Wasser für vier Millionen in Baden-Württemberg

Wo wird unser Boden­see-Was­ser gewon­nen, wie wird es gerei­nigt und wel­chen Weg nimmt das kost­ba­re Nass zu uns Verbraucher/innen? Dar­über habe ich mich vor Ort bei der Boden­see-Was­ser­ver­sor­gung in Sipp­lin­gen infor­miert.

Steil geht es vom See aus den Berg hin­auf. Mehr als 300 Höhen­me­ter müs­sen bis zu den Anla­gen der Was­ser­ver­sor­gung über­wun­den wer­den. Im See wird in 60 Meter Tie­fe an drei neben­ein­an­der lie­gen­den Ent­nah­me­stel­len das Was­ser ab- und den Berg hin­auf­ge­pumpt. Der Bereich der Ent­nah­me­stel­len ist mit Bojen gekenn­zeich­net, die ein Ver­bot für Boo­te bedeu­ten. In 60 Metern Tie­fe hat das Was­ser ganz­jäh­rig etwa 5,6 Grad. In den letz­ten 70 Jah­ren stieg die Was­ser­tem­pe­ra­tur um 1,5 Grad. In noch kür­ze­rer Zeit brei­te­te sich die Quag­gamu­schel aus. Die ein­ge­schlepp­te Art, die vor 10 Jah­ren erst­mals fest­ge­stellt wur­de, brei­tet sich schnell aus und setzt sich an Sie­ben und Roh­ren fest. Vor­teil der Muschel ist, dass sie das Was­ser rei­nigt. Doch sie muss auf­wän­dig von den Anla­gen ent­fernt wer­den, was Arbeits­zeit und Geld kos­tet. Zukünf­ti­ge Anla­gen müs­sen „rei­ni­gungs­fä­hi­ger“ beschaf­fen sein. Die Muschel kann, sehr grob geschätzt, zu Was­ser­preis­er­hö­hun­gen im Bereich von 10 bis 15 Pro­zent füh­ren. Auch dar­über hin­aus besteht Sanie­rungs­be­darf, da die meis­ten Anla­gen aus den Anfän­gen von vor 70 Jah­ren stam­men. In den nächs­ten 20 Jah­ren wer­den über zwei Mil­li­ar­den Euro inves­tiert wer­den müs­sen.

Mei­ne Begleiter/in und ich konn­ten uns die Anla­gen anschau­en. Wir sahen das Becken, in dem das Was­ser aus dem See kräf­tig spru­delnd erst­mals die Lei­tung ver­lässt. Wir sahen die Sieb- und die Ozon­rei­ni­gung. Für den Trans­port­weg wird das Was­ser leicht gechlort. Das Chlor baut sich schnell ab. Für län­ge­re Trans­port­we­ge muss daher zwi­schen­ge­chlort wer­den. Übri­gens führt das Rohr­sys­tem vom Sipp­lin­ger Berg mit natür­li­chem Gefäl­le bis in den Oden­wald, also den nörd­li­chen Rand von Baden-Würt­tem­berg. Das Gefäl­le sorgt dafür, dass – mit Aus­nah­me in höher gele­ge­ne Orten abseits der Haupt­lei­tun­gen – nicht gepumpt wer­den muss. Ver­sorgt wer­den vier Mil­lio­nen Men­schen in über 300 Kom­mu­nen. Der Strom für die Pum­pen zur Beför­de­rung des Was­sers vom See auf den Berg wird zuneh­mend durch Pho­to­vol­ta­ik selbst gewon­nen. Wind­kraft­an­la­gen befin­den sich in Über­le­gung.

Der Boden­see ist so reich an Was­ser, dass kein unmit­tel­ba­rer Man­gel droht. Jedoch stel­len die Auf­be­rei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten und das Lei­tungs­netz limi­tie­ren­de Fak­to­ren dar. Die Anzahl der Tage, an denen die Kapa­zi­tä­ten voll aus­ge­schöpft wer­den, neh­men zu. Dazu tra­gen die zuneh­men­de Anzahl an Pools und die Bewäs­se­rung land­wirt­schaft­li­cher Flä­chen beson­ders bei.

Wei­te­re The­men, die wir bespra­chen, waren die Mine­ra­li­en im Was­ser („Wir müs­sen uns vor kei­nem Mine­ral­was­ser ver­ste­cken“, so einer der Geschäfts­füh­rer) sowie die ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men zum Schutz des Was­sers.

Übri­gens: 1.000 Liter Trink­was­ser kos­ten die Ver­brau­che­rin bzw. den Ver­brau­cher 2,79 Euro, also gera­de ein­mal knapp 0,3 Cent pro Liter (Preis für Fil­der­stadt). Das Was­ser wird eng über­wacht und ent­hält lebens­wich­ti­ge Mine­ra­li­en. Man kann sich also viel Geld für „Fla­schen­was­ser“ spa­ren und zugleich Lkw-Trans­por­te ver­mei­den. Zudem ent­fällt das Schlep­pen von Kis­ten und Gebin­den.