Die Schokoladenseite meines Wahlkreises

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26.08.2020

Besuch bei Ritter Sport

Wenn ich mit dem Zug am Ber­li­ner Haupt­bahn­hof ankom­me, erin­nern mich in der Bahn­hofs­hal­le über­gro­ße, qua­dra­ti­sche Scho­ko­la­de­ta­feln an zuhau­se. Rit­ter Sport dürf­te das bekann­tes­te Unter­neh­men mei­nes Wahl­krei­ses sein. Ein Besuch beim Unter­neh­men, das mehr unter­nimmt, als ein­fach nur Scho­ko­la­de zu pro­du­zie­ren.

Wal­den­buch ist die Stadt, in der Rit­ter ansäs­sig ist und sein Unter­neh­men mehr­fach erwei­tert hat. Die Pro­duk­ti­on fin­det bis­lang aus­schließ­lich hier statt. Nach dem Auf­kauf eines Süß­wa­ren­un­ter­neh­mens in Öster­reich könn­te zukünf­tig ein Teil der Rit­ter-Scho­ko­la­de auch dort her­ge­stellt wer­den. Das im Jahr 1912 gegrün­de­te Fami­li­en­un­ter­neh­men bie­tet 1.550 Mit­ar­bei­ten­den Arbeit (inklu­si­ve der Beschäf­tig­ten auf den betriebs­ei­ge­nen Kakao-Plan­ta­gen), ver­treibt sei­ne Pro­duk­te in 100 Län­dern und setzt damit fast eine hal­be Mil­li­ar­de Euro im Jahr um.

Im Gespräch mit Geschäfts­füh­rer Andre­as Ron­ken (sie­he Foto, 3. von rechts) the­ma­ti­sier­ten Andre­as Schwarz (Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der im Land­tag) und ich, beglei­tet von grü­nen Kommunalpolitiker*innen aus Wal­den­buch und Umge­bung sowie Bür­ger­meis­ter Micha­el Lutz, ins­be­son­de­re den Kakao­an­bau. Dabei erfuh­ren wir bei­spiels­wei­se, dass sich nicht jede Kakao­sor­te glei­cher­ma­ßen für jede Scho­ko­la­den-Geschmacks­rich­tung eig­net. Es kann aber auch nicht in jedem Anbau­land jede belie­bi­ge Sor­te ange­baut wer­den. So stellt der Kli­ma­wan­del eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung dar. Das bekam Rit­ter gleich zu Beginn sei­ner eige­nen Anbau­ak­ti­vi­tä­ten zu spü­ren, weil vie­le der neu gepflanz­ten Kakao-Bäu­me auf­grund der außer­ge­wöhn­li­chen Dür­re in Nica­ra­gua ver­trock­ne­ten. Seit 2018 wird aus­schließ­lich nach­hal­tig ange­bau­ter Kakao ver­wen­det (nicht aus Mono­kul­tu­ren), ab 2024 soll 30 Pro­zent der benö­tig­ten Men­ge aus eige­nem Anbau stam­men. Damit möch­te Rit­ter mehr Ein­fluss auf die Anbau­me­tho­den und den fai­ren Umgang mit den Arbeits­kräf­ten neh­men kön­nen. Der Groß­teil des Kakaos wird aus den glei­chen Grün­den von Koope­ra­ti­ons­part­nern und nicht belie­big auf dem Markt ein­ge­kauft.

Der Kakao ist der wich­tigs­te Bestand­teil in der Scho­ko­la­de. In einer 100 Gramm-Tafel steckt der Kakao einer gan­zen Scho­te. Was kommt noch in die Tafeln rein – oder nicht rein? Der Rit­ter-Geschäfts­füh­rer beton­te, dass seit zwei Jah­ren kei­ne Aro­men mehr ein­ge­setzt wür­den und auch auf Vanil­le ver­zich­tet wür­de. Die Rezep­tu­ren wür­den so ein­fach wie mög­lich gehal­ten.

Lei­der unzu­rei­chend nach­ge­fragt und des­we­gen ein­ge­stellt wur­den die Bio-Tafeln. Wesent­lich bes­ser ver­kauft wird vega­ne Scho­ko­la­de. Die Hälf­te aller Tafeln wer­den in Deutsch­land ver­kauft. Dazu wer­de auch ich wei­ter­hin mei­nen Bei­trag leis­ten …

Wei­te­re The­men waren die Ver­fol­gung von CO2-Min­de­rungs­zie­len, die Umwelt­ver­träg­lich­keit des Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­als und die Ener­gie­ver­sor­gung in der sehr ener­gie­auf­wän­di­gen Scho­ko­la­den­pro­duk­ti­on. Rit­ter betreibt ein eige­nes Block­heiz­kraft­werk, eine Solar­strom­an­la­ge und kauft den rest­li­chen Strom als Öko­strom bei den Ener­gie­wer­ken Schön­au (EWS) im Schwarz­wald ein.