Energie(kosten) sparen – welche Möglichkeiten gibt es?

10.01.2022

Über Sparen in Wohnung und Mobilität diskutiert

Ener­gie effi­zi­ent zu nut­zen und Ener­gie­ver­schwen­dung zu ver­mei­den, das schont end­li­che Res­sour­cen, schützt das Kli­ma und ent­las­tet den eige­nen Geld­beu­tel. Daher habe ich mit Fach­leu­ten im öffent­li­chen Video­for­mat dar­über gespro­chen, was die/der Ein­zel­ne zuhau­se und in der Mobi­li­tät unter­neh­men kann, um das Spar­po­ten­ti­al best­mög­lich aus­schöp­fen zu können.

Nach einer lan­gen Pha­se ver­gleichs­wei­se gerin­ger fos­si­ler Roh­stoff­prei­se gab es in den letz­ten Mona­ten star­ke Ent­wick­lun­gen nach oben. Auch wenn die Prei­se teil­wei­se jüngst wie­der etwas nach­ge­las­sen haben, muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Prei­se ihr altes Niveau nicht wie­der errei­chen. Der Druck, spar­sam mit Ben­zin, Die­sel, Heiz­öl, Erd­gas und Strom umzu­ge­hen, wird also hoch blei­ben. Spar­po­ten­tia­le gibt es vie­le. Man­che las­sen sich tech­nisch heben, indem auf Ener­gie­ef­fi­zi­enz gesetzt wird. Ande­re Spar­po­ten­tia­le aus­zu­schöp­fen setzt hin­ge­gen einen bewuss­te­ren Umgang mit Ener­gie vor­aus. Über bei­des haben wir gesprochen.

Als Exper­ten waren ein­ge­la­den der Ener­gie­be­ra­ter Gün­ter Mer­kel von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ber­lin e. V. sowie Rai­ner Zelt­wan­ger, Fahr­schul­leh­rer in Stutt­gart und Vor­stand im Bun­des­ver­band deut­scher Fahrschulunternehmen.

Ein­spa­run­gen im Haushalt

Gün­ter Mer­kel (Ver­brau­cher­zen­tra­le) wies zunächst dar­auf hin, dass alle Ener­gie­prei­se gestie­gen sei­en und in die­sem Aus­maß selbst Exper­ten über­rascht gewe­sen sei­en. Beim Strom sei es der­zeit kei­ne gute Idee, den Anbie­ter zu wech­seln. Aktu­ell sei­en Bestands­kun­den der Grund­ver­sor­ger oft­mals bes­ser dran als die­je­ni­gen, die aus Spar­grün­den zu einst güns­ti­ge­ren Wett­be­wer­bern gewech­selt sei­en. Sei­ne Emp­feh­lun­gen, hier in Stich­wor­ten: Glüh­lam­pen und Halo­gen­be­leuch­tun­gen soll­ten gegen LED aus­ge­tauscht wer­den. Das Licht auch für kur­ze Momen­te der Abwe­sen­heit aus­zu­schal­ten wür­de bereits Strom spa­ren hel­fen, die Anzahl elek­tri­scher Gerä­te soll­te begrenzt und, obwohl hier der Ver­brauch durch den Gesetz­ge­ber redu­ziert wur­de, Stand-By-Betrieb soll­te (ggf. unter Ein­satz einer Steck­do­sen­leis­te mit Ein-/Aus-Schal­ter) ver­mie­den wer­den. Gera­de bei Kühl­schrän­ken soll­te auf die Ver­brauchs­wer­te geach­tet wer­den, evtl. könn­te ein Ersatz von Alt­ge­rä­ten sinn­voll sein. Sinn­voll sein kön­ne eine eige­ne Solar­strom­an­la­ge. Beim Hei­zen käme es auf die Raum­tem­pe­ra­tur, das Lüf­ten, die Däm­mung des Gebäu­des und die Hei­zungs­an­la­ge an. Mehr als 21 Grad sei­en in tags­über bewohn­ten Räu­men nicht erfor­der­lich, in Schlaf­zim­mern weni­ger. Nachts und bei län­ge­rer Abwe­sen­heit kön­ne die Hei­zung zurück­ge­dreht wer­den. Es müs­se jedoch eine Aus­küh­lung der Räu­me bzw. der Wän­de ver­mie­den wer­den, weil sonst spä­ter umso mehr Ener­gie auf­ge­wandt wer­den müs­se und Schim­mel­bil­dung dro­he. Umso bes­ser das Haus iso­liert sei, umso gerin­ger sei das Risi­ko einer Aus­küh­lung. Beim Lüf­ten gehe es dar­um, ein­mal die Luft aus­zu­tau­schen, am bes­ten durch Durch­zug. Dazu wür­den im Win­ter weni­ge Minu­ten aus­rei­chen. Auch hier gel­te: Nicht aus­küh­len las­sen. Die Türen zwi­schen mehr und weni­ger geheiz­ten Räu­men soll­ten geschlos­sen gehal­ten wer­den. Vie­le Hei­zun­gen sei­en auf zu hohe Men­gen und zu hohe Tem­pe­ra­tu­ren ein­ge­stellt und soll­ten daher auf den Bedarf hin opti­miert wer­den. Letzt­lich wer­de die Hei­zung am bes­ten auf erneu­er­ba­re Ener­gien umge­stellt. Der Staat gewäh­re eine För­de­rung von 35 bis 45 Pro­zent. Die Ver­brau­cher­zen­tra­len böten Bera­tung hier­zu an. Das­sel­be gel­te für Wär­me­däm­mung. Auch auf das Ein­spar­po­ten­ti­al beim Ver­brauch von Was­ser ging er kurz ein. So kön­ne ein Dusch­s­par­kopf sich als sehr hilf­reich erweisen.

Mobi­li­tät

Vor­ab mal ein paar Infor­ma­tio­nen und Daten: Die Kos­ten des Autos wer­den häu­fig unter­schätzt. Das­sel­be gilt fürs Ein­spar­po­ten­ti­al je nach Fahr­zeug­typ und Fahr­ver­hal­ten. 50 bis 60 Pro­zent aller Auto­fahr­ten fin­den auf Distan­zen von bis zu 10 Kilo­me­ter statt. Häu­fig wer­den auch nur 2 oder 5 Kilo­me­ter zurück­ge­legt und damit Distan­zen, die häu­fig auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad/Pedelec bewäl­tigt wer­den könn­ten. Die durch­schnitt­li­che Fahr­leis­tung eines Autos beträgt 30 Kilo­me­ter am Tag. Das sind Ent­fer­nun­gen, die selbst mit „schlech­ten“ E‑Autos pro­blem­los bewäl­tigt wer­den kön­nen. 40 Pro­zent der Pkw wer­den sel­te­ner als ein­mal am Tag bewegt. Zu Spit­zen­zei­ten sind nie mehr als 10 Pro­zent aller Autos gleich­zei­tig unter­wegs. In Metro­po­len ver­fü­gen 42 Pro­zent der Haus­hal­te über kei­nen Pkw. Im länd­li­chen Raum ver­fü­gen weit mehr Haus­hal­te über ein Auto, aber auch über mehr Pedel­ecs als die in Städ­ten. Quel­le: „Mobi­li­tät in Deutsch­land“, Bundesverkehrsministerium

Der Fahr­leh­rer Rai­ner Zelt­wan­ger, der schon im Jahr 1984 ers­te Sprit­spar­kur­se ange­bo­ten hat­te[1], berich­te­te zunächst über sich sel­ber, für kür­ze­re Stre­cken meist das Fahr­rad zu nut­zen und auf lan­gen Stre­cken die Bahn. Gera­de auf Kurz­stre­cken lie­ge der Ver­brauch von Ver­brenn­erfahr­zeu­gen, ins­be­son­de­re von Die­sel, extrem hoch (rech­ne­risch bei 40 bis 50 Litern auf 100 Kilo­me­ter). Man sol­le auch im Win­ter nie den Motor warm­lau­fen las­sen, zumal der Motor Scha­den neh­men kön­ne. Ver­meid­ba­res Gewicht, bspw. durch unnö­ti­ge Ladung, sol­le ver­mie­den wer­den. Dach­trä­ger soll­ten abmon­tiert wer­den, wenn die­se nicht gebraucht wür­den, da die­se den Luft­wi­der­stand erhöh­ten. Wich­tig sei auch vor­aus­schau­en­des Fah­ren, da unnö­ti­ges Brem­sen und anschlie­ßen­des Beschleu­ni­gen ver­mie­den wer­de. Es sol­le bei der Beschleu­ni­gung so früh wie mög­lich hoch­ge­schal­tet und im Bereich von 1.400 bis 1.600 Umdre­hun­gen gefah­ren wer­de. Zu ach­ten sei auch auf einen hohen Rei­fen­druck zu Redu­zie­rung des Wider­stan­des. Auf der Auto­bahn maxi­mal Tem­po 130 zu fah­ren hel­fe eben­falls, Ener­gie zu spa­ren. Zelt­wan­ger ist ein­deu­ti­ger Befür­wor­ter der bat­te­rie­elek­tri­schen Antrie­be. Sei­ne Fahr­schu­le habe nahe­zu aus­schließ­lich E‑Autos im Ein­satz. Deren Betriebs­kos­ten sei­en nur halb so hoch wie der Ver­bren­ner. Dar­auf hat­te zuvor schon Herr Mer­kel aus sei­nen eige­nen Erfah­run­gen ver­wie­sen. Ein Reich­wei­ten­pro­blem kön­ne er – auch für pri­va­te Nut­zun­gen – nicht erkennen.

Die Anfra­gen aus dem Publi­kum konn­ten nahe­zu alle im Lau­fe der Ver­an­stal­tung geklärt wer­den; eini­ge weni­ge im Nach­gang. Mein Fazit: Es gibt jede Men­ge Ein­spar­po­ten­ti­al. Stei­gen­de Ener­gie­prei­se müs­sen nicht zwangs­läu­fig zu (glei­cher­ma­ßen) höhe­ren Belas­tun­gen füh­ren, wenn man Tech­nik und Ver­hal­tens­wei­sen optimiert.

[1] In den 1990er-Jah­ren hat­te ich für den Fil­der­städ­ter Orts­ver­band der Grü­nen einen sol­chen für die Öffent­lich­keit orga­ni­siert. Dabei wur­den die Ver­bräu­che vorher/nachher gemes­sen. Die meis­ten Teil­neh­men­den waren über­rascht, wie viel sich durch die Fahr­wei­se ein­spa­ren lässt.

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