Der Verzicht auf fossile Energieträger in der Wärmeversorgung ist eine riesige, aber notwendige Aufgabe. In Leipzig konnte ich mir einen Baustein für die Lösung anschauen. Dort befindet sich das größte Solarthermie-Kraftwerk Deutschlands.
Leipzig verfügt schon lange über ein größeres Fernwärmenetz. Unmittelbar neben einer der Leitungen entsteht gerade ein riesiges Feld aus Solarmodulen. Diese erwärmen durchfließendes Wasser auf über 100 Grad, das dann wiederum das Wasser erwärmt, das über die großen Rohre in Privathaushalte und Unternehmen fließt (Wärmetauscher).
Das Kraftwerk besteht aus 13.000 Kollektoren. Hersteller ist Ritter Solar in Dettenhausen (Baden-Württemberg), ein Unternehmen der Familie des Schokoladenherstellers Ritter Sport. Es war der bislang größte Auftrag des Unternehmens. Der Jahresertrag wird auf 26 GWh prognostiziert. Um es konkret zu machen: 30 Prozent des Wärmebedarfs der gesamten Stadt Leipzig wird durch Fernwärme gedeckt. Das Solarthermie-Kraftwerk soll dazu zwei Prozentpunkte beisteuern. Einen Speicher braucht es daher nicht. Die erzeugte Wärme wird immer, auch an Sommertagen, abgenommen.
Investiert wurden 40 Millionen Euro, wovon 16 Millionen an Bundesförderung flossen.
Wir ließen uns das Kraftwerk erst in der Theorie, dann draußen zwischen den Modulen und schließlich am Einspeiseort erläutern. Zur Sprache kamen dabei auch die derzeit politisch sehr unsicheren Rahmenbedingungen für Investitionen in erneuerbare Energien. Selbstverständlich sprachen wir auch darüber, ob es vertretbar ist, Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen zu bauen. Contra: Die Fläche ist eingezäunt, Ackerbau ist nicht mehr möglich und gemäht werden kann die Wiese nicht mehr. Pro: Es wurden Wildblumen eingesät, es ist Schafbeweidung vorgesehen und Wildtiere wie Vögel und Fuchs haben bereits Lebensräume gefunden. Die Unterkanten der Module sind 80 Zentimeter hoch, so dass sie von hochgewachsenem Gras nicht beschattet werden können. Beton wurde auf der Wiese nicht vergossen.
Im Sommer 2026 soll die Anlage in Betrieb gehen.
