Besuch am Landesflughafen

12.10.2019

Mit Geschäftsführung Klimaschutz diskutiert

Der Lan­des­flug­ha­fen Stutt­gart befin­det sich in gro­ßen Tei­len auf der Gemar­kung mei­nes Wohn­or­tes und beglei­tet mich schon mein (kommunal-)politisches Leben lang. Der Flug­ha­fen bie­tet einer­seits in sei­nem Umfeld vie­le Arbeits­plät­ze. Ande­rer­seits bean­sprucht er gro­ße Flä­chen und pro­du­ziert Lärm und Ver­kehr. Zuneh­mend rückt auch die hohe Kli­ma­wirk­sam­keit des wach­sen­den Flug­ver­kehrs in den Fokus.

Wie bereits in den Vor­jah­ren habe ich auch den aktu­el­len Nach­hal­tig­keits­be­richt der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft (FSG) aus­führ­lich gele­sen und in einem Brief an die Flug­ha­fen-Geschäfts­füh­rung kom­men­tiert. Hier mein Brief zum Nach­le­sen: https://www.matthias-gastel.de/auch-am-flughafen-stuttgart-mehr-umweltengagement-moeglich/#.XZrPoegzZPY Der Bericht und mei­ne Bewer­tung waren denn auch ein Schwer­punkt unse­res Gesprä­ches, zu dem ich von mei­ner Kol­le­gin Anna Depar­nay-Gru­nen­berg aus dem Euro­pa­par­la­ment beglei­tet wor­den war. Ich lob­te eini­ge durch­aus posi­ti­ve Bemü­hun­gen der Flug­ha­fen­ge­sell­schaft, so bei­spiels­wei­se in Sachen „Öko­strom“, Boden­strom­ver­sor­gung und E‑Mobilität im Boden­ver­kehr. Für falsch, das habe ich immer wie­der gesagt, hal­te ich die Wachs­tums­ori­en­tie­rung im Flug­ver­kehr.

Wir spra­chen über den Lärm­schutz, das Zustan­de­kom­men der Flug­rou­ten (die von der Dt. Flug­si­che­rung fest­ge­legt wer­den) und das betrieb­li­che Mobi­li­täts­ma­nage­ment (Aus­wei­tung des Fir­men­ti­cket geplant, Dienst­fahr­rä­der wer­den gera­de geprüft). Ein Schwer­punkt war die geziel­te För­de­rung von E‑Fuels, also syn­the­ti­schem Kraft­stoff, der mit Strom her­ge­stellt wird. Die seit Juli gel­ten­den neu­en Start­ge­büh­ren sehen vor, dass Flü­ge, die mit E‑Fuels statt­fin­den (als Bei­mi­schung zum fos­si­len Kero­sin) mit 300 Euro geför­dert wer­den. Die nie­der­län­di­sche Flug­ge­sell­schaft KLM fliegt auf aus­ge­wähl­ten Stre­cken bereits mit die­sem Alter­na­tiv­kraft­stoff, der – je nach Her­kunft des Stroms – als kli­ma­neu­tral gilt und auch bei den Schad­stoff­emis­sio­nen vor­teil­haft ist. Noch konn­te aller­dings kein Flug geför­dert wer­den. Die E‑Fuels ste­cken noch in den Anfän­gen, da die ver­füg­ba­ren Men­gen extrem gering und sehr teu­er (Fak­tor 5 bis 10 gegen­über fos­si­lem Kero­sin) sind. Strom­ba­sier­te Kraft­stof­fe sehen auch Umwelt­ver­bän­de wie Green­peace als ein­zig denk­ba­ren Weg in Rich­tung einer CO2-neu­tra­len Luft­fahrt. Völ­lig offen ist aber, ab wann, zu wel­chem Preis und in wel­cher Men­ge die­se alter­na­ti­ven Kraft­stof­fe zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den.

Dass Flie­gen zumin­dest teil­wei­se zu bil­lig ist, dar­in waren wir uns einig. Einer der bei­den Flug­ha­fen-Geschäfts­füh­rer der FSG, Wal­ter Schoe­fer, hat­te jüngst in einem Zei­tungs­in­ter­view gesagt, extre­me Nied­rig­prei­se bei Flug­ti­ckets wür­den ein schlech­tes Licht auf die gesam­te Bran­che wer­fen. Im Gespräch ver­wies er auf Berech­nun­gen, wonach ein Flug nach Mal­lor­ca bei­spiels­wei­se rein betriebs­wirt­schaft­lich (also ohne exter­ne Kos­ten) 25.000 Euro kos­ten müss­te. Pro Sitz­platz könn­te sich dar­aus ein Betrag von 150 Euro erge­ben.

Exkurs:
Selbst­ver­ständ­lich muss in Sachen „Kli­ma­schutz und Flug­ver­kehr“ glo­bal, min­des­tens aber euro­pä­isch gehan­delt wer­den. Hier­zu gehört, dass der Flug­ver­kehr voll­stän­dig in den Emis­si­ons­han­del ein­be­zo­gen wird und sämt­li­che Sub­ven­tio­nen gestri­chen wer­den (Mehr­wert­steu­er­be­frei­ung auf Flug­ti­ckets, För­de­rung von Regio­nal­flug­hä­fen etc.). Das welt­wei­te sek­tor­spe­zi­fi­sche Kli­ma­pro­gramm „CORSIA“ kann noch ein­mal als win­zi­ger Anfang bezeich­net wer­den. Denn es setzt ledig­lich bei den ab dem Jahr 2020 zusätz­lich ent­ste­hen­den Emis­sio­nen an. Dies bedeu­tet, dass die „Sock­el­emis­si­ons­wer­te“, die es bereits zuvor gab, nicht ange­gan­gen wer­den. Für das Wachs­tum gibt es außer­dem kei­ner­lei Begren­zung oder Redu­zie­rung, son­dern es müs­sen ledig­lich Aus­gleichs­maß­nah­men bezahlt wer­den. Die Aus­sa­ge des Luft­fahrt­ver­ban­des BDL, wonach der „inter­na­tio­na­le Luft­ver­kehr ab 2021 kli­ma­neu­tral wächst“ (Die Welt v. 17.08.2019) muss also mit einem fet­ten Fra­ge­zei­chen ver­se­hen wer­den. Einer der Kri­tik­punk­te: Aus­gleichs­pro­jek­te ver­schär­fen Land­nut­zungs­kon­flik­te.

Nach dem Gespräch mit der Flug­ha­fen-Geschäfts­füh­rung beka­men Anna Depar­nay-Gru­nen­berg und ich auf dem Roll­feld die Flot­te von 16 Vor­feld­bus­sen zu sehen, die (wie auch alle 25 Gepäck­schlep­per) kom­plett auf E‑Antriebe umge­stellt wur­den. Auf die Lithi­um-Ionen-Bat­te­rien gibt es acht Jah­re Her­stel­ler­ga­ran­tie (Toshi­ba), tat­säch­lich sol­len sie aber 15 Jah­re in Nut­zung blei­ben. Damit wer­den gegen­über den frü­he­ren Die­sel­fahr­zeu­gen Emis­sio­nen und Kos­ten ein­ge­spart. Für die Men­schen, die auf dem Roll­feld arbei­ten, bedeu­ten die E‑Antriebe gerin­ge­re Lärm- und Abgas­be­las­tun­gen.

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