Wie sich rechte Milieus den Naturschutz zu Eigen machen

01.09.2022

Nabu untersuchte Instrumentalisierung

Immer wie­der wird ver­sucht, The­men und Ziel­kon­flik­te im Natur­schutz auch dafür zu nut­zen, um men­schen­ver­ach­ten­de Welt­bil­der zu ver­brei­ten. Mit die­sen Ver­su­chen befass­te sich eine Stu­die[1], die im Auf­trag des Natur­schutz­bun­des Deutsch­land (Nabu) erstellt wur­de. Ich gebe hier eine eige­ne Zusam­men­fas­sung wie­der.

In der Stu­die wird dar­auf ver­wie­sen, dass rechts­extre­me Krei­se (AfD, NPD, Der Drit­te Weg) ger­ne den Bogen von der Lie­be der Deut­schen zu ihren Wäl­dern zu Denk­mus­tern der Ideo­lo­gien von “Lebens­raum“ und „Volks­ge­mein­schaft“ span­nen. Rechts­ra­di­ka­le nut­zen den Natur­schutz als Ein­falls­tor in die Mit­te der Gesell­schaft und geben dabei nicht immer gleich ihre Gesin­nung zu erken­nen. Dabei kommt ihnen gele­gen, dass Natur­ver­bun­den­heit und der Schutz der Umwelt grund­sätz­lich posi­tiv besetzt sind. Geziel­te Pro­gram­me zum Schutz der Umwelt blei­ben jedoch aus. Mehr noch: Der (durch uns Men­schen beschleu­nig­te) Kli­ma­wan­del wird geleug­net. Infol­ge des­sen wird die Not­wen­dig­keit, erneu­er­ba­re Ener­gien aus­zu­bau­en, nicht erkannt und gegen Wind­kraft pole­mi­siert („Arten­mas­sa­ker“). So kann man sich als kom­pro­miss­lo­se Natur- und Arten­schüt­zer prä­sen­tie­ren – wenn­gleich die­se The­men als Mit­tel zum Zweck gesetzt wer­den. Einer Lösung der nicht zu leug­nen­den Ziel­kon­flik­te wird nicht ange­strebt und eine in Fach­krei­sen übli­che Abwä­gung wird unter­las­sen. In Land­wirt­schafts­krei­sen wird hin­ge­gen ger­ne Stim­mung gegen den Natur­schutz gemacht, indem ein­deu­tig „eine Stoß­rich­tung gegen umwelt­ver­träg­li­che Land­wirt­schaft“ gefah­ren wird. Er wird erzählt, der deut­sche Bau­er lei­de unter zu vie­len Umwelt­auf­la­gen, so bei­spiels­wei­se für die Begren­zung der Nitrat­aus­brin­gung. Für eige­ne Zwe­cke miss­braucht wird auch der Hei­mat-Begriff. Ver­tre­ten wird ein ein­engen­der, aus­gren­zen­der und völ­ki­scher Hei­mat­be­griff, in dem Her­kunft und spe­zi­el­le Merk­ma­le ent­schei­dend sind. Ein dyna­mi­sches Ver­ständ­nis wür­de auf Offen­heit und Mit­ge­stal­tungs­be­reit­schaft set­zen. Dabei wer­den in rech­ten Krei­sen Par­al­le­len gezo­gen zwi­schen inva­si­ven Arten und deren Aus­wir­kun­gen in der hei­mi­schen Flo­ra und Fau­na mit glo­ba­len Wan­de­rungs­be­we­gun­gen, die dafür sor­gen wür­de, dass „die ein­hei­mi­sche Bevöl­ke­rung aus­ster­be“. Der Kampf gegen das Frem­de steht im Mit­tel­punkt. Unver­kenn­ba­re Pro­ble­me aus der Natur wer­den also direkt auf die mensch­li­che Gesell­schaft über­tra­gen. Die­se kann jedoch, wor­auf ich hin­wei­sen möch­te, anders als die Natur, Spiel­re­geln für Zuwan­de­rung und Zusam­men­le­ben auf­stel­len.

[1] Prof. Dr. Wolf­gang Schroe­der (Uni­ver­si­tät Kas­sel), Dr. Hans-Wer­ner Frohn (Stif­tung Natur­schutz­ge­schich­te) und Mit­ar­beit wei­te­rer Per­so­nen. Für die Stu­die wur­de in den Jah­ren 2018 bis 2021 in rech­ten Publi­ka­tio­nen, Platt­for­men und Social Media recher­chiert.