Nachdem die Vorplanung für die Neubaustrecke Augsburg – Ulm abgeschlossen wurde, fand die erste Behandlung im Rahmen der „parlamentarischen Befassung“ im Bundestags-Verkehrsausschuss statt. Die Rückmeldungen waren positiv.
Die wesentlichen Planungsprämissen: 26 Minuten Fahrzeiten für Fernverkehrsfahrten ohne Halt in Günzburg (Deutschlandtakt, Anschlüsse in Ulm und Augsburg/München), maximal acht Promille Steigung für den Güterverkehr und Überholbahnhöfe etwa alle 20 Kilometer. Aus der Streckenlänge und der vorgegebenen Fahrzeit ergibt sich eine Streckengeschwindigkeit von 280 Stundenkilometer. Diese reicht aus, um die vorgegebene Fahrzeit zu erreichen. Dadurch kann die Strecke näher an die Autobahn trassiert werden. Ein Ausbau der Bestandsstrecke macht die erforderliche Fahrzeitverkürzung nicht möglich. Wesentlich sind die zusätzlichen Kapazitäten.
In der Vorplanung waren vier Grobtrassierungen untersucht worden. Heraus kam schließlich eine Kombination verschiedener Trassen. Diese führt überwiegend eng gebündelt mit der Bundesautobahn A 8.In der Marktgemeinde Zusmarshausen ist ein Überholbahnhof vorgesehen, der mit einem Regionalhalt versehen werden kann.
Offene Fragen
Kritisch zu hinterfragen ist die maximale Steigung von nur acht Promille, die für Mehrkosten sorgt. Üblich waren bisher 12 Promille für den Güterverkehr. Besonders wichtig sind Aussagen zur Leistungsfähigkeit der Bahnknoten Ulm und Augsburg. Beide sind nicht Teil der Planungen, müssen aber die steigenden Zugzahlen aufnehmen können. Schließlich müssen die Kernforderungen aus den Regionen bewertet und entschieden werden. Dabei geht es meist um den Wunsch, den Lärmschutz über die gesetzlichen Standards hinaus zu verbessern. Angesichts des knappen Kosten-Nutzen-Verhältnisses von 1,1 darf die Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen verloren werden.
Grüne Position
Wir unterstützen die Neubaustrecke, da sie für den Deutschlandtakt und damit für ein attraktives, an den Bedürfnissen der Fahrgäste ausgerichtetes Angebot erforderlich ist. Die Vorzugsvariante ist aus unserer Sicht gut gelöst. Der Güterverkehr kann nachts die Neubaustrecke nutzen, die nach aktuellem Standard lärmgeschützt wird. Dadurch werden die Menschen entlang der Bestandsstrecke von Lärm entlastet. Ein Ausbau könnte all dies nicht erreichen und würde zudem den Abbruch von zahlreichen Gebäuden mit sich bringen. Wir freuen uns, dass Verbände wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Vorzugsvariante „nicht nur verkehrlich, sondern auch aus Natur- und Fahrgastperspektive“ unterstützen.
Einbindung von Bürger*innen und Kommunen
Die Deutsche Bahn hat ein Dialogforum mit 75 Mitgliedern (kommunale Vertreter, Bürgerinitiativen und Verbände) einberufen, das 24-mal getagt hat. Daneben tagte 10-mal der Projektkoordinierungsrat, um überregionale Fragestellungen zu diskutieren. Im Ausschuss berichtete die Deutsche Bahn zudem unter anderem von Informationsveranstaltungen vor Ort und über 600 Mailanfragen, die beantwortet worden seien.
Ich war zweimal vor Ort in Augsburg, um auf öffentlichen Veranstaltungen über das Neubauprojekt zu sprechen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht und ich spürte eine durchweg sehr positive Grundstimmung zugunsten einer Neubaustrecke. Siehe https://www.matthias-gastel.de/aus-neubaustrecke-augsburg-ulm/
Immer wieder habe ich die Frage, welche Infrastruktur wir in Deutschland brauchen, thematisiert. Siehe https://www.matthias-gastel.de/veranstaltung-bericht-welche-infrastruktur-braucht-die-bahn/
Fürs DB-Projekt Augsburg ‑Ulm habe ich ein Podcast aufgenommen: https://www.ulm-augsburg.de/_Resources/Persistent/4/3/4/1/434135bb258541d119312f0980bad298d08deb67/%237%20ULA-Podcast%20Matthias%20Gastel.mp3#searchgastel
