Weniger Autoverkehr bedeutet mehr Lebensqualität

28.05.2020

Update meiner Untersuchung aus 2018

Vor zwei Jah­ren habe ich meh­re­re Stu­di­en ver­gli­chen, um der Fra­ge ob es einen Zusam­men­hang zwi­schen weni­ger Ver­kehr und mehr Lebens­qua­li­tät gibt auf den Grund zu gehen. Hier mein Arti­kel vom 21.03.2018 https://www.matthias-gastel.de/weniger-autos-mehr-lebensqualitaet/. Jetzt habe ich den Wis­sen­schaft­li­chen Dienst des Bun­des­ta­ges gefragt, wie es in sechs bei­spiel­haf­ten Metro­po­len um Ver­kehr und Lebens­qua­li­tät steht.

Für Kopen­ha­gen, Zürich, Wien, Bir­ming­ham, New York und San Fran­cis­co habe ich eini­ge Kenn­zah­len für den Modal Split und für die Lebens­qua­li­tät neben­ein­an­der gelegt. Ver­gleich­ba­re Daten für Modal Split fin­den sich beim MIV-Anteil (Moto­ri­sier­ter Indi­vi­du­al­ver­kehr) und ver­lo­re­nen Stun­den im Stau. Lebens­qua­li­tät-Ran­kings gibt es meh­re­re. Mit denen von Mercer und Num­beo habe ich mir zwei der renom­mier­tes­ten ange­se­hen.

Kopen­ha­gen, Zürich und Wien haben unter den sechs unter­such­ten Städ­ten einen ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen MIV-Anteil am Ver­kehr, das heißt im Umkehr­schluss einen hohen Anteil im Umwelt­ver­bund. In die­sen drei Städ­ten gibt es auch weni­ger ver­lo­re­ne Stun­den im Stau. Bei Mercer fin­den sich die­se drei Städ­te unter den Top 10 für sehr hohe Lebens­qua­li­tät. Bei Numeo lie­gen fin­den sich für die Lebens­qua­li­tät eben­falls Spit­zen­wer­te mit Wer­ten von 186 bis 201. In Bir­ming­ham, New York und San Fran­cis­co sieht es hin­ge­gen nicht ganz so gut aus. Der Anteil des MIV und die ver­lo­re­nen Stun­den im Stau sind hier signi­fi­kant höher und die­se Städ­te haben nach west­li­chen Stan­dards gese­hen ins­ge­samt eine eher mitt­le­re Lebens­qua­li­tät (Mercer Plät­ze 34 bis 49, Numeo Wer­te von 151 bis 167). Ledig­lich der Modal-Split-Anteil des MIV liegt in New York etwas unter dem von Kopen­ha­gen, was jedoch mit der sehr unter­schied­li­chen Stadt­grö­ße erklär­bar ist. Der MIV-Anteil sinkt zwangs­läu­fig nach Stadt­grö­ße.

Das Ergeb­nis ist wenig über­ra­schend: Weni­ger Ver­kehr bedeu­tet in der Regel mehr Auf­ent­halts­qua­li­tät im öffent­li­chen Raum, mehr sozia­len Zusam­men­halt, weni­ger Lärm und bes­se­re Luft. Und Men­schen, die den Umwelt­ver­bund nut­zen bekom­men mehr natür­li­che Bewe­gung, sei es auf dem Rad oder zu Fuß auf kur­zen Wegen oder zur nächs­ten ÖPNV-Hal­te­stel­le. Das för­dert die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den.

Ich hat­te den Wis­sen­schaft­li­chen Dienst eben­falls gefragt, wie sich der Ein­zel­han­del und Gas­tro­no­mie in den sechs Städ­ten ent­wi­ckelt. Ich woll­te wis­sen, ob – wie es bis­wei­len behaup­tet wird – der Ein­zel­han­del in Innen­städ­ten lei­det, wenn dort der Auto­ver­kehr deut­lich redu­ziert wird. Lei­der habe ich hier kei­ne ver­gleich­ba­ren Daten für die sechs Städ­te bekom­men, blei­be aber an die­ser in der Ver­kehrs­wen­de-Dis­kus­si­on sehr wich­ti­gen Fra­ge dran. Zur feh­len­den Ver­gleich­bar­keit der Daten, die Städ­te in die­sen Bran­chen erhe­ben, kommt hin­zu, dass sich der Han­del gera­de auf­grund der Ver­la­ge­rung hin zu Online-Ange­bo­ten in einem star­ken Umbruch befin­det. Ich gehe davon aus, dass der sta­tio­nä­re Han­del und die Gas­tro­no­mie in Städ­ten mit leben­di­gem Stra­ßen­le­ben bes­se­re Über­le­bens­chan­cen haben,. Sol­che Städ­te dürf­ten also dop­pelt gut auf die Zukunft vor­be­rei­tet sein und in den Lebens­qua­li­täts-Ran­kings auch künf­tig auf den Spit­zen­plät­zen zu fin­den sein.

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