Unterwegs in Sachen maritimer Industrie

Der Ver­band für Schiff­bau und Mee­res­tech­nik e. V. (VSM) ist die poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung der deut­schen mari­ti­men Indus­trie. Er hat­te zu einer mehr­tä­gi­gen Exkur­si­on durch die Repu­blik ein­ge­la­den. An den Sta­tio­nen am Boden­see habe ich teil­ge­nom­men. Der Weg führ­te zu ZF Fried­richs­ha­fen und der Boden­see Schiffs­be­trie­be GmbH.

Bei ZF Fried­richs­ha­fen erga­ben sich Gesprä­che mit Beschäf­tig­ten und Füh­rungs­kräf­ten. In Werk 1 fin­den die Tei­le­fer­ti­gung und die Mon­ta­ge der Mari­ne­pro­duk­te statt. Dort arbei­ten 2.000 Men­schen. Pro­du­ziert wer­den Antrie­be für schnel­le Schif­fe, Fäh­ren und Frei­zeit­boo­te, nicht aber für Fre­gat­ten und Tank­schif­fe. Man sei mit 1.600 Mari­n­ege­trie­be pro Jahr welt­weit Markt­füh­rer mit einem Anteil von 70 Pro­zent und tech­no­lo­gisch mit leis­tungs­fä­hi­gen Getrie­ben füh­rend. Der Absatz sei gut, es gebe kei­ne Nach­fra­ge­pro­ble­me. Wir konn­ten uns die Pro­duk­ti­on anschau­en.

Hin­ter­grün­de zum Unter­neh­men: ZF ist nach Bosch der zweit­größ­te deut­sche Auto­zu­lie­fe­rer. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de mit 153.000 Beschäf­tig­ten ein Umsatz von knapp 40 Mil­li­ar­den Euro erwirt­schaf­tet. Zuletzt waren schlech­te Nach­rich­ten von ZF zu lesen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te das Unter­neh­men Auf­trä­ge im Wert von 30 Mil­li­ar­den Euro für den elek­tri­schen Antriebs­strang ange­nom­men – teils zu Prei­sen, die die Kos­ten nicht deck­ten. Doch der Hoch­lauf der Elek­tro­mo­bi­li­tät ver­lief schlep­pend und führ­te das Unter­neh­men in eine hohe Schul­den­last und zwang zu hohen Abschrei­bun­gen. Par­al­lel trennt man sich von Unter­neh­mens­tei­len, die ZF nicht dem Kern­ge­schäft zurech­net. Ver­gan­ge­nes Jahr hat man sich vom Bereich Fah­rer­as­sis­tenz­sys­te­me getrennt, um Geld in die Kas­sen zu spü­len und die Ent­schul­dung vor­an­trei­ben zu kön­nen. Bei der Elek­tro­mo­bi­li­tät steht in Kür­ze die Ent­schei­dung an, ob ZF künf­tig Elek­tro­mo­to­ren und Inver­ter für elek­tri­fi­zier­te Antrie­be selbst fer­ti­gen oder zukau­fen wird, so ZF-Chef Mathi­as Miedreich im Süd­ku­rier-Inter­view.

Die wei­ter­hin hohe Nach­fra­ge nach klas­si­schen Antriebs­kom­po­nen­ten wie Getrie­ben stützt das Geschäft und ver­schafft dem Unter­neh­men Spiel­raum beim Abbau sei­ner hohen Schul­den­last. ZF will ver­stärkt Kom­po­nen­ten für Elek­tro­au­tos, Hybrid­mo­del­le und Fahr­zeu­ge mit Ver­bren­nungs­mo­tor glei­cher­ma­ßen anbie­ten. Das kom­me der Bilanz eben­so zugu­te wie inzwi­schen güns­ti­ge­re Refi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen, so der neue Kon­zern­chef.

ZF ist übri­gens ein Stif­tungs­un­ter­neh­men der Zep­pe­lin-Stif­tung. Dazu gehört auch der Bau­ma­schi­nen­spe­zia­list Zep­pe­lin, dem es wirt­schaft­lich sehr gut geht und das Per­so­nal auf­baut. „Wir wach­sen gesund und pro­fi­ta­bel“, sag­te Zep­pe­lin-Chef Mat­thi­as Benz dem Han­dels­blatt.[1]

Ich war schon mehr­fach bei ZF, sie­he

https://www.matthias-gastel.de/wann-koennen-busse-autonom-fahren/

https://www.matthias-gastel.de/zu-besuch-bei-zf-in-friedrichshafen/

Zurück zur Exkur­si­on: Von Fried­richs­ha­fen fuh­ren wir mit dem Kata­ma­ran nach Kon­stanz. Mit an Bord war der Geschäfts­füh­rer der Boden­see Schiffs­be­trie­be (BSB). Es erga­ben sich dar­über hin­aus Gesprä­che mit Fahr­per­so­nal im Steu­er­haus. In der Geschäfts­stel­le der BSB ver­tief­ten wir Gesprä­che über Antriebs­tech­no­lo­gien. Die Fäh­re „FS Rich­mond“ fährt mit Bio LNG. Für Sport­boo­te im Frei­zeit­ver­kehr und klei­ne­re Schif­fe, die im Lini­en­ver­kehr kür­ze­re Stre­cken fah­ren, bie­ten bat­te­rie­elek­tri­sche Antrie­be inzwi­schen viel­fach gute Mög­lich­kei­ten. Sie­he https://www.matthias-gastel.de/elektrisch-wo-nicht-gesegelt-werden-kann/ Für grö­ße­re Schif­fe und län­ge­re Stre­cken muss bis­her über­wie­gend auf mehr Effi­zi­enz (bei­spiels­wei­se durch moder­ne Moto­ren und wider­stands­min­dern­de Beschich­tun­gen von Schiffs­rümp­fen) und alter­na­ti­ve Kraft­stof­fe gesetzt wer­den. Von HVO 100, her­ge­stellt aus bio­lo­gi­schen Rest- und Abfall­stof­fen, hal­te man nicht viel. Davon sei nicht annä­hernd aus­rei­chend Aus­gangs­ma­te­ri­al vor­han­den. Was bat­te­rie­elek­trisch mög­lich ist, erfuh­ren wir im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes bei einer Fahrt von Kon­stanz auf die Insel Main­au: Wir waren dort­hin mit dem Elek­tro­schiff „MS Insel Main­au“ unter­wegs. Das Schiff wird allei­ne mit Strom aus den Akkus ange­trie­ben. 60 Solar­mo­du­le lie­fern Strom zu und decken rund ein Fünf­tel des Strom­be­darfs. Die Reich­wei­te liegt bei über 200 Kilo­me­ter. Aller­dings ist die Geschwin­dig­keit auf 15 bis 17 Stun­den­ki­lo­me­ter gedros­selt, um den Ener­gie­be­darf zu ver­rin­gern. Das Schiff, das mit sei­ner Län­ge von 33 Metern 300 Per­so­nen auf­neh­men kann, star­te­te gera­de in die drit­te Sai­son und die Erfah­run­gen sind gut. Sehr ange­nehm ist die ruhi­ge Fahr­wei­se und der Ent­fall von Die­sel­ge­stank. Bei einem wei­te­ren Schiff, der „Bay­ern“, prüft das Unter­neh­men die Umrüs­tung auf einen bat­te­rie­elek­tri­schen Antrieb. Die BSB sind sich bewusst, dass sie in einem sen­si­blen Öko­sys­tem und auf dem Trink­was­ser von Mil­lio­nen von Men­schen fah­ren, wor­aus sich ein beson­ders hohes Maß an Ver­ant­wor­tung ergibt. Zudem spürt man am Boden­see die Kli­ma­ver­än­de­rung beson­ders stark: „Das Wet­ter hier wird immer schwe­rer bere­chen­bar“, beka­men wir mehr­fach zu hören.

[1] Für die­sen Bei­trag wur­den Arti­kel des Han­dels­blat­tes vom 24.02.2026, 13.03.2026 und 19.03.2026 sowie im Süd­ku­rier vom 04.04.2026 ver­wen­det