sell­schaft. Die rest­li­chen 15 Pro­zent der Fahr­gäs­te woh­nen in den Stadt­tei­len unweit der Fes­tung auf dem Berg. Die Fahrt mit der Gon­del ist nicht mit einem Ticket des städ­ti­schen Nah­ver­kehrs mög­lich. Dies stellt aus mei­ner Sicht einen gra­vie­ren­den Nach­teil dar und macht deut­lich, dass die Seil­bahn eben doch nicht wirk­lich einen Teil des ÖPNV dar­stellt, son­dern sepa­rat gedacht wird. Und doch lohnt es sich, Seil­bah­nen für die Ergän­zung urba­ner Mobi­li­täts­an­ge­bo­te end­lich mal näher zu betrach­ten. Denn die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand: Gerin­ger Platz­ver­brauch (nur für die Sta­tio­nen und Stüt­zen, Spann­wei­te bis zu drei Kilo­me­ter), pro­blem­lo­se Über­win­dung von Höhen­un­ter­schie­den, Unab­hän­gig­keit vom Stra­ßen­ver­kehr, durch gerad­li­ni­ge Stre­cken­füh­rung schnel­le und attrak­ti­ve Ver­bin­dun­gen. Für Städ­te wie Stutt­gart, in denen der Aus­bau des ÖPNV, bestehend aus Bus­sen und Bah­nen, an sei­ne Gren­zen stößt, könn­ten Mach­bar­keits­stu­di­en Poten­tia­le von Seil­bah­nen näher beleuch­ten.

 

 

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