Studie: Vom Umweltbewusstsein der Deutschen

18.04.2017

Auto­fah­ren­de auf­ge­schlos­sen für Alter­na­ti­ven

Alle zwei Jah­re wird das Umwelt­be­wusst­sein in Deutsch­land in einer reprä­sen­ta­ti­ven Stu­die des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums unter­sucht. Kürz­lich wur­den die neu­en Daten vor­ge­stellt.

Seit 1996 wird im Zwei­jah­res­rhyth­mus erforscht, wie sich das Umwelt­be­wusst­sein und Umwelt­ver­hal­ten in Deutsch­land dar­stellt und ent­wi­ckelt. Dazu wur­den zuletzt im Som­mer 2016 mehr als 4.000 Men­schen online befragt. Im April 2017 wur­de sie ver­öf­fent­licht.

Umwelt­be­wusst­sein sta­bil

21 Pro­zent der Befrag­ten zähl­ten in einer offe­nen Fra­ge­stel­lung den Umwelt- und Kli­ma­schutz zu den wich­tigs­ten Pro­ble­men, denen sich unser Land heu­te gegen­über­sieht. Die­ser Wert ist seit dem Jahr 2000 recht sta­bil und hat sich zwi­schen 14 und 25 Pro­zent ein­ge­pen­delt. Die Aus­nah­me stell­te das Jahr 2012 dar, als vor dem Hin­ter­grund der Atom­ka­ta­stro­phe von Fuku­shi­ma der Atom­aus­stieg und Fra­gen der Ener­gie­wen­de die Gemü­ter bewegt haben. Der Wert von 21 Pro­zent liegt gering­fü­gig über dem des Jah­res 2014 (19 Pro­zent). Der Umwelt- und Kli­ma­schutz liegt auf dem drit­ten Platz der wich­tigs­ten Pro­ble­me. Die Inter­pre­ta­ti­on der Wis­sen­schaft­ler: „Das Poli­tik­feld des Umwelt- und Kli­ma­schut­zes hat sich eta­bliert“.

Aller­dings wur­den die Berei­che „Zuwan­de­rung, Migra­ti­on“ mit 55 Pro­zent und „Kri­mi­na­li­tät, Frie­den, Sicher­heit“ mit 47 Pro­zent deut­lich häu­fi­ger genannt – auch deut­lich häu­fi­ger als in der Befra­gung zwei Jah­re zuvor (damals nur 18 bzw. 20 Pro­zent). Leicht gewach­sen ist die Bedeu­tung von „Sozia­le Siche­rung, sozia­le Gerech­tig­keit“ (von 12 auf 17 Pro­zent, Platz vier der wich­tigs­ten Pro­ble­me),

In einer geschlos­se­nen Fra­ge­stel­lung bezeich­ne­ten 53 Pro­zent der Befrag­ten den „Umwelt- und Kli­ma­schutz“ als ein sehr wich­ti­ges und wei­te­re 37 Pro­zent als wich­ti­ges The­ma. Mit 70 bzw. 63 Pro­zent lagen „Krie­ge, Ter­ro­ris­mus“ und „Zuwan­de­rung, Migra­ti­on“ auf den ers­ten bei­den Plät­zen der „sehr wich­ti­gen“ The­men. Die Umwelt­the­men lan­de­ten auf dem sechs­ten Platz.

Befragt nach den bedroh­lichs­ten The­men im Hin­blick auf unse­re Lebens­grund­la­gen nann­ten jeweils über 70 Pro­zent und damit mit Abstand am häu­figs­ten „Plas­tik­müll in den Welt­mee­ren“ und „Abhol­zung von Wäl­dern“. Wer­te von noch über 50 Pro­zent erhal­ten die The­men Arten­ster­ben, Kli­ma­wan­del sowie Schad­stoff­be­las­tun­gen in Böden, Gewäs­sern und Luft.

Bewer­tung von Akteu­ren und von Maß­nah­men

Nur eine Min­der­heit der Befrag­ten ver­trat die Mei­nung, dass für den Umwelt- und Kli­ma­schutz bereits genug getan wer­de. Dass das Enga­ge­ment der Bürger*innen aus­reicht mei­nen nur sechs und über die Bun­des­re­gie­rung sagen dies acht Pro­zent.

Befragt danach, wel­che staat­li­chen Maß­nah­men für den Kli­ma­schutz sehr wich­tig wären, ant­wor­ten jeweils 59 Pro­zent mit „Abbau von kli­ma­schäd­li­chen Sub­ven­tio­nen“ und „Aus­bau der För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en“. Es folgt das „Ver­bot von beson­ders kli­ma­schäd­li­chen Pro­duk­ten“ (58 Pro­zent).

Wahr­neh­mung der Umwelt­qua­li­tät

Von den Befrag­ten sagen 86 Pro­zent, dass die Umwelt­qua­li­tät in ihrem Wohn­ort sehr gut oder recht gut ist. Für Deutsch­land ins­ge­samt sehen das 75 Pro­zent so. Das Gegen­teil trifft aller­dings auf die Beur­tei­lung der welt­wei­ten Umwelt­qua­li­tät zu, die von 92 Pro­zent als sehr oder eher schlecht beur­teilt wer­den.

40 Pro­zent der befrag­ten Per­so­nen gehen davon aus, dass ihre eige­ne Gesund­heit durch Umwelt­pro­ble­me belas­tet wird. Dies sind deut­lich mehr als in den vor­an­ge­gan­ge­nen Befra­gun­gen. Nach kon­kre­ten Fak­to­ren befragt, die Ein­fluss auf die eige­ne Gesund­heit neh­men, wer­den am häu­figs­ten „Schad­stof­fe und Pflan­zen­schutz­rück­stän­de in Lebens­mit­teln“ und „Che­mi­ka­li­en in Pro­duk­ten und Gegen­stän­den des täg­li­chen Bedarfs“ genannt (jeweils 44 Pro­zent). Die­je­ni­gen, die sich in ihrer gesam­ten Lebens­si­tua­ti­on benach­tei­ligt sehen (nied­ri­ger sozia­ler Sta­tus) sehen sich beson­ders stark von die­sen und wei­te­ren Gesund­heits­be­las­tun­gen betrof­fen.

Beim Aspekt „Lärm­be­las­tun­gen“ steht der Stra­ßen­lärm vor­ne, 23 Pro­zent sehen sich äußerst oder stark belas­tet. Es folgt der Lärm von Nach­barn (14 Pro­zent), Flug­ver­kehr (9 Pro­zent), Gewer­be (8 Pro­zent) und Schie­nen­ver­kehr (6 Pro­zent).

Ernäh­rungs­ver­hal­ten

„Was ist Ihnen bei der Aus­wahl von Lebens­mit­teln beson­ders wich­tig?“ beant­wor­te­ten jeweils 55 Pro­zent mit „Fri­sche“ und „regio­na­le Her­kunft“. Mit gro­ßen Abstän­den fol­gen „hohe Qua­li­tät“ und Frei von Zusatz­stof­fen“. „Bio-Pro­duk­te“ wer­den von 17 Pro­zent benannt.

Die Häu­fig­keit des Fleisch­kon­sums hat sich gegen­über dem Jahr 2014 etwas redu­ziert. Der Anteil derer, die anga­ben, „nie“ Fleisch zu essen, ist von zwei auf vier Pro­zent und der Abteil derer, die „ein­mal pro Woche oder sel­te­ner“ Fleisch essen ist von 22 auf 25 Pro­zent gestie­gen. 63 Pro­zent der Befrag­ten, die kein oder sel­ten Fleisch essen gehen davon aus, dass die­ses Ver­hal­ten gesün­der ist (63 Pro­zent). Fast genau­so häu­fig ist das Tier­wohl der Grund zum Ver­zicht. Die­je­ni­gen, die mehr­mals wöchent­lich Fleisch ver­zeh­ren, wür­den ihren Fleisch­kon­sum am ehes­ten dann redu­zie­ren, wenn es teu­rer wür­de oder/und wenn man sich in der Fami­lie gemein­sam dar­auf ver­stän­di­gen wür­de.

Inter­es­sant auch, dass fast ein Drit­tel angab, min­des­tens ein­mal pro Woche Lebens­mit­tel weg­zu­wer­fen.

Mobi­li­tät: Das War­ten auf bes­se­re Alter­na­ti­ven zum Auto

70 Pro­zent der Befrag­ten fah­ren regel­mä­ßig (37 Pro­zent täg­lich, 33 Pro­zent mehr­mals wöchent­lich) mit dem Auto. Das­sel­be sagen 61 Pro­zent über das Zufuß­ge­hen, 32 Pro­zent übers Rad­fah­ren und 21 Pro­zent über die Nut­zung öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel. Zwi­schen Stadt und Land gibt es dabei ein nicht ver­wun­der­li­ches Gefäl­le: Umso klei­ner der Ort, des­to häu­fi­ger wird das Auto ein­ge­setzt. Bus­se und Bah­nen erfreu­en sich hin­ge­gen in grö­ße­ren Orten häu­fi­ge­rer Nut­zun­gen.

Drei Vier­tel der regel­mä­ßig Auto­fah­ren­den kön­nen sich vor­stel­len, häu­fi­ger zu Fuß zu gehen, wenn die Fuß­we­ge bes­ser aus­ge­baut und auf den Fahr­bah­nen neben der Geh­we­ge weni­ger Kfz-Ver­kehr fah­ren wür­de. Sech­zig und mehr Pro­zent der Befrag­ten (je nach Grö­ße des Ortes) kön­nen sich vor­stel­len, häu­fi­ger mit dem Fahr­rad zu fah­ren, wenn die Infra­struk­tur bes­ser aus­ge­baut ist (Rad­we­ge, Beschil­de­rung, Abstell­an­la­gen) und die Wege nicht zu weit sind. Knapp 50 Pro­zent der Befrag­ten klei­ner und mitt­le­rer Orte und 61 Pro­zent aus den Groß­städ­ten kön­nen sich vor­stel­len, häu­fi­ger Bus und Bahn zu nut­zen, wenn sich eine Hal­te­stel­le in der Nähe befin­det, eine enge­re Tak­tung mit Direkt­ver­bin­dun­gen ange­bo­ten wird und die Prei­se nied­ri­ger sind.

Über 90 Pro­zent der Befrag­ten (plus neun Pro­zent gegen­über 2014) glau­ben, dass eine Stadt- und Regio­nal­ent­wick­lung, die dar­auf aus­ge­rich­tet ist, zu einem guten Leben bei­tra­gen kann. Für ihren eige­nen Wohn­ort wün­schen sich dies 41 Pro­zent unein­ge­schränkt und 38 Pro­zent ant­wor­ten mit „eher ja“. Aus einer vor­ge­ge­be­nen Aus­wahl an denk­ba­ren Maß­nah­men sind 91 Pro­zent sehr oder eher für die Ver­la­ge­rung von Güter­ver­kehr vom Lkw auf die Schie­ne, 85 Pro­zent für die Schaf­fung ver­kehrs­be­ru­hig­ter Wohn­ge­bie­te, 56 Pro­zent für ein Tem­po­li­mit von 130 Stun­den­ki­lo­me­tern auf den Auto­bah­nen und 41 Pro­zent für Tem­po 30 auf inner­ört­li­chen Haupt­stra­ßen (56 Pro­zent eher oder sehr dage­gen).

Autos tei­len und elek­trisch antrei­ben

Car­sha­ring wur­de schon von 14 Pro­zent der Befrag­ten genutzt und wei­te­re 40 Pro­zent kön­nen sich vor­stel­len, es künf­tig zu nut­zen. In Orten mit weni­ger als 20.000 Ein­woh­nern sagen aber drei von vier Befrag­ten, dass es bei ihnen gar kei­ne ent­spre­chen­den Ange­bo­te gäbe.

Unter der Vor­aus­set­zung, dass sich zukünf­tig die Reich­wei­te, Kos­ten und Ladeinfrastruk­tur für Elek­tro­au­tos merk­lich ver­bes­sern, ist es für etli­che durch­aus vor­stell­bar oder eher vor­stell­bar, in Zukunft ein Elek­tro­au­to zu nut­zen – vor allem auf kur­zen Stre­cken: Für den Ein­kauf kön­nen es sich 77 Pro­zent aller Befrag­ten vor­stel­len, für die Frei­zeit 66 Pro­zent, für die Arbeit 60 Pro­zent und für den Urlaub noch 33 Pro­zent.

Fazit zur Mobi­li­tät

Das Fazit der Wis­sen­schaft­ler bezüg­lich der gesell­schaft­li­chen Bereit­schaft, sich auf eine ande­re Mobi­li­tät ein­zu­las­sen, ist durch­wach­sen: „Die Dring­lich­keit die­ser Her­aus­for­de­rung ist in der Bevöl­ke­rung aller­dings noch nicht so weit ange­kom­men, dass die Men­schen schon heu­te ihr Mobi­li­täts­ver­hal­ten von sich aus deut­lich ändern wür­den. Eine grund­sätz­li­che Umori­en­tie­rung zu einem nach­hal­ti­ge­ren Mobilitäts­verhalten fin­det beim Groß­teil der Bevöl­ke­rung noch nicht statt.“ Aber es wer­den durch­aus Anzei­chen für ein Umden­ken gese­hen: „Es sind inzwi­schen viel­fäl­ti­ge neue Mobilitäts­ansätze sicht­bar, mit zum Teil beacht­li­chen Zuwachs­zahlen und gro­ßen Sym­pa­thie­po­ten­zia­len.“ Hier wird ein kla­rer Auf­trag an die Poli­tik gese­hen: „Alterna­tiven zum Auto und alter­na­ti­ve Autos bedür­fen aber ver­stärkt för­der­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen, damit sie ihren Bei­trag zu einer umwelt- und kli­ma­freund­li­chen Mobi­li­tät leis­ten kön­nen.“

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