Wieder drei Tage zu Fuß durch den Wahlkreis

Wenn man mehr von Land und Leu­ten erfah­ren möch­te, so soll­te man sich zu Fuß auf den Weg machen. Man soll­te sich Zeit neh­men für Gesprä­che und für die Ein­drü­cke ent­lang des Weges. Das dach­te ich mir auch in die­sem Som­mer wie­der, schnür­te mir die beque­men Lauf­schu­he und erkun­de­te die Gegend um Kirch­heim und den Alb­trauf. Meist war ich in Beglei­tung unter­wegs und manch­mal stie­ßen Inter­es­sier­te an den ein­zel­nen Sta­tio­nen hin­zu.

Los ging es bei „Mapo­fa“, einer Manu­fak­tur für Fahr­rad­an­hän­ger in Kirch­heim unter Teck. Kern­ele­men­te der Anhän­ger mit ihren sil­ber­nen Alubo­xen sind Fede­rung und Leicht­lauf­ach­se. Es gibt die Anhän­ger in unter­schied­li­chen Grö­ßen. Bis zu 45 Kilo­gramm kön­nen zuge­la­den wer­den. Sie bie­ten sich für den gewerb­li­chen oder pri­va­ten Trans­port bei­spiels­wei­se von Ein­käu­fen und Werk­zeug an. Ein­zel­ne Model­le kön­nen aus­ge­lie­hen wer­den.

Einen Stein­wurf wei­ter ging es für mich mit Beglei­tung ins inklu­si­ve Cafe Mit­ten­drin. Getra­gen wird der gas­tro­no­mi­sche Betrieb mit sei­nen Mit­tag­essens- und Kuchen­an­ge­bo­te von den Werk­stät­ten Ess­lin­gen-Kirch­heim (WEK). Men­schen mit Behin­de­rung und mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen wird Beschäf­ti­gung auf dem zwei­ten Arbeits­markt gebo­ten. Wir spra­chen über die im Grund­satz posi­ti­ve Geschäfts­ent­wick­lung und die Chan­cen der Beschäf­tig­ten auf dem ers­ten Arbeits­markt.

Von Kirch­heim aus ging es vor­bei am Segel­flug­platz Hahn­wei­de und den Bür­ger­seen hin­auf auf die Alb. Die ers­te Über­nach­tung fand in Hoch­wang statt.

Am zwei­ten Tag tra­fen wir uns mit Mit­glie­dern der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de in Ober­len­nin­gen, um uns über den frü­he­ren Pfar­rer Juli­us von Jan zu infor­mie­ren. Er hat­te in sei­ner Pre­digt im Novem­ber 1938 „Heil- und Sie­g­ru­fe“ für unver­ein­bar mit Got­tes Wort erklärt und den Ras­sen­wahn kri­ti­siert. Er wur­de dar­auf­hin inhaf­tiert und konn­te sei­nem Beruf erst wie­der nach dem Krieg nach­ge­hen. Ihm ist eine Gedenk­ta­fel am Kir­chen­ge­bäu­de gewid­met und die Gemein­de trägt sei­nen Namen.

Wie­der ging es hin­auf auf die Alb. Dies­mal jedoch nach Schopf­loch ins „Rechen­zen­trum der beson­de­ren Art“. Seit 1870 wer­den dort in einer Schrei­ne­rei Holz­re­chen hand­werk­lich gefer­tigt. Die lang­le­bi­gen Rechen aus hei­mi­schem Eschen­holz kom­men im Umkreis von etwa 200 Kilo­me­tern in der Land­wirt­schaft, der Gar­ten- und Land­schafts­pfle­ge zum Ein­satz.

Die zwei­te Nacht ver­brach­te ich in Neid­lin­gen.

Dort schau­te ich mir gemein­sam mit dem Bür­ger­meis­ter, der Kita-Lei­te­rin und wei­te­ren Inter­es­sier­ten den Natur­kin­der­gar­ten mit sei­nem äußerst inter­es­san­ten Gebäu­de an. Das Gebäu­de ist ein läng­li­cher, run­der Wagen aus Holz und mit vie­len ver­spiel­ten Ele­men­ten ver­se­hen. Die Innen­aus­stat­tung ist lie­be­voll und bis ins Detail durch­dacht aus Kirsch- und Nuss­baum­holz gebaut: Tische und Bän­ke, waben­för­mi­ge Fächer für Spiel- und Bas­tel­ma­te­ri­al sowie Schrän­ke. Ein Holz­ofen kann die „gute Stu­be“ im Win­ter schnell auf­wär­men. Das Gebäu­de ist mit Natur­ma­te­ria­li­en wär­me­ge­dämmt. Auf dem Dach befin­det sich eine Solar­an­la­ge zur Strom­ge­win­nung. Rund­her­um gibt es einen Gar­ten mit vie­len Spiel­mög­lich­kei­ten. Zum päd­ago­gi­schen Kon­zept gehö­ren Hasen und ein The­ra­pie­hund. Zwei Tage pro Woche wan­dern die 20 Kin­der in den nahe­ge­le­ge­nen Wald.

Wei­ter ging es in bru­ta­ler Hit­ze nach Weil­heim an der Teck. Nach einem klei­nen Orts­rund­gang gab es ein Mit­tag­essen, mit dem mei­ne 19. Drei-Tages-Wan­de­rung ende­te.

Hier ein Rück­blick auf mei­ne Drei-Tages-Wan­de­rung im letz­ten Jahr: https://www.matthias-gastel.de/meine-18-drei-tages-wanderung-durch-die-region/