Wie ticken Jugendliche in Sachen Mobilität?

Motion blurred bicyclists in traffic

06.05.2016

“Wie ticken Jugend­li­che in Sachen Mobi­li­tät?” Dies ist eine der Fra­ge­stel­lun­gen der aktu­el­len Sinus-Jugend­stu­die, bei der Jugend­li­che im Alter von 14 bis 17 Jah­ren befragt wur­den. Hier fas­se ich eini­ge der zen­tra­len Ergeb­nis­se zusam­men.

Mobi­li­tät bedeu­tet für Jugend­li­che nicht nur, zur Schu­le, dem Aus­bil­dungs­platz oder zu Freun­den gelan­gen zu kön­nen, son­dern auch eine Los­lö­sung von den Eltern. Die Abwä­gung ver­schie­de­ner Mobi­li­täts­al­ter­na­ti­ven ist neben per­sön­li­chen Vor­lie­ben in beson­de­rer Wei­se geprägt von den Mög­lich­kei­ten des Alters (Mofa-Füh­rer­schein ab 15, Moped-Füh­rer­schein ab 16 und Auto-Füh­rer­schein ab 17/18 Jah­ren), den Finanz­mit­teln sowie der Fahr­be­reit­schaft der Eltern. In der Regel bewe­gen sich Jugend­li­che dabei auf ver­trau­ten, all­täg­li­chen Wegen. Die For­scher beschrei­ben das Mobi­li­täts­ver­hal­ten der jun­gen Men­schen so: „Die Jugend­li­chen kön­nen heu­te als ‘Zweck­mo­bi­lis­ten´ cha­rak­te­ri­siert wer­den. Die mul­ti­moda­le Ver­kehrs­mit­tel­nut­zung ist die Regel – idea­ler­wei­se mit digi­ta­ler Unter­stüt­zung.“ Als „ide­al“ wird oft prag­ma­tisch das Ver­kehrs­mit­tel genannt, das am bes­ten in die der­zei­ti­ge Lebens­si­tua­ti­on der Jugend­li­chen passt. Wel­ches Ver­kehrs­mit­tel am bes­ten „passt“, hängt vom Rei­se­zweck ab.

Eine Jugend­li­che for­mu­lier­te es in den Befra­gun­gen so: „Ich lie­be es, Bahn zu fah­ren. Ich lie­be es, Fahr­rad zu fah­ren, ich lie­be alles mit Unter­wegs-Sein.“ (Weib­lich, 17 Jah­re, Stadt)

Das Fahr­rad in den Augen der Jugend­li­chen

Das eige­ne Rad ist beliebt, weil man fle­xi­bel ist und Kos­ten für Tickets spart.

Das moto­ri­sier­te Zwei­rad in den Augen der Jugend­li­chen

Der Moped-Füh­rer­schein hat für Jugend­li­che kei­ne hohe Rele­vanz. Er stellt vor allem eine zusätz­li­che finan­zi­el­le Her­aus­for­de­rung dar, da der PKW-Füh­rer­schein in die­sem Alter schon greif­bar und für die meis­ten Befrag­ten ein nahe­lie­gen­des Ziel ist. Ledig­lich in Ein­zel­fäl­len auf dem Land ist das Moped eine Alter­na­ti­ve zu oft­mals schlech­ten ÖV-Ange­bo­ten.

Das Auto in den Augen der Jugend­li­chen

Die aller­meis­ten Jugend­li­chen äußern, dass sie den Auto-Füh­rer­schein machen wol­len. Der Füh­rer­schein und spä­ter ein eige­ner Wagen gehö­ren für die meis­ten Jugend­li­chen – unab­hän­gig vom Geschlecht – zum Erwach­sen­wer­den dazu. Dafür spre­chen aus Sicht der Jugend­li­chen: Jeder­zeit mobil sein kön­nen, bes­ser am Leben in der Regi­on teil­ha­ben kön­nen, im Berufs­le­ben kei­ne Benach­tei­li­gung erlei­den müs­sen und Din­ge trans­por­tie­ren zu kön­nen. Ten­den­zi­ell ist das eige­ne Auto für Jugend­li­che in länd­li­chen Regio­nen wich­ti­ger als für die in der Stadt. Vie­le städ­ti­sche Jugend­li­che kön­nen sich gut vor­stel­len, sich einen PKW mit den Eltern zu tei­len. In der Pra­xis hän­gen das Ob und der Zeit­punkt des Füh­rer­schein­er­werbs ab vom Geld und der Zeit, die dafür erfor­der­lich ist. Spaß am Auto­fah­ren ist dabei kein domi­nan­tes Motiv. Wirk­lich lei­den­schaft­lich spre­chen nur weni­ge Befrag­te über das Auto­fah­ren, vor allem Jun­gen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund und aus unter­schich­ti­gen Lebens­wel­ten. Für sie geht es auch um einen Sta­tus­ge­winn. Ins­ge­samt auf­fäl­lig ist es aus Sicht der Jugend­for­scher, dass Jugend­li­che oft sehr nüch­tern über das Auto spre­chen: Haupt­sa­che es fährt und sieht eini­ger­ma­ßen gut aus.

Die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel in den Augen der Jugend­li­chen

Wegen ihrer Fle­xi­bi­li­tät, Zuver­läs­sig­keit und Schnel­lig­keit nut­zen Jugend­li­che ger­ne und viel Bus­se und Bah­nen. Aber auch, weil sie dabei Men­schen beob­ach­ten, in sozia­len Aus­tausch tre­ten, alte Freun­de wie­der­tref­fen und neue Kon­tak­te knüp­fen kön­nen. Hin­zu kommt, dass sich von Bus und Bahn aus die Umge­bung gut betrach­ten lässt und wäh­rend der Fahrt relaxt wer­den kann. Die Pünkt­lich­keit ist für die jun­gen Men­schen der wich­tigs­te Aspekt bei der Bewer­tung des ÖV. Inter­es­sant ist, dass das Image des öffent­li­chen Ver­kehrs bei Jugend­li­chen in länd­li­chen Räu­men bes­ser aus­fällt als bei denen in Städ­ten.

Die Mobi­li­tät der (per­sön­li­chen) Zukunft in den Augen der Jugend­li­chen

Die meis­ten Jugend­li­chen sind sich einig, dass für sie ein Leben als Berufs­pend­ler nicht in Fra­ge kommt, weil das Fami­li­en­le­ben dar­un­ter lei­den wür­de.

Eine fun­dier­te Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Zukunft der Mobi­li­tät fin­det jedoch nicht statt, stel­len die For­scher fest. Inno­va­tio­nen wie das selbst­fah­ren­de Auto wer­den eher skep­tisch gese­hen.

Die Stu­die ist hier zu fin­den:

http://www.springer.com/de/book/9783658125325#aboutAuthors

 

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